Bundestagswahl: Wahlprogramme, Parteien, Termin - Alle Infos

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Wegen Corona: Die teuerste Bundestagswahl überhaupt

Wegen Corona: Die teuerste Bundestagswahl überhaupt

Die Kosten für eine Bundestagswahl knacken erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke. Ein Grund für die Kosten sei vor allem, die vielen Briefwähler die erwartet werden - besonders wegen der Pandemie.

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Berlin.  Dieses Jahr ist Bundestagswahl: Wann ist der Termin? Was sagen Umfragen? Wer sind die Kandidaten? Hier finden Sie alle wichtigen Infos.

  • In wenigen Monaten findet die Bundestagswahl 2021 statt
  • Welche Parteien treten an? Gibt es wieder einen Wahl-O-Mat? Was sagen aktuelle Umfragen?
  • Hier finden Sie alle wichtigen Fragen und Antworten zur Bundestagswahl

Am 26. September ist es wieder soweit: In Deutschland wird ein neuer Bundestag gewählt. Dabei kommt es zu einem Novum: Erstmals tritt mit Angela Merkel eine amtierende Regierungschefin nicht mehr zur Wahl an. Das gab es noch nie.

Erstmals hat mit den Grünen für der Bundestagswahl 2021 zudem eine dritte Partei – neben der Union und der SPD – eine Kanzlerkandidatin aufgestellt. Das Rennen um das Bundeskanzler-Amt scheint offen. Damit Sie vor der Wahl über die nötigen Informationen für Ihre Entscheidung verfügen, beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um die Wahl.

Wann ist der Termin für die Bundestagswahl 2021?

Nach einem Vorschlag von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den 26. September als Termin für die Bundestagswahl festgelegt. An diesem Tag öffnen die Wahllokale um 8 Uhr morgens, bis 18 Uhr können dann Stimmen abgegeben werden. Lesen Sie auch: Superwahljahr 2021 – Das sind die Termine im Überblick

So läuft die Bundestagswahl ab
So läuft die Bundestagswahl ab

Wann steht ein Ergebnis bei der Bundestagswahl fest?

Um Punkt 18 Uhr, wenn die Wahllokale geschlossen sind, werden die ersten Wahlprognosen veröffentlicht. Dabei handelt es sich aber noch nicht um Ergebnisse, sondern lediglich um eine Vorhersage, die Wahlforscher anhand von Befragungen nach der Stimmabgabe treffen. Mit ersten Ergebnissen ist dann im Laufe des Abends zu rechnen. Mehr zum Thema: Prognose, Hochrechnung, Ergebnis – Was ist der Unterschied?

Wann war die letzte Bundestagswahl in Deutschland?

Die letzte Bundestagswahl vor vier Jahren war am 24. September 2017.

Wie oft finden Bundestagswahlen statt?

In Deutschland wird alle vier Jahre ein neuer Bundestag gewählt.

Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl - Wann geht das Tool Online?

Der Wahl-O-Mat ist ein kostenloses Frage-Antwort-Tool. Es zeigt dutzende politische Aussagen zu verschiedenen Bereichen an. Der Nutzer kann jeder Aussage entweder zustimmen, sie ablehnen oder neutral bewerten.

Auch in diesem Jahr dürfen sich die Wählerinnen und Wähler auf das beliebte Online-Tool freuen. Der kostenlose Wahl-O-Mat soll – wie schon in den Jahren zuvor – erst wenige Wochen vor der Bundestagswahl online gehen. Der Wahl-O-Mat ist auf www.wahl-o-mat.de zugänglich.

Wie kann man Wahlhelfer bei der Bundestagswahl werden?

Monate vor der Bundestagswahl werden Wahlhelfer gesucht. Ohne sie kann keine Wahl ordnungsgemäß durchgeführt werden. Um Wahlhelferin oder Wahlhelfer bei der Bundestagswahl zu werden, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird man von der zuständigen Behörde berufen, oder man meldet sich freiwillig.

Wer führt aktuell in den Umfragen zur Bundestagswahl?

Lange lag die Union in den aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl weit vor der Konkurrenz. Doch das hat sich geändert, das Wahlergebnis scheint komplett offen. Am 20. April überraschte eine Forsa-Umfrage, die die Grünen bei 28 Prozent sah (+ 5 Prozentpunkte), die Union dagegen nur noch bei 21 Prozent.

Alle neuen Umfragen finden Sie in unserer interaktiven Anwendung: Umfragen zur Sonntagsfrage - auch im Zeitverlauf.

Wer ist bei der Bundestagswahl wahlberechtigt?

Bei der Bundestagswahl sind alle deutschen Staatsbürger ab 18 Jahren wahlberechtigt.

Im Vergleich zur Wahl 2017 sind zudem mehr Menschen wahlberechtigt, weil nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nun auch behinderte Menschen mit einem Vormund und Personen, die nach einer Straftat in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wurden, aber als schuldunfähig gelten, wählen dürfen.

Wie können Stimmen abgegeben werden?

Von 8 bis 18 Uhr können am Wahltag Stimmen in Wahllokalen abgegeben werden. Welches Wahllokal zuständig ist, erfahren Wahlberechtigte rechtzeitig durch eine Wahlbenachrichtigung, die per Post zugestellt wird.

Wer diese Benachrichtigung erhalten hat, kann auch eine Stimmabgabe per Briefwahl beantragen. Diese ist schon vor dem eigentlichen Wahltag möglich. Wegen der Corona-Pandemie wird damit gerechnet, dass 2021 besonders viele Menschen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden. Nach Betrugsvorwürfen mit Blick auf die Briefwahl stellte der Bundeswahlleiter klar, dass die Wahl per Post sicher sei.

Lesen Sie auch: Corona macht Bundestagswahl 2021 so teuer wie nie zuvor

Wer wird bei der Bundestagwahl gewählt?

Bei der Bundestagswahl werden die Abgeordneten gewählt, die das deutsche Volk in den darauffolgenden vier Jahren im Bundestag vertreten.

  • Aus jedem Wahlkreis zieht dabei der Kandidat mit den meisten Stimmen in den Bundestag ein
  • Zudem entscheidet die Wahl darüber, wie viele Sitze die einzelnen Parteien im Parlament erhalten.

Die Spitzenkandidaten und -kandidatinnen der Parteien stehen also nicht direkt zur Wahl. Vielmehr wird Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin, wer mehr als 50 Prozent der im Parlament vertretenen Abgeordneten hinter sich vereinen kann.

Bundestagswahl: Wie viel Stimmen habe ich?

Das Wahlsystem in Deutschland gilt als "personalisiertes Verhältniswahlsystem".Bei der Bundestagswahl haben Wählerinnen und Wähler zwei Stimmen.

Was ist der Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme?

  • Mit der Erststimme stimmen sie für einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus ihrem Wahlkreis.
  • Dabei gilt das "The Winner takes it all"-Prinzip: Wer am meisten Stimmen erhält, zieht in den Bundestag ein.

Wie genau sich dieser zusammensetzt, wird durch die Zweitstimme entschieden.

  • Mit dieser wird eine Partei gewählt, die dann entsprechend der Anzahl der Stimmen Sitze im Bundestag erhält.
  • Erreicht eine Partei zum Beispiel 25 Prozent der Zweitstimmen, erhält sie auch 25 Prozent der Sitze im Parlament.

Verkompliziert wird dieser Prozess durch die sogenannten Überhangmandate. Gewinnt eine Partei bei den Erststimmen mehr Wahlkreise für sich, als ihr im Parlament laut Zweitstimmenanteil Plätze zustehen würden, dürfen dennoch alle Wahlkreiskandidaten in den Bundestag einziehen. Diese zusätzlichen Plätze im Parlament bezeichnet man als Überhangmandate.

Um die anderen Parteien dadurch nicht zu benachteiligen, gibt es Ausgleichsmandate. Mit diesen wird der Bundestag mit Abgeordneten aufgefüllt, bis deren Verhältnis wieder dem Verhältnis der Zweitstimmen entspricht. Durch dieses Vorgehen ist der Bundestag in den vergangenen Legislaturperioden immer weiter gewachsen.

Deshalb sollen beim Überschreiten der Regelgröße von 598 Sitzen im Bundestag bis zu drei Überhangmandate nicht mehr durch Ausgleichsmandate kompensiert werden

Welche Parteien sind im Bundestag?

Noch ist unklar, wie viele Parteien bei der Bundestagswahl antreten werden. 2017 hatten 42 Gruppierungen um den Einzug ins Parlament gekämpft, sieben haben es geschafft. Daher sind aktuell diese Parteien im Bundestag vertreten:

Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock: "Wir können Veränderung"
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Fünf-Prozent-Hürde: Warum sind nur so wenige Parteien im Bundestag vertreten?

Viele der Parteien, die bei der Bundestagswahl antreten, schaffen es nicht ins Partlament. Das liegt an der sogenannten "Fünf-Prozent Hürde".

  • Diese besagt, dass nur Parteien, die bei der Wahl mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten haben, in den Bundestag einziehen.
  • So soll verhindert werden, dass dieser aus unzähligen kleinen Fraktionen besteht.

Parteien der Bundestagswahl 2021: Was sind ihre Ziele?

Die deutsche Parteienlandschaft ist sehr vielfältig. Oft wird sie in das "Links-Rechts-Spektrum" eingeteilt. Es gibt aber auch viele Unterschiede, die durch diese Klassifizierung nicht erfasst werden können. Nachfolgend stellen wir kurz dar, mit welchen Zielen die aktuell im Parlament vertretenen Parteien in den Bundestagswahlkampf ziehen.

  • Union: Das Parteienbündnis aus CDU und CSU vertritt christlich-konservative Werte. Ein Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2021 liegt aktuell noch nicht vor. Parteivorsitzender Laschet kündigte jedoch bereits an, dass es in dem Wahlprogramm "um große wirtschaftliche Fragen, um große Haushaltsprobleme sowie um soziale und kulturelle Fragen" gehen werde.
  • SPD: Traditionell ist die SPD die Partei der Arbeiter, hat dieses Profil in den vergangenen Jahren aber immer weiter aufgeweicht. Laut dem SPD-Wahlprogramm will die Partei Hartz IV durch ein Bürgergeld ersetzen, die Einkommenssteuer reformieren und Deutschland bis 2050 klimaneutral machen.
  • AfD: Die "Alternative für Deutschland" gilt als rechtspopulistisch und tritt vor allem für konservative Werte ein. In ihrem Wahlprogramm stellt sie radikale Forderungen. So will sie den Familiennachzug für Geflüchtete abschaffen und die deutschen Außengrenzen mit "physischen Barrieren" wie Grenzzäunen sichern. Außerdem spricht sich die Partei für einen Austritt Deutschlands aus der EU aus.
  • FDP: Die FDP vertritt liberale Werte und spricht vielfach gegen staatliche Eingriffe zum Beispiel in die Wirtschaft aus. In einem ersten Entwurf ihres Wahlprogramms sprechen sich die Liberalen für eine Rentenreform aus und dafür, die EU-Subventionen für die deutsche Landwirtschaft abzuschaffen.
  • Die Linke: Vor der Bundestagswahl fordert die Linke höhere Sozialleistungen und eine Anhebung der Steuern für Vermögende. Zudem lehnt die Partei Auslandseinsätze der Bundeswehr grundsätzlich ab.
  • Bündnis '90/Grüne: Ihrem Kernthema entsprechend haben sich die Grünen in ihrem Wahlprogramm den Kampf gegen den Klimawandel als zentrales Thema für die Bundestagswahl ausgesucht. Bis 2030 will die Partei die Emission von Treibhausgasen um 70 Prozent reduzieren. Außenpolitisch setzt sie auf ein starkes Europa und ein verbessertes transatlantisches Bündnis.

Wer sind die Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl?

Die anderen Parteien stellen als Gesicht ihres Wahlkampfes einen Spitzenkandidaten bzw. eine Spitzenkandidatin auf. Festgelegt hat sich dabei bisher nur die FPD, die wie schon bei der Bundestagswahl 2017 auf Parteichef Christian Lindner setzt. Die Linke und die AfD haben die Personalie bisher noch nicht geklärt.

Noch stehen die Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl nicht ganz fest. Allerdings gibt es bereits Favoriten. Diese sind nach aktuellem Stand:

  • FDP: Christian Lindner
  • AFD: Alice Weidel und Tino Chrupalla
  • Die Linke: Dietmar Bartsch und Janine Wissler

Wer sind die Kanzlerkandidaten?

Bei der Bundestagswahl 2021 gehen erstmals drei Parteien mit einem Kanzlerkandidaten beziehungsweise einer Kanzlerinnenkandidatin ins Rennen. Die Union setzt nach einem Machtstreit zwischen CDU und CSU auf NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), die SPD auf Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Für die Grünen tritt Annalena Baerbock an.

Das ist der Unions-Kanzlerkandidat: Armin Laschet
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