Ehrenamt im Südharz

Projekt Geiersberg 2.0 läuft – doch wo waren die Walkenrieder?

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Freier Blick gen Harz. Das Areal auf dem Wasserbehälter auf dem Geiersberg in Walkenried ist wieder freigeschnitten.

Freier Blick gen Harz. Das Areal auf dem Wasserbehälter auf dem Geiersberg in Walkenried ist wieder freigeschnitten.

Foto: VNK Südharz / Verein

Walkenried/Bad Sachsa/Wieda.  Nur Vereinsmitglieder helfen bei der Umgestaltung von Walkenrieds Hausberg - und ernten dafür noch Kritik. Der VNK Südharz will aber weitermachen.

Es war der Startschuss für den Geiersberg 2.0: Bei regnerischem Wetter wurden auf dem großen Parkgelände Pflanzen gepflegt, wertvolle Gehölze freigeschnitten, eine erste Blütenwiese vorbereitet und der Aussichtspunkt am Wasserbehälter für eine bessere Sicht in den Harz und die Landschaft freigeschnitten.

Viel geschafft wurde beim ersten Arbeitseinsatz des Vereins zur Erhaltung von Natur und Kultur (VNK) Südharz auf dem Geiersberg – dennoch ist die Bilanz des Vorstands nach der Auftaktveranstaltung ernüchternd.

Nur sieben Helfer vor Ort

Gerade einmal sieben Personen halfen mit, darunter mit Ausnahme eines Einwohners aus Zorge ausnahmslos Vereinsmitglieder und kein anderer Einwohner des Klosterortes. Und als ob das noch nicht reicht: Im Anschluss hagelte es gar noch Kritik aus der Bevölkerung. Für den VNK-Vorsitzenden Jörg Köttner unverständlich. „Wo waren diejenigen, die seit Jahren den Zustand des Parkes beklagen an diesem Tag“, fragt er mit einer gewissen Traurigkeit, gibt sich aber auch zugleich kämpferisch. „Wir machen weiter“, betont er gegenüber unserer Zeitung. Und das ist wichtig, umfasst das Projekt Umgestaltung Geiersberg, das mit dem Ortsrat abgestimmt und auch von diesem empfohlen wurde, zehn verschiedene Schritte.

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Aufgrund der schwachen Resonanz an Helferinnen und Helfern habe man weit weniger beim ersten Arbeitseinsatz umsetzen können als vorgesehen. Dennoch aber gab es Erfolge wie eben den Freischnitt des Wasserbehälters, ein Wunsch den die Walkenrieder in der Vergangenheit geäußert hatten. Gleichzeitig bereitete der örtliche Landwirt Jan Hanke die erste Blühwiese durch den Bodenumbruch vor. Die Einsaat erfolgt hier in den nächsten Tagen. „Spaß hatten wir aber dennoch bei der Arbeit“, sagt Köttner.

Aktion bei Infoabend präsentiert

Dennoch fragt sich der Vorsitzende wo die Walkenrieder an diesem Tag waren. Im Vorfeld der Aktion hatte der Verein mit Ortsbürgermeister Michael Reinboth die geplanten Maßnahmen im Freizeitzentrum vorgestellt. Doch bereits an diesem Abend war die Resonanz der Einwohnerschaft eher schwach. „Bei dieser Versammlung wurde mit den interessierten Bürgern das Konzept besprochen und überarbeitet.“ Dass zur Auftaktaktion niemand aus dem Ort erschien, mache alle Beteiligten traurig.

Dass nach den erfolgten Arbeiten es auch noch Kritik seitens der Bevölkerung gab, „war uns klar und ist auch nachvollziehbar“, zeigt sich Jörg Köttner sogar verständnisvoll. „Dieses Verhalten, das ich persönlich akzeptiere und erwartete, spiegelt doch eigentlich nur den Zustand unserer Gesellschaft wider. Man beklagt sich, möchte sich aber aus Gründen, die es mir nicht zusteht zu beurteilen, nicht einbringen“, findet er dennoch deutliche Worte.

