Himmelfahrt in Corona-Zeiten: Das sind die Regeln am Vatertag

Braunschweig.  Vatertag bedeutet für viele Bollerwagen und Alkohol. In Corona-Zeiten wird das schwer. Dazu kommen Sonderregeln, etwa in Braunschweig und Wolfsburg.

Eine Gruppe junger Männer feiert den Vatertag mit einem mit Bier gefüllten Bollerwagen. Väter und andere Ausflügler müssen sich an Christi Himmelfahrt während der Corona-Pandemie auf Kontrollen und mitunter besondere Verbote einstellen. (Archivbild)

Eine Gruppe junger Männer feiert den Vatertag mit einem mit Bier gefüllten Bollerwagen. Väter und andere Ausflügler müssen sich an Christi Himmelfahrt während der Corona-Pandemie auf Kontrollen und mitunter besondere Verbote einstellen. (Archivbild)

Foto: Peter Steffen / dpa

In jedem anderen Jahr würden jetzt schon zahlreiche Bollerwagen geschmückt und mit Bierfässern oder Kästen beladen in den Garagen auf ihren Einsatz warten. In diesem Jahr ist bekanntlich alles anders – auch am Vatertag.

Angesichts der leider vielen Pöbeleien, Streitigkeiten und Körperverletzungen in den vergangenen Jahren in Niedersachsen und auch in unserer Region sorgen die Polizei und auch die Kommunen vor: Vielerorts gibt es Verbote, die Polizeidirektion Braunschweig kündigte auf Anfrage eine erhöhte Polizeipräsenz an.

Vatertag in Corona-Zeiten wird besonders heikel

Doch die Direktion will sich nicht in die Karten schauen lassen, wie viele Beamte es mehr sein werden. Auch die Ordnungsdienste der Kommunen sind verstärkt vor Ort. Den Behörden ist klar: Dieser Vatertag wird besonders heikel.

Eine Übersicht über die Bestimmungen aus Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter und die Landkreise Wolfenbüttel, Gifhorn, Helmstedt und Peine finden Sie am Ende dieses Artikels.

Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund hält Verbote in diesem Jahr für ein geeignetes Mittel. „Gerade wenn man gewahr ist, dass es an einem Ort in den letzten Jahren ausgeufert ist, könnten sie in diesen besonderen Zeiten sinnvoll sein, damit Abstand gehalten wird“, so Sprecher Thorsten Bullerdiek.

Corona-Verordnung macht Bollerwagen-Touren unmöglich

Die typischen Bollerwagentouren mit Teilnehmern aus mehr als zwei Haushalten können nach der landesweiten Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nicht wie üblich stattfinden. Danach muss in der Öffentlichkeit soweit möglich ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Ausgenommen sind nur Personen aus dem eigenen oder einem weiteren Haushalt. Von ausgelassener Feierei kann nicht die Rede sein.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) appellierte an die Bürger, sich an die geltenden Regeln zu halten. „Zwar spricht nichts dagegen, sich im kleinen Kreis zu treffen und mit dem nötigen Abstand spazieren zu gehen“, so Pistorius. Traditionelle Vatertagstouren mit allen Freunden seien aber in diesem Jahr nicht möglich.

Niedersachsens Innenminister Pistorius bittet um Vernunft

„Da bitte ich um Verständnis und Vernunft“, sagte er unserer Zeitung. Es gehe auch am Vatertag um den Schutz der eigenen Gesundheit sowie derjenigen, mit denen man unterwegs ist und auch um die Gesundheit der eingesetzten Polizei- Ordnungs- und Rettungskräfte. Minister Pistorius kündigte verstärkte Polizeikontrollen an.

Ähnlich äußerte sich Polizeipräsident Michael Pientka. Auch er appellierte an die Vernunft der Bürger in unserer Region. Er lobte die Menschen zwischen Harz und Heide für ihre „gelebte Disziplin“ in den vergangenen Wochen. Er kündigte aber an, dass am Donnerstag Polizisten und auch die Mitarbeiter der Ordnungsdienste „sehr präsent“ sein würden, damit die Corona-Regeln eingehalten werden.

Pientka machte auf Anfrage unmissverständlich klar: „Inakzeptables Verhalten werden wir nicht dulden und konsequent einschreiten.“ Er appellierte an die vielen Ausflügler in unserer Region: „Unterstützen Sie uns durch Ihr Verhalten und zeigen Sie sich solidarisch.“

Verbote an Vatertag auch anderswo in Niedersachsen

Vatertags-Verbote wird es nicht nur in unserer Region geben: Der Landkreis Aurich in Ostfriesland untersagt am Donnerstag Gaststätten- und Restaurantbetreibern den Außer-Haus-Verkauf von Alkohol. Anders als nach der ursprünglichen Regelung vorgesehen, dürfen in Außenbereichen nun zumindest doch alkoholische Getränke am Tisch serviert werden.

Der Landkreis Aurich hatte das Verbot zunächst damit erklärt, dass am Vatertag besagte Betriebe im Freien erfahrungsgemäß Ziel vieler Fahrradtouren seien und so Menschenansammlungen verhindert werden sollten. Es gab Proteste, der Landkreis ruderte zurück und lockerte das Verbot. Auch Autodiscos und andere Autoveranstaltungen sind in Aurich an dem Tag allerdings verboten.

Hannover hat per Allgemeinverfügung im Maschpark das Mitführen und die Benutzung von Glasbehältnissen wie Flaschen und Gläsern am Himmelfahrtstag verboten. Wiederholt sei es zu „missbräuchlicher Nutzung und zu erheblichen Verschmutzungen gekommen“, heißt es zur Begründung.

Polizei Hannover kontrolliert an Maschsee und Steinhuder Meer

Grillen sei dort ohnehin das ganze Jahr über verboten. Alle Vorschriften zum Schutz vor der Verbreitung des Corona-Virus seien einzuhalten, mahnte ein Stadtsprecher und kündigte entsprechende Kontrollen an, so auch andere Kommunen wie etwa die Landkreise Uelzen und Harburg.

Die Polizei Hannover will in Stadt und Umland deutliche Präsenz zeigen, vor allem an beliebten Treffpunkten wie am Maschsee oder am Steinhuder Meer. „Wir können nicht voraussagen, wie sich die Menschen verhalten, ob sich wie in den vergangenen Jahren Gruppen zusammenfinden“, sagte eine Sprecherin.

Auch die Polizeiinspektion Verden/Osterholz kündigte entsprechende Kontrollen an. Dabei werde man vor allem auch den Alkoholkonsum Minderjähriger im Blick haben.

Im Landkreis Lüneburg wird der Inselsee in Scharnebeck weiträumig gesperrt, wie eine Sprecherin ankündigte. Immer wieder gab es an dem Gewässer erhebliche Randale. Am Vatertag 2009 war dort ein 20-Jähriger bei einem Badeunfall ums Leben gekommen. Touren mit Kanu oder Floß auf der Ilmenau sind am Vatertag im Landkreis Lüneburg untersagt.

Verbotszonen an Vatertag in Braunschweig und Wolfsburg

In Braunschweig gibt es in diesem Jahr sowohl im Prinzenpark, als auch im Heidbergpark in diesem Jahr ein striktes Alkoholverbot. Das liegt nicht nur an der Corona-Krise: Stadt und Polizei reagieren auch auf die Eