Dem Ehepaar van Vlerken gelingt der ICAN-Doppelsieg

Nordhausen.  Per und Yvonne van Vlerken triumphieren beim ICAN Nordhausen über die Halbdistanz von 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21 km Laufen.

Das Ehepaar Per und Yvonne van Vlerken siegte beim ICAN Nordhausen.

Das Ehepaar Per und Yvonne van Vlerken siegte beim ICAN Nordhausen.

Foto: Christoph Keil / Veranstalter

Die Topfavoriten Yvonne und Per van Vlerken sicherten sich die Siege bei der siebten Austragung des ICAN Nordhausen in der Rolandstadt im Südharz über die Mitteldistanz von 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21 km Laufen. Nach 3:59:24 Stunden verwies Per van Vlerken den Eschweger Philipp Mock, nach dem Radfahren noch in Führung liegend, nur zwei Wochen nach dessen fünften Platz beim Ironman Hamburg auf den zweiten Platz. Das Podium vervollständigte Lokalmatador Peter Seidel vom Nordthüringer Orthim Triathlon Team.

Im Damenrennen feierte Yvonne van Vlerken einen Start-Ziel-Erfolg. Die frühere Langdistanz-Weltrekordhalterin aus den Niederlanden hielt die talentierte 24-jährige Bundesliga-Starterin Pauline Neidel (Dresden) in Schach. Den kürzeren ICAN64 (1 km Schwimmen, 53 km Radfahren. 10 km Laufen) gewannen Jana Löhden (Hamburg) und Robin Schneider (Gera).

Wöllner versucht es von der Spitze aus

Auch wenn die Saison für Marcus Wöllner bislang noch nicht optimal verlief, spielte der Leipziger im Sundhäuser See erneut seine Stärke aus und legte in der 1,9 Kilometer langen Auftaktdisziplin eine Minute zwischen sich und Topfavorit Per van Vlerken. Fünfter und bereits über drei Minuten zurück war Lokalmatador Peter Seidel, weitere 30 Sekunden später folgte Philipp Mock, der nur zwei Wochen nach seinem Start beim Ironman Hamburg und trotz noch schwerer Beine die Herausforderung im Südharz nicht scheute.

Wer dachte, van Vlerken würde anschließend das Rennen im Alleingang dominieren, der hatte sich getäuscht. Marcus Wöllner gewann sowohl die TEAG-Bergprämie, ging als Führender auf die zweite Radrunde und behauptete sich bis zur letzten Wende bei Kilometer 64, als van Vlerken den Anschluss fand. Lange blieb das Duo aber nicht zusammen, denn Mock, als starker Radfahrer bekannt, überholte wenig später die beiden Leipziger. „Ich habe kurz versucht dran zu bleiben, musste ihn aber doch ziehen lassen. Er ist in seinem Tempo weitergefahren, für mich hat es sich wie eine Attacke angefühlt“, so van Vlerken. Glück für van Vlerken, Pech für Mock, dass es bis zum zweiten Wechsel zu großen Teilen nur noch bergab ging. Mit 20 Sekunden Vorsprung erreichte der Eschweger Silbermedaillengewinner der Deutschen Meisterschaft über die Langdistanz den Wechselgarten vor der Kreissparkasse.

Van Vlerken begleicht Rechnung

Durch einen schnelleren Wechsel schloss schon zu Beginn der Laufstrecke van Vlerken wieder auf Mock auf. Nach wenigen Minuten Schulter an Schulter setzte sich der Sachse nach vorne ab und legte langsam aber sicher Sekunde um Sekunde zwischen sich und seinen größten Verfolger. Spannend gestaltete sich das Rennen um Platz drei, wo es lange so aussah, als könnte sich Marcus Wöllner trotz der kurzen Schwächephase gegen Ende der zweiten Teildisziplin für ein couragiertes Rennen belohnen. Erst nach drei der vier Runden lief Lokalmatador Peter Seidel, nach dem Radfahren noch sechs Minuten hinter Wöllner, von hinten auf und hielt den letzten Podestplatz unter dem Beifall der Nordhäuser Zuschauer bis ins Ziel. An der Spitze führte kein Weg an Per van Vlerken vorbei, der sich nach Platz zwei zur Premiere-Veranstaltung 2013 hinter Georg Potrebitsch nun revanchierte.

„Eine tolle Veranstaltung mit einer anspruchsvollen Rad- und Laufstrecke. So manchen Anstieg hatte ich schon gar nicht mehr als so hart in Erinnerung, musste mich aber eines Besseren belehren lassen. Hart, härter, ICAN Nordhausen – ein schönes, ehrliches Rennen“, so van Vlerken, der im Oktober noch den Ironman Malaysia absolvieren wird. Mock verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz und erreichte knapp zwei Minuten dahinter das Ziel: „Zu Beginn der Laufstrecke habe ich gemerkt, dass die Beine noch im Langdistanz-Modus waren. Ich wollte aber unbedingt starten, da der ICAN nach meinem ersten Start 2018 zu meinen Lieblingsrennen gehört.“

Star-Ziel-Sieg für Yvonne van Vlerken

Nach dem Leipziger Triathlon und dem Ironman 5150 Maastricht sorgte Yvonne van Vlerken das dritte Wochenende in Folge dafür, dass das Triathlon-Ehepaar gemeinsam ganz oben auf dem Podium steht. Die 40-Jährige, bereits dreimal bei der Challenge Roth siegreich und 2008 Vize-Weltmeisterin auf Hawaii, feierte einen Start-Ziel-Erfolg, musste sich aber im familieninternen Duell – sie durfte maximal 10 Prozent über der Endzeit ihres Ehemannes Per bleiben – geschlagen geben.

„Schwimmen und Radfahren liefen wirklich gut. Die Anstiege auf der Laufstrecke hatten es in sich, dafür konnte ich auf den Bergab-Passagen immer wieder auf andere Athleten auflaufen. Wir sind weltweit schon bei vielen Rennen gestartet, aber Nordhausen muss sich keineswegs verstecken. Die Stimmung, die Strecke und das Ambiente waren einzigartig“, lobt die Niederländerin, die mittlerweile gemeinsam mit ihrem Ehemann in Leipzig lebt. Starke Zweite wurde die Dresdner Bundesliga-Starterin Pauline Neidel auf ihrer überhaupt erst zweiten Mitteldistanz vor Marie-Luise Klietz.

Rennen der Olympischen Distanz

Über den kürzeren ICAN64 von 1 Kilometer Schwimmen, 53 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen gingen die Siege an die Hamburgerin Jana Löhden und den Geraer Robin Schneider, der sich in diesem Jahr in seiner Altersklasse zum zweiten Mal in Folge für die Ironman-WM auf Hawaii qualifizieren konnte.

Topfavorit Schneider hatte dabei aber härter zu kämpfen als vorher gedacht. Vom Schwimmen an lag der Nordhäuser Youngster Tilman Kühne vom Orthim Triathlon Team in Front und baute auf dem Rad seinen Vorsprung sogar auf mehr als drei Minuten aus. Erst auf der letzten Laufrunde musste sich der Junior schließlich doch noch dem diesjährigen Gesamt-Zweiten des Ironman Santa Rosa in Kalifornien geschlagen geben. „Damit muss ich mich nicht verstecken“, so Kühne, für den es überhaupt die erste Olympische Distanz war.

Wie Renndirektor Ulrich Konschak bekanntgab, haben sich die Nordhäuser um die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft über die Mitteldistanz im kommenden Jahr beworben. Ein Unterfangen, das sowohl bei Profis und Altersklasse-Athleten viel Unterstützung findet. „Ein Rennen wie Nordhausen wäre perfekt als Deutsche Meisterschaft. Die Organisation ist hervorragend, die Landschaft schön und auch die Strecken haben noch Potenzial für zusätzliche Starter“, sind sich van Vlerken und Mock im Ziel einig.

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