Bundestagswahl

Die Grünen: Vorstand, Mitglieder – Der Steckbrief der Partei

| Lesedauer: 8 Minuten
Baerbock stimmt Grüne auf Wahlkampf-Endspurt ein

Baerbock stimmt Grüne auf Wahlkampf-Endspurt ein

Die Grünen kämpfen in der Schlussphase des Wahlkampfs gegen ein seit einiger Zeit anhaltendes Umfragetief, doch bei ihrem Parteitag in Berlin gibt sich Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock nicht für geschlagen: "Jeder dritte ist noch unentschieden, das sind 20 Millionen Menschen."

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Berlin  Bündnis 90/Die Grünen wollen nach der Wahl mitregieren. Wer sind wichtige Politiker aus der Partei? Was sind ihre Ziele? Alle Infos.

  • Die Grünen haben 2021 mit Annalena Baerbock erstmals eine Kanzlerkandidatin aufgestellt
  • Der Partei kann sich berechtigte Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung machen
  • Doch wer sind die Grünen eigentlich? Wer sind wichtige Politiker der Partei? Was sind ihre Ziele? Die wichtigsten Infos im Partei-Steckbrief

Die Grünen dürfen träumen. Nie war die Zeit günstiger für die Partei, die sich einst als erste den Umweltschutz auf die Fahne geschrieben hat. Doch nach dem ersten Höhenflug von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock muss die Partei sich nach aktuellen Umfragen mit dem dritten Platz bei der Bundestagswahl begnügen.

Trotzdem könnten Grünen, die ursprünglich als kleine Öko-Partei starteten, Teil der nächsten Bundesregierung werden. Käme es beispielsweise zu einer Mehrheit für eine Koalition mit SPD und der Linken, könnten die Grünen auf eine Regierungsbeteiligung hoffen. Alles, was man zu der Partei wissen muss, verrät dieser Überblick.

Von der Protestpartei zur stabilen Kraft im Parteiensystem

Zwar liegt der Schwerpunkt der Grünen weiterhin auf der Umweltpolitik, doch hat sich die Partei inzwischen weit von ihren radikal-linken Wurzeln entfernt. Längst passé ist das Selbstverständnis als „Anti-System-Partei“, mit dem die Grünen noch in ihrer Anfangsphase angetreten waren.

Die grüne Partei entstand vor allem aus dem Widerstand gegen die Atomkraft und aus Protest gegen die atomare Aufrüstung. In Westdeutschland gründeten sich die Grünen 1980 in Karlsruhe. Zehn Jahre später, 1990, schlossen sich in der DDR Bürgerrechtler zum Bündnis 90 zusammen, das drei Jahre später mit den westdeutschen Grünen verschmolz. Die Grünen gelten seither als erfolgreichste Neugründung in der Bundesrepublik. Vor der anstehenden Bundestagswahl am 26. September sehen sie sich als zukünftige Regierungspartei. Lesen Sie hier: Superwahljahr 2021 - Die Termine im Überblick

Wie heißen die aktuellen Vorsitzenden der Grünen?

Seit Januar 2018 führen Annalena Baerbock (40), die nun ebenfalls Kanzlerkandidatin der Partei ist, und Robert Habeck (51) gemeinsam als Vorsitzende die Grünen.

Baerbock kommt gebürtig aus Hannover, hat Politikwissenschaften in Hamburg und Völkerrecht in London studiert. Seit 15 Jahren ist sie Mitglied bei den Grünen und seit 2013 Mitglied des Bundestags. Sie ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in Potsdam. Am 19. April 2021 wurde sie zur Kanzlerkandidatin der Grünen ernannt. Lesen Sie mehr: Kanzlerkandidatin der Grünen: Das ist Annalena Baerbock

Habeck ist in Lübeck geboren. Er studierte ebenfalls in Hamburg und erlangte dort den Titel Doktor der Philosophie. 2002 trat er den Grünen bei, für die er sich bis 2018 landespolitisch in Schleswig-Holstein engagierte - unter anderem als stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Umwelt und Landwirtschaft. Auch Habeck ist verheiratet, er hat vier Kinder. Auch er stellte sich für die Kanzlerkandidatur zur Verfügung, verzichtete dann aber zugunsten Baerbocks darauf.

Was ist das wichtigste Thema der Grünen?

Ganz oben auf der Agenda der Partei steht seit eh und je der Umwelt- und Klimaschutz. Sollten die Grünen künftig regieren, wollen sie sich der Klimaneutralität widmen - und zwar "in allen Ressorts", wie Baerbock sagt. Ressourcen sollen nach Ansicht der Partei "nur noch in dem Maße genutzt werden, wie sie sich auch wieder erneuern lassen", heißt es im neuen Grundsatzprogramm. Daran wollen sich die Grünen politisch messen lassen.

