Braunschweig. Caroline und Najim Mamond haben einen Pferdestall in ein Café umgewandelt. Sein Name ist ein Andenken an eine ganz besondere Person.

Hinter der Entstehung des Cafés Mamio in der Dorfstraße 6 in Ölper steht eine berührende Familiengeschichte. Das erst wenige Woche geöffnete Café ist mehr als nur ein Café – es ist auch ein Andenken.

Vor zwei Jahren hat der Braunschweiger Najim Momand eine Idee: Er will ein Café in Ölper eröffnen. Denn dies fehlt ihm bisher im Braunschweiger Stadtteil am Ölper See. Ein Familiencafé schwebt ihm vor, das er zusammen mit seiner Partnerin Caroline und der Schwiegermutter Melanie Achilles führen möchte. In Ölper lebt Familie Achilles auf einem Resthof – Melanie Achilles war dort bis vor wenigen Jahren Tagesmutter.

Die Familie Achilles tut die Idee von Najim erst als Spinnerei ab – zu groß seien die Risiken, sagen sie. Doch er lässt nicht locker. Dank seiner Hartnäckigkeit und seines ausgeprägten visuellen Vorstellungsvermögens richtet Najim Mamond den ehemaligen Pferdestall schon vor dem inneren Auge mit Cafémöbeln ein. Freunde und Familie geben ihre anfängliche Skepsis allmählich auf.

2021 kann Najim seine Partnerin Caroline endlich überzeugen. Und kurz darauf auch seine Schwiegermutter. Einmal von der Idee überzeugt, töpfert Melanie Achilles auch gleich eine Geldschale für das geplante Café – mit dem Schriftzug „Caros Café“. So sollte es ursprünglich heißen. Nun aber heißt es Café Mamio. Und das hat einen berührenden Grund. Mamio ist der Spitzname von Melanie Achilles. Es ist nicht nur ein Spitzname, sondern eine liebevolle Bezeichnung für „Mami“. Najim nennt sie so. Auch seine eigene Mutter in seinem Herkunftsland Afghanistan nennt er so. Irgendwann nennt auch Caroline ihre Mutter Mamio.

Melanie Achilles erkrankt 2021 an Krebs. Die Eröffnung des Cafés vor wenigen Wochen am 15. September kann sie nicht mehr miterleben – sie erliegt vor einem Jahr ihrem Krebsleiden. Die Ideen von Melanie Achilles, wie die Süßigkeiten in Glasdosen für die Dorfkinder, und ihr Kosename leben im Café von Caroline und Najim Mamond weiter.

Nach den Pferden kommt der Kuchen

Die 25-jährige Caroline und der 30-jährige Najim haben 14 Innen- und 14-Außenplätze eingerichtet. Im Sommer kommen weitere Sitzplätze auf einer Rasenfläche auf dem Familiengrundstück dazu. Dienstags bis sonntags hat das Café von 10 bis 18 Uhr geöffnet, das Ehepaar backt die reiche Auswahl an veganen und nicht veganen Kuchen täglich im Caféladen selbst. Jeder Kuchen wird liebevoll auf Schiefertellern angerichtet.

Wo vor der Eröffnung noch zwei Pferde untergebracht waren, erstrahlt heute ein Interieur-Konzept im Shabby-chic-Stil den Gästen entgegen. Den Charme des Familien-Bauernhauses hat das Ehepaar Momand beibehalten – ein alter Melkstuhl der Ururgroßeltern von Caroline fristet nicht mehr ein trauriges, eingestaubtes Dasein auf dem Dachboden des angrenzenden Familienhauses, sondern dient nun als Deko-Element im Café. Auch die alten Stühle der Großeltern haben Einzug gehalten – „wir haben sie alle selbst abgeschliffen und neu bezogen“, sagt Caroline Mamond.

Zwei Jahre hat der Umbau des ehemaligen Pferdestalls zum heimeligen Café gedauert. „Am längsten haben die Genehmigungen durch die Stadt gebraucht“, erzählt Najim. Sie haben fast alles selbst umgebaut und eigenhändig Wasser- und Stromleitungen verlegt. „Uns hält so leicht nichts auf“, sagt Caroline Mamond stolz. Der Resthof, der sich seit über 200 Jahren in Familienbesitz befindet, ist inzwischen ein Mehrgenerationenwohnhaus. Das Ehepaar Mamond wohnt in der oberen Etage des Bauernhauses, der Vater von Caroline unten.

