„Spontane Hilfsinitiative“ ist 30 Jahre alt

Osterode.  Die Rumänienhilfe ist 1990 gegründet worden. Jubiläumsfeier und Benefizkonzert sind wegen Corona abgesagt.

Regelmäßig schickt die Rumänienhilfe in Osterode Lastwagen mit Hilfsgütern in die evangelische Gemeinde in Alba Julia in Rumänien.

Regelmäßig schickt die Rumänienhilfe in Osterode Lastwagen mit Hilfsgütern in die evangelische Gemeinde in Alba Julia in Rumänien.

Foto: Mark Härtl / Archiv HK

Die Rumänienhilfe ist nun seit 30 Jahren aktiv – „eine ungewöhnlich lange Zeit für eine spontan entstandene Hilfsinitiative“, wie Vorsitzender Karsten Dannenberg und Heinrich Lau von der Öffentlichkeitsarbeit im jüngsten Rundbrief schreiben. „Doch wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, nicht nur kurzfristig die aktuelle Not zu lindern, sondern langfristige Aufbauhilfe zu leisten.“

Schreckensbilder in der Wendezeit

„Die Schreckensbilder in der Wendezeit von den grauenvollen Zuständen in den Anstalten für behinderte Kinder im Ceausescu-Staat schrien nach Hilfe und bewegten die Herzen. Inzwischen haben wir die psychiatrische Klinik Galda de Jos sanitär saniert und beim Aufbau des Kinder- und Jugenddorfes für schwer Behinderte der Diakonia Alba Julia geholfen“, heißt es weiter in dem Schreiben.

Dannenberg und Lau weisen darauf hin, dass Rumänien inzwischen zur Europäischen Union gehört. „Trotzdem gehören behinderte Menschen zu den vernachlässigten Randgruppen. Wir arbeiten zusammen mit der Diakonia der evangelischen Gemeinde in Alba Julia (Siebenbürgen) unermüdlich daran, das Leben dieser jungen Menschen und von mittellosen und pflegebedürftigen alten Menschen lebenswert zu machen, und orientieren uns an europäischen Standards.“

Jubiläumsfeier wegen Pandemie verschoben

30 Jahren aktiv zu sein, sei ein Grund zum Feiern, finden die beiden. „Doch Covid-19 macht uns einen Strich durch die Pläne: Empfang und Benefizkonzert am 24. September müssen wir absagen.“ Allerdings soll das Fest nachgeholt werden: am Donnerstag, 16. September 2021.

Die Corona-Pandemie habe die Arbeit der Rumänienhilfe erschwert: „Die Zusammenarbeit mit den Harz-Weser-Werken war blockiert, da behinderte Menschen nicht arbeiten durften.“ Als Notmaßnahme sei eine Annahmestelle für Spenden im Laden Rollberg 9 in Osterode, Telefon 055228689600, eröffnet worden. Dieser ist bis auf Weiteres geöffnet von Montag bis Freitag, jeweils von 10 bis 16 Uhr. Große Mengen werden nach Terminabsprache abgeholt.

Schwere Auflagen für Pflegekräfte

„Wir haben mit großem ehrenamtlichen Einsatz unsere Hilfe ungebrochen fortgeführt“, schreiben Dannenberg und Lau. Kürzlich sei der elfte Lastzug in diesem Jahr mit etwa 15 Tonnen Hilfsgütern für Alba Julia beladen worden.

„Die rigorosen Auflagen in Rumänien waren für Pflegekräfte äußerst belastend. Aber es hat bisher bei den Schutzbefohlenen keine Covid-19-Infektion gegeben.“ Allerdings mussten die diakonia-eigenen Second-Hand-Läden geschlossen werden. „Dennoch fand Ehepaar Pfarrer Wagner Wege, Gebrauchtkleidung zu verkaufen, um die stationäre Pflege für zirka 50 junge und 80 alte Menschen finanzieren zu können. Die Nachfrage nach Gebrauchtkleidung ist in Rumänien durch die Corona-Zeit rasant gestiegen, da viele Menschen durch Verlust der Arbeit verarmten.“

„Im Juli liefen in Rumänien befristete Corona-Verordnungen aus. Die Regierung versäumte Neuregelungen, was zu einer Verschärfung der Lage führte. Deshalb wird die geplante Reise der Delegation der Diakonia und der Musiker aus Alba Julia zum Jubiläumsempfang nach Osterode voraussichtlich nicht möglich sein.“

„Weihnachten im Schulranzen“

Seit vielen Jahren sammelt die Rumänienhilfe in Osterode auch für die Aktion „Weihnachten im Schulranzen“. Gesammelt wird das ganze Jahr über – zum Beispiel, wenn das Schuljahr beginnt, wird auf Sonderangebote geachtet. Mit Bunt- und Filzstiften, Schreibmaterial und Tuschkästen werden im November die gut erhaltenen Ranzen gefüllt. „Diese werden dann als Klassensätze in Schulen verarmter Dörfer des Bezirks Alba Julia verteilt.“

Die Rumänienhilfe bedankt sich bei allen Unterstützern. In den vergangenen Monaten bekam sie mehrer Sonderspenden, „die es uns ermöglicht haben, auch finanziell die Arbeit der Diakonia direkt zu unterstützen und vor Einschränkungen zu bewahren. Auch hat eine Gönnerin ihr (überschaubares) Erbe der Rumänienhilfe vermacht.“

Was gesammelt wird:

Die Rumänienhilfe sammelt alles zum Wiederverwenden – also nur in guter Qualität, ohne Fehler, gewaschen oder gereinigt: Gut erhaltene Kleidung für Groß und Klein, Wäsche, Schuhe, Schulranzen, dazu passenden Inhalt, Fahrräder, Pflegehilfsmittel wie Gehhilfen, Rollatoren, Rollstühle, Toilettenstühle, Pflegebetten und Matratzen (auf Anfrage), Pflegenachtschränkchen. Nicht gesammelt werden Möbel, Federbetten, Brillen, Kosmetika, Medikamente, Geschirr, elektrische Hausgeräte.

Die Spenden sollten in Kartons (Größe: Bananenkartons bis Umzugskartons) gebracht werden, möglichst nicht in Plastiksäcken, da diese nicht im LKW transportiert werden dürfen. Sammelstellen außerhalb von Osterode auf Anfrage.

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