Das Wahlprogramm wurde im Juni bei einem Parteitag verabschiedet. Die Grünen fordern darin einen sozial-ökologischen Umbau, ein Klimaschutz-Sofortprogramm und eine Kehrtwende bei Drohnen-Einsätzen in den Wahlkampf. Außerdem sollen Besserverdienende mehr Steuern zaheln. Mehr zu den Zielen hier: Grüne Wohlfühlrepublik: Das Wahlprogramm der Partei

Wer ist Kanzlerkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl 2021?

Annalena Baerbock ist die Kanzlerkandidatin der Grünen für die Bundestagwahl 2021. Das gab die Partei am 19. April 2021 bekannt. Neben ihr stellte sich auch Habeck als potenzieller Kandidat auf, verzichtete schließlich aber auf die Kandidatur.

Lesen Sie auch: Legalisierung von Cannabis: Was in den Wahlprogrammen steht
Warum heißt es Bündnis 90?

Das Bündnis 90 war in der DDR ein Zusammenschluss von Oppositionsgruppen und Bürgerbewegungen, der während der Wende entstanden war. Im September 1991 wurde das Bündnis 90 in eine politische Partei umgewandelt, im Mai 1993 entstand mit den Grünen die gemeinsame Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Wie hießen die Grünen früher?

Wie das Bündnis 90 entstanden auch die Grünen aus dem Zusammenschluss eines breiten Spektrums politischer und sozialer Bewegungen. Bereits in den 1970er-Jahren gab es kleine Parteien und Landesverbände, die Namen wie "Grüne Aktion Zukunft" oder "Grüne Liste Zukunft" trugen.

Der erste Landesverband der Grünen entstand im September 1979 in Baden-Württemberg. Die Bundespartei wurde am 13. Januar 1980 in Karlsruhe gegründet, die ab diesem Zeitpunkt dann auch "Die Grünen" hieß.

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Wer hat die Grünen gegründet?

Grundlage für die Grünen waren die zahlreichen Bewegungen der 60er- und 70er-Jahre, beispielsweise die Anti-Atomkraft-, Friedens- und Frauenbewegungen. Rein politisch gesehen reichte das Spektrum von konservativ bis links, so waren etwa auch Mitglieder der Studentenbewegung dabei. Mehr zum Thema: 40 Jahre Grüne: Party, Skandale und bald im Kanzleramt?

Daraus entwickelten sich zahlreiche kleine Parteien und Wahlbündnisse, die sich im Jahr 1980 schließlich zur Bundespartei zusammenschlossen. Es gibt also keine direkten Gründer, vielmehr entstand die Partei aus einem Zusammenschluss kleinerer Parteien und Gruppen.

Wann wurden die Grünen gegründet?

Das offizielle Gründungsdatum der Grünen ist der 13. Januar 1980. Das Bündnis 90/Die Grünen, wie die Partei heute heißt, entstand allerdings erst im Mai 1993.

Wo sind die Grünen am stärksten?

Baden-Württemberg ist nicht nur das Bundesland des ersten Landesverbandes der Grünen, sondern mit Winfried Kretschmann auch das erste mit einem grünen Ministerpräsidenten in Deutschland.

Traditionell gelten besonders die Universitätsstädte Tübingen und Freiburg als Hochburgen der Grünen. Auch in Städten wie Berlin, Hamburg und Bremen sind die Grünen stark.

Wie viele Mitglieder haben die Grünen?

Laut dem politischen Geschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, hat die Partei im vergangenen Jahr mit 101.561 Mitgliedern einen neuen Höchststand erreicht. Seit 2010 hat sich die Anzahl der Mitglieder damit annähernd verdoppelt. Noch im Jahr 2018 besaßen dem Statistikportal statista zufolge gerade einmal 75.311 Menschen ein Grünen-Parteibuch.

Trotz diesem Rekord landet die Öko-Partei im Vergleich mit CDU, CSU und SPD nur auf Platz vier des Mitglieder-Rankings. Zum Vergleich: Die CDU und SPD haben jeweils mehr als 400.000 Parteimitglieder.

Wann waren die Grünen zuletzt an der Regierung beteiligt?

Die Grünen kamen erstmals im Jahr 1998 auf Bundesebene in die Regierungsverantwortung. Unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) wurde Grünen-Frontmann Joschka Fischer Außenminister und Vizekanzler. In der ersten Regierungszeit arbeiteten sich die Grünen an Themen wie dem Militäreinsatz im Kosovo und dem Afghanistan-Krieg nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ab.

Auch in der zweiten Amtszeit von Schröder von 2002 bis 2005 waren die Grünen Koalitionspartner. Diese Jahren waren geprägt von der Kehrtwende in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik mit den Hartz-Gesetzen. Darunter litt jedoch vor allem die SPD. Nach dem Ende von Rot-Grün und der verlorenen Bundestagswahl 2005 gingen die Grünen zurück in die Opposition. Grünen-Politiker haben in den zwei Kabinetten Schröder insgesamt vier Ministerposten bekleidet – und mit zwei Ministerinnen dabei eine Frauenquote von 50 Prozent erreicht. (yah/lhel/bml)

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