„Wir haben uns mit dem Café eine Freiheit erschaffen. Wir können unsere eigenen Ideen umsetzen und sind unsere eigenen Chefs“, sagt Najim Mamond. Zehn Jahre ist das Gastronomenpaar zusammen – sie ist für die Organisation und die Planung zuständig, er für den Einkauf, die Warenbeschaffung und das Marketing. Die Arbeit im Service und in der Küche teilen sie sich auf.

Saisonale Zutaten aus dem eigenen Garten

Es gibt eine feste Karte und tagesaktuelle Kuchen mit saisonalen Zutaten – in diesen Wochen Apfel- und Kürbiskuchen. „Die Äpfel bekommen wir von den Nachbarn aus Ölper, Kürbisse haben wir im Garten selbst angebaut – auch Zucchini, Tomaten und Gurken für unsere Sandwiches“, stellt Caroline Mamond ihre Speisekarte vor.

Der Kaffee erscheint mit einem Preis von über vier Euro auf den ersten Blick hochpreisig. „Wir haben uns lange durch unterschiedliche Kaffeesorten getestet“, berichtet Najim Mamond. Bio-Qualität anzubieten, sei ihm wichtig, und ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis. Fündig wurde er in der Kaffeerösterei Kaffeezeremonie im Magniviertel – von dort bezieht das Ölper Café seinen Bio-Kaffee aus Äthiopien.

Vegane Kuchen nach Familienrezepten

Veganen Kuchen gibt es wegen Carolines Schwester Nicole. „Sie ernährt sich seit zehn Jahren vegan und fand in der Anfangszeit keine veganen Kuchen in Cafés“, erzählt Caroline Mamond. Die Kuchenrezepte für ihre Kuchen erhält das Paar von eben jener Schwester und backt sie für ihre Gäste in Ölper nach.

Schon jetzt hätten sie Stammkunden, die regelmäßig einmal in der Woche zu Besuch kommen. In Ölper hätten sie viel Zuspruch erhalten; die wenigen Zweifler, die es gab, zählten inzwischen auch zu den Stammkunden, freut sich Caroline Mamond über die gute Akzeptanz ihres Cafés. Eine Nutzerin schrieb auf Instagram über ihren Besuch: „Gestern habe ich das schöne Café im von mir geliebten Ölper entdeckt und auch noch viele mir bekannte Gesichter an den Tischen. Wirklich eine Bereicherung für den Ort, und die Spaziergänger können sich auf eine herrliche Tasse Kaffee und leckeren Kuchen freuen. Der Hof ist sehr idyllisch – für mich als Mensch aus der Innenstadt wie Urlaub.“

Kaffeegenuss ohne Musikbeschallung

Ein Alleinstellungsmerkmal des Cafés ist: Ruhe. Es läuft keine Musik im Hintergrund. „Mir hat die Ruhe oft gefehlt in anderen Cafés“, sagt Najim Mamond. Ohne Musikbeschallung gibt es das Geburtstagsfrühstück, den Nachmittagskaffee nach der Runde um den Ölper See oder den Sektempfang nach der Hochzeit in der gegenüberliegenden Ölper Kirche Sankt Jürgen. Und die kleinen Gäste können in der Zeit in der Spielecke mit einer Holzküche spielen. „Wir sind auch sehr hundefreundlich“, betont Caroline Mamond. Es gibt einen Hundekorb und auch kostenlose Leckerlis für die Vierbeiner.

Pläne hat das Ehepaar Mamond noch viele. So soll das Café barrierefrei ausgebaut werden, im Sommer soll es längere Öffnungszeiten geben, und auch weiteres Personal wollen sie ab April einstellen. Auch ans Expandieren denken sie schon. Ein weiteres Hofcafé auf einem Resthof in Vechelde haben sie bereits ins Auge gefasst.

Am Samstag, 9. Dezember, werden im Café Mamio Weihnachtskekse mit Kindern gebacken. Anmelden kann man sich hierfür direkt im Café oder unter 0173 3442217.