Erneut Corona-Infektionen von Schlachthof-Mitarbeitern

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Mitarbeiter eines Schlachtbetriebs mit Mund-Nasen-Schutz zerlegen Schweinekeulen im Schlachtbetrieb der Emil Färber GmbH.

Mitarbeiter eines Schlachtbetriebs mit Mund-Nasen-Schutz zerlegen Schweinekeulen im Schlachtbetrieb der Emil Färber GmbH.

Foto: Jan Woitas / dpa

Cloppenburg.  Seit Beginn der Corona-Pandemie erweisen sich fleischverarbeitende Betriebe als Hotspots. In Cloppenburg wurden 63 Menschen positiv getestet.

Erneut gibt es in einem großen niedersächsischen Schlachthof eine größere Zahl von Corona-Infektionen. Betroffen ist der zum Vion-Konzern gehörende Betrieb in Emstek, sagte am Mittwoch der Cloppenburger Landrat Johann Wimberg (CDU). Allein am Dienstag seien 48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden. Schon seit einigen Tagen habe es positive Testergebnisse gegeben. In der Summe sei damit bei 63 Personen eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden. Eine Stellungnahme des Unternehmens gab es zunächst nicht.

Landkreis und Vion verständigen sich auf engmaschigere Testungen

Laut Wimberg verständigten sich Landkreis und Unternehmen auf Maßnahmen. So solle der Betrieb auf nur noch eine Produktionslinie heruntergefahren werden. Das heißt, dass nicht mehr bis zu 12.000 Schweine pro Tag geschlachtet werden, sondern nur noch maximal 7000. Außerdem sollen von nun an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Unternehmen betreten, täglich auf Corona getestet werden. Damit würden die bislang schon auf Anweisung des Landes stattfindenden regelmäßigen Tests ausgeweitet. Insgesamt hat der Schlachthof Wimbergs Angaben zufolge rund 1100 Beschäftigte. Die neuen Corona-Infektionen seien wegen der regelmäßigen Tests aufgefallen.

Die Mitarbeiter wohnen überwiegend im Kreis Cloppenburg, aber auch in den Nachbarkreisen Oldenburg und Vechta. Bislang seien etwa 30 Wohnungen oder Wohnheime bekannt. Für mehr als 300 Menschen sei Quarantäne angeordnet worden, sagte Wimberg. Wahrscheinlich hätten sich die Mitarbeiter außerhalb der Arbeit angesteckt und das Virus in den Betrieb mitgebracht. Nach ersten Erkenntnissen konzentriere sich das Infektionsgeschehen bei Mitarbeitern aus der Grobzerlegung. Andere Betriebsbereiche wie etwa die Schlachtung seien kaum oder gar nicht betroffen.

Betriebe der fleischverarbeitenden Industrie sind immer wieder Corona-Hotspots

Ob das öffentliche und private Leben wegen der Neuinfektionen flächendeckend im Landkreis eingeschränkt werden muss, steht laut Wimberg noch nicht fest. „Ad hoc sehen wir das nicht.“ Der neue Hotspot sei bislang auf den Bereich des Schlachthofes eingrenzbar. „Es ist allerdings auch eine sehr dynamische Situation, die wir jeden Tag neu bewerten.“ Er sei sicher, dass die Zahl von Neuinfektionen wieder die kritische Marke von 50 Fällen auf 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen überschreitet.

Schon im September waren die Fallzahlen im Landkreis wegen eines Infektions-Hotspots in Löningen stark gestiegen. Der Kreis habe sich in den vergangenen Wochen von einem Wert von über 60 bereits wieder auf einen Wert von unter 40 am Dienstag heruntergearbeitet, berichtete der Landrat.

Die drei Nachbarkreise Cloppenburg, Vechta und Emsland gehören derzeit zu den Landkreisen mit den höchsten Neuinfektionszahlen in Niedersachsen. Vechta verzeichnet aktuell 62,3 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, das Emsland 46,8. In Vechta gab es eine große Zahl von Neuinfektionen in einem Pflegeheim. Im Emsland ist ein zum Tönnies-Konzern gehörender Schlachthof in Sögel Hotspot. Landesweit stiegen die Infektionszahlen am Mittwoch um 273 auf insgesamt 21 621, wie das Landessozialministerium mitteilte.

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