Nörglern keine Beachtung geben

Und er gibt für den Verein auch ein Versprechen ab: „Wir machen weiter. Wir werden mit den Menschen, die sich für das Projekt und die Gemeinde einsetzen – und die Nörgelei überhöre – weiterarbeiten. Das auch in der Hoffnung und dem Wissen, dass die Nörgler schweigen und die wahren Interessenten und Helfer zu uns finden. Wir blicken nach vorn und nicht nach hinten. Gemeinsam schaffen wir viel, gegeneinander nichts.“

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Interessenten für die Mitarbeit oder eine Spende können sich gerne direkt beim Projektleiter Sascha Störmer unter 01752938000 melden.

Sachsas Stadtwald aufforsten

Aber auch die nächsten Aktionen stehen für den Verein bzw. Helfer bereits fest und an. In einer gemeinsamen Aktion mit dem Verein zur Erhaltung von Natur und Kultur im Südharz möchte das Stadtforstamt Bad Sachsa einen Arbeitseinsatz am Samstag, 15. Oktober, durchführen. Treffpunkt dazu ist am Ende der Brandstraße um 10 Uhr. Es sollen die reichlich vorhandenen Samen von Eiche und Esskastanie mit kleinen Hacken oder Handschaufeln zur Wiederbewaldung in die Erde gebracht werden.

„Das Saatgut ist in ausreichender Menge im Stadtwald bereits gesammelt worden, jetzt wird auf zahlreiche Helfer gehofft“, heißt es aus dem Forstamt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten, an geeignete Kleidung und festes Schuhwerk zu denken.

Weitere Bewegung kommt auch in das Projekt Schulholz in Wieda. Ziel des Projektes ist die Umgestaltung des Areals in einen artenreichen Hutewald und gleichzeitig den Wildschweinen im Ort einen Rückzugsort zu nehmen. „Wir möchten den innerörtlichen Lebensraum der Wildschweine in Wieda uninteressanter gestalten und somit die Schäden im Ort verringern. Damit verbunden ist eine Ausdünnung der Bäume am Schulholz, was zu weniger Deckung und Ruhe für die Wildschweine führt. Gleichzeitig fördern wir vitale Einzelbäume.“

Keine Bejagung erlaubt

Ein weiterer Baustein im VNK-Konzept war das Vertreiben des Schwarzwildes durch Bejagung. Nach der passenden Ortswahl stellte die Gemeindeverwaltung in Walkenried bei der unteren Jagdbehörde des Landkreises Göttingen den Antrag auf Bejagung im befriedeten Bezirk. Ein Treffen mit den Verantwortlichen fand statt, das Vorhaben wurde befürwortet, doch die Genehmigung nicht ausgesprochen. „Diese Entscheidung nimmt uns einen wichtigen Baustein zur Minimierung der innerörtlichen Schäden“, sagt Jörg Köttner. Auch ein Förderantrag des Projektes seitens der Bingo-Lotto-Stiftung wurde kurz danach abgelehnt. Trotz dieser Rückschläge soll es weitergehen.

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Am 22. Oktober sind interessierte Helfer und eventuelle Brennholzinteressenten zu einer Vorbesprechung auf den Parkplatz am ehemaligen Hotel „Krone am Park“ in Wieda eingeladen. Hier wird das weitere Vorgehen für Aktionen in den kommenden Wochen abgesprochen.

Viele Arbeitsstunden geplant

Zunächst sollen gefällte Bäume und noch zu fällende aus der Fläche gebracht und als Brennholz gegen eine Spende für den VNK abgegeben werden. Doch dann müssen Äste und Restholz geräumt und der Unterbewuchs ausgedünnt werden. „Das bedarf vieler Arbeitsstunden, somit sind uns Helfer sehr willkommen.“ Weitere Informationen erteilt hier auch der Projektleiter Axel Krüger unter 01705135190.

Wer den VNK finanziell unterstützen oder Mitglied werden möchte erhält unter www.vnk-suedharz.de weitere Informationen.