Brände im Harz

Nationalpark Harz: Nabu geht juristisch gegen Totholzräumung vor

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Mit schwerer Forsttechnik wird Anfang Oktober sogenanntes Totholz aus einem Schutzstreifen um Schierke herum aus dem Wald entnommen.

Mit schwerer Forsttechnik wird Anfang Oktober sogenanntes Totholz aus einem Schutzstreifen um Schierke herum aus dem Wald entnommen.

Foto: Matthias Bein / dpa

Wernigerode.  Der Naturschutzbund Sachsen-Anhalt hat einen Eilantrag eingereicht. Die derzeit laufende Totholzräumung widerspreche dem Naturschutzrecht.

Nach den Bränden der vergangenen Monate wird vermehrt Totholz aus dem Nationalpark Harz geholt, Bäume werden gefällt – der Naturschutzbund Sachsen-Anhalt (Nabu) geht nun juristisch gegen diese Eingriffe vor. Der Umweltverband hat beim Verwaltungsgericht Magdeburg einen Eilantrag eingereicht. Er sieht das Vorgehen im Widerspruch zum Naturschutzrecht.

Die Maßnahmen seien mit den europäischen Vorgaben nicht vereinbar und führten zu einem herben Verlust an Biodiversität, so der Nabu. Ein Gerichtssprecher bestätigte den Eingang des Verfahrens am Mittwoch. Ein konkreter Entscheidungstermin könne derzeit noch nicht benannt werden.

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„Der Nationalpark Harz ist zum großen Teil europäisches Naturschutzgebiet, in dem besonders strenge Vorgaben sowohl für Lebensräume als auch für geschützte Tierarten gelten“, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung des Nabu. Beeinträchtigungen seien grundsätzlich verboten, könnten aber ausnahmsweise zugelassen werden. Voraussetzung sei jedoch, dass es eine belastbare Planung gibt, argumentierte der Nabu. Aus dieser müsse hervorgehen, was gemacht werden soll und welchen Ausgleich es für mögliche Beeinträchtigungen gibt. Auf eine Frage nach einer solchen Planung habe der Nabu vom Nationalpark keine nachvollziehbare Antwort bekommen.

„Der Nabu wendet sich ausdrücklich nicht dagegen, dass im direkten Umfeld von Ortschaften, beispielsweise von Schierke, Flächen geräumt werden“, hieß es weiter. „Für Flächen, die nicht unmittelbar an Ortschaften angrenzen, sind derartige unspezifische und weitreichende Maßnahmen aber unzulässig, weil das Naturschutzrecht entgegensteht.“

Im Nationalpark Harz war es in den zurückliegenden Monaten zu mehreren Bränden gekommen, die mit teils sehr großem Aufwand gelöscht wurden. In einer „Wernigeröder Erklärung“, die Forstminister Sven Schulze, der Nationalparkleiter, der Landrat des Landkreises Harz und Wernigerodes Bürgermeister Ende September unterzeichneten, war vereinbart worden, dass insbesondere zum Schutz von Orten vermehrt abgestorbene Bäume beseitigt werden sollen.

Zudem soll der Nationalpark Harz mehr Brandschneisen schaffen, damit die Feuerwehr Brandorte besser erreichen kann. Wo und in welchem Ausmaß die Schneisen entstehen, sollen Nationalpark, Feuerwehr und der Landkreis Harz entscheiden. Gegebenenfalls müssen Naturschutzbehörden einbezogen werden. Ein besonderes Augenmerk soll den Harzer Schmalspurbahnen gelten, entlang deren Strecke zum Brocken ein Großteil der Brände entstanden sein soll.

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