Walkenried. Bus- und Bahn-Fan Michael Reinboth aus Walkenried hat das Harz-Kursbuch 2024 erstellt. Diese Probleme lassen ihn aber am ÖPNV zweifeln.

Es ist so etwas wie Google für Bus- und Bahnreisende in der Region: Das Harz-Kursbuch. Die neue Auflage für das Jahr 2024 haben die Mitglieder der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ um den Verkehrsexperten Michael Reinboth fertiggestellt und sie ist ab sofort erhältlich. Als sachliches und neutrales Auskunftsmedium können sich Touristen wie Einheimische gleichermaßen über das Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) informieren. Passend zur Herausgabe des neuen Harzkursbuchs bewertet Michael Reinboth aber auch die aktuelle Situation im ÖPNV - vor Ort, aber auch deutschlandweit. Und da entdeckt der Walkenrieder wieder so einige Probleme, die ihn wahrhaft zweifeln lassen.

ÖPNV im Harz: Neues Buch kennt alle Verbindungen

Gerade eine Tourismusregion wie der Harz benötigt ein umfassendes Nachschlagewerk, aus dem alles hervorgeht, was man mit Bahn und Bus in diesem Mittelgebirge machen kann. Und auch, wie man in den Harz kommt und wieder zurück. Welche Strecken gibt es? Sind die für Fahrten mit dem 49-Euro-Ticket geeignet? Welche Buslinien verkehren? Wo komme ich mit ihnen hin? Es braucht einen Überblick, um sich grundsätzlich orientieren und seine Wahl bezüglich des Reise- oder Wanderziels treffen zu können. Und das in aller Ruhe und ohne Stromverbrauch. All dies liefert auch 2024 das Harz-Kursbuch.

Der Bahnsteig am Bahnhof in Walkenried am Abend.
Der Bahnsteig am Bahnhof in Walkenried am Abend. © HK | Thorsten Berthold

„Es bedarf allerdings schon einer enormen Portion Optimismus, wenn man sich in diesen Wochen für den öffentlichen Personenverkehr mit Bahn und Bus starkmacht. Die Lokführergewerkschaft GDL überbietet sich in immer dreisteren Drohungen gegenüber den Bahnkunden, also denen, die mit ihrem Fahrpreis unter anderem die Gehälter der Lokführer mitfinanzieren. Denn die Kunden sind die Leidtragenden der ewigen Streikerei und nicht der Bahnvorstand“, macht Reinboth seinem Ärger Luft.

Verkehrsexperte aus dem Südharz: „Bahnfahren wird zum Glücksspiel“

Seiner Einschätzung nach dürfte Bahnfahren ab Mitte Januar 2024 zu einem Glücksspiel mit ungewissem Ausgang mutieren, bei dem nur eines feststehen dürfte: „Die Reisenden werden in Scharen das Weite suchen. Aber auch sonst steht es um die Bahn schlecht, denn alle zugesagten und beschworenen Mittelaufstockungen für Sanierung und Ausbau des Netzes haben sich schon erledigt, bevor überhaupt ein Euro geflossen ist: Die Mittel sollten dem jetzt vom Bundesverfassungsgericht gestrichenen Klimafonds entnommen werden.“

Ein Linienbus wartet an einer Haltestelle in Wieda darauf, dass Schüler einsteigen. Aufgrund von Personalmangel funktioniert der ÖPNV in Teilen des Südharzes seit Monaten nur eingeschränkt. 
Ein Linienbus wartet an einer Haltestelle in Wieda darauf, dass Schüler einsteigen. Aufgrund von Personalmangel funktioniert der ÖPNV in Teilen des Südharzes seit Monaten nur eingeschränkt.  © FMN | Thorsten Berthold

Auch über im Deutschland-Takt fehlende Anschlüsse müsse man sich, wie er in einer Pressemitteilung erklärt, nicht mehr aufregen. Alle Mittel für die zu seiner Umsetzung erforderlichen Ausbaumaßnahmen seien gerade gestrichen worden. „Aber das passt schon gut zusammen: Die GDL verjagt die Kunden und liefert damit der Bundesregierung das Argument, um auf Streckenausbauten verzichten zu können – fährt ja keiner mehr mit. Wie sagten schon die alten Römer: Schwierig ist es, keine Satire zu schreiben. Denn wenn mal kein Streiktag angesagt ist, es nicht schneit und auch keine Bauarbeiten stattfinden, man also reisen könnte, dann fallen Züge, aber auch Busse aus, weil der Krankenstand bei den Verkehrsunternehmen durch die Decke geht. Oder wieder mal ein Verkehrsunternehmen eine Ausschreibung gewonnen hat, das nicht in der Lage ist, für Personal und Fahrzeuge zu sorgen. Genau deswegen war es ja so preiswert und hat gewonnen.“

Fahrpläne im Harz: So schwierig ist das Zusammenstellen des Buches

Zuallerletzt komme hinzu, dass es rund um den Harz zum Fahrplanwechsel im Gegensatz zu zahlreichen anderen Regionen Deutschlands erneut keine oder nur marginale Verbesserungen im Angebot gebe. „Und wenn man denn doch welche entdeckt - im Regelfall als Abfallprodukt anderweitiger Erweiterungen -, dann werden sie, wie beim RE11 Düsseldorf – Kassel, prompt wieder zurückgezogen.“

Aber es gehe beim Harz-Kursbuch nicht um Satire, sondern um handfeste Informationen. „Obschon es unter den obwaltenden Umständen nicht so ganz einfach ist, Werbung für Bahn und Bus zu machen. Ein gedrucktes Werk hierüber aufzulegen, ist noch viel schwieriger, da deutsche Fahrpläne sich durch eine kaum abreißende Kette von Änderungen und ständig wechselnde Inkrafttretungstermine auszeichnen.“ Daher lautet der Appell von Michael Reinboth: „Für die aktuell geplante Fahrt bleibt also keine andere Wahl: Man muss vor Antritt und während der Reise unentwegt auf das mitzuführende Smartphone schauen, um zu prüfen, ob man denn sein Ziel auch noch erreichen wird.“

Ungeachtet aller Probleme stellt das Erfahren des Harzes mit Bahn und Bus eine gute Alternative zum Individualverkehr dar.
Michael Reinboth

„Ungeachtet aller Probleme stellt das Erfahren des Harzes mit Bahn und Bus eine gute Alternative zum Individualverkehr dar. Die Fülle der Reise- und Ausflugsmöglichkeiten ist beachtlich. Das wollen wir erneut zeigen“, meint Michael Reinboth, der wieder die Zusammenstellung des Werkes übernommen hat.

Harz-Kursbuch 2024: Hier ist erhältlich

  • Im „Harz-Kursbuch“ ist auf rund 250 Seiten alles Wissenswerte über Bahn und Bus im Harz zusammengestellt.
  • Das Buch ist wieder einbändig, kostet 5 Euro, und kann – bei Postversand zuzüglich Porto und Verpackung – bei der Initiative (Michael Reinboth, Klettenberger Weg 15, 37445 Walkenried, michael.reinboth@suedharzstrecke.de) bestellt werden.
  • Ein Bezug ist aber auch über den Harzer Tourismusverband in Goslar möglich.
  • Eine elektronische Version in Form einer pdf-Datei wird die Initiative in Kürze auf ihrer Homepage ebenfalls bereitstellen.
  • Der kostenlose Newsletter Südharzstrecke der Initiative kann hier abbonniert werden.

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