Osterode am Harz. Trickbetrüger im Internet und am Telefon gibt es immer öfter. In Osterode gehen Polizei und der Paritätische gemeinsam gegen die Kriminellen vor.

Die gute Nachricht immer zuerst: Ältere Menschen sind in Deutschland insgesamt viel seltener Betroffene von Verbrechen als jüngere. Dennoch gilt, dass Ältere oft isoliert leben und sich in bestimmten Situationen nicht so sicher bewegen – zum Beispiel im Internet oder wenn sie mit einer Stresssituation konfrontiert werden. Dann sind sie anfällig für Betrügerinnen und Betrüger – auch in Osterode und der Region am südlichen Harzrand.

Mit dem sogenannten Enkeltrick erbeuten Kriminelle auch hier immer wieder große Summen von arglosen Mitbürgern. Die Maschen der Betrüger sind dabei nicht immer einfach zu durchschauen und passen sich stetig an. Um Menschen zu helfen, über die Gefahren und gängigen Tricks aufzuklären, kooperiert der Paritätische Wohlfahrtsverband in Osterode am Harz mit der Polizei. Ziel ist es, besonders gefährdete Menschen über die Tricks und Täuschungen der Verbrecher frühzeitig zu informieren.

Was sind die verbreitetsten Tricks der Enkeltrick-Betrüger?

Auch jüngeren Personen fällt es oft schwer, bei den mannigfaltigen Betrügereien die Übersicht zu behalten. Messenger-Betrug ist ein großer Bereich, der immer wieder auftaucht. Dort schicken Unbekannte mit fremder Nummer über gängige Nachrichten-Apps, wie beispielsweise Whatsapp, Textnachrichten und geben sich als die Kinder oder Enkel der Zielpersonen aus: „Hallo Mama, das ist meine neue Nummer, kannst Du gleich einspeichern“, heißt es dann oft. Wenn die nichtsahnenden Personen sich darauf einlassen, sammeln die Betrüger zunächst Informationen, bald schon aber fragen sie nach Geld.

Betrügereien dieser Art gibt es in vielen Abstufungen. Oft ist der Hebel, die Hilfsbereitschaft von Menschen ausnutzen zu wollen. Eine Steigerung sind Anrufe von scheinbar aufgelösten Personen, die sich als Kinder oder nahe Verwandte in einer Notsituation ausgeben und dringend Geld brauchen, um eine angebliche Kaution oder ähnliches zu zahlen. Oder sich gleich als Polizeibeamte ausgeben und behaupten, die Tochter oder der Enkel habe sich eines Verbrechens schuldig gemacht. Eine einfache Geldzahlung könnte das Problem aber aus der Welt schaffen.

Besonders am Telefon passieren auch im Altkreis Osterode immer wieder dreiste Betrügereien (Symbolbild).
Besonders am Telefon passieren auch im Altkreis Osterode immer wieder dreiste Betrügereien (Symbolbild). © dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Polizei und Paritätischer arbeiten zusammen in Osterode gegen Betrüger

Um Menschen zu helfen, nicht zu Opfern solcher Maschen zu werden, sind der Wohlfahrtsverband Der Paritätische und der Polizei Osterode, eine Partnerschaft eingegangen. „Das war für uns eine naheliegende Entscheidung, nicht nur, weil uns daran gelegen ist, Menschen zu unterstützen, die in eine solche Lage geraten könnten“, so berichten Anja Stöpler und Rosa-Maria Hamacher vom Paritätischen. „Unser Büro liegt außerdem in der Abgunst 1 – das der Polizei bekanntermaßen in der Abgunst 5. Es war für uns daher wortwörtlich naheliegend.“ Für die Polizei ist Oberkommissar Marco Wode der Kontaktbeamte vom Kommissariat in Osterode. Schon im November übergab er im Rahmen einer Infoveranstaltung Präventionsbroschüren der Polizei „Gut beraten im hohen Alter“ an den Paritätischen.

Der Wohlfahrtsverband möchte die Präventionsmaterialien nun an seine Kundinnen und Kunden und deren Angehörige weiterreichen. Auch werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Paritätischen von jetzt an mit ihren Kunden Gespräche über das Thema führen. „So erreichen wir auch diejenigen, die nicht mehr mobil sind, die aber trotzdem zu Geschädigten werden können“, so Stöpler. Für die Polizei ist es eine wertvolle Zusammenarbeit. Marco Wode: „Wir sind sehr dankbar dafür, dass der Paritätische die Kooperation eingegangen ist und das trotz der engen Zeitvorgaben in der Pflege.“ Der Polizeioberkommissar würde sich freuen, wenn weitere ambulante Pflegedienste sich zu einer solchen Zusammenarbeit bereit erklärten.

Was kann man tun, um sich und Angehörige vor Enkeltrick-Betrügern zu schützen?

In der Broschüre rät die Polizei dazu, auf bestimmte Dinge zu achten. Besonders beliebt wären Betrugsmaschen an der Haustür und am Telefon:

Gefahren an der Haustür

Kriminelle würden an Türen um einen Gefallen bitten: zum Beispiel ein Blatt Papier, die Nutzung der Toilette oder um die Benutzung des Telefons für einen Notfall. Während die Einwohner abgelenkt sind, durchsuchen die Täter das Haus nach Wertsachen. Ebenso würde es vorkommen, dass Leute sich als Polizisten, Handwerker oder Mitarbeiter von Behörden, wie den Stadtwerken, ausgäben. Die Polizei rät: Lassen Sie keine Unbekannten in die Wohnung, nutzen Sie einen Türspion und eine Sprechanlage. Bei Autoritätspersonen sollte man sich stets einen Ausweis zeigen lassen. Im Zweifelsfall sollte man erst bei der entsprechenden Behörde nachfragen.

Gefahren am Telefon

Hier kommt der klassische Enkeltrick gern zum Einsatz: Unbekannte geben am Telefon vor, ein Verwandter zu sein, der dringend Geld braucht. Eine ebenfalls beliebte Masche ist das Versprechen eines hohen Gewinns, natürlich nur gegen eine angebliche Gebühr oder Ähnliches. Um das Risiko von Betrug zu vermeiden, rät die Polizei in diesem Fall, schon vorab präventive Maßnahmen zu treffen: Den Vornamen im Telefonbuch abkürzen lassen zum Beispiel, denn der Name könnte Kriminellen als Hinweis auf das Alter der vermeintlichen Zielperson dienen. Ebenfalls sollten man stets misstrauisch sein, wenn Leute nach Geld fragen. Fremden sollte in keinem Fall Geld übergeben werden. Und wenn jemand am Telefon sich nicht mit Namen vorstellt, sondern darum bittet, den Namen zu raten, rät die Polizei: einfach auflegen. Enge Verwandte dann nur unter der bekannten Nummer zurückrufen.

Wer sich darüber hinaus weiter informieren möchte, wie er sich und seine Angehörigen vor Tricks und Betrug schützen kann, findet weitere Informationen auf der Webseite der Polizei: www.polizei-beratung.de. Auch die Broschüre der Polizei kann im Netz angesehen und heruntergeladen werden: https://www.polizei-beratung.de/medienangebot/detail/229-gut-beraten-im-hohen-alter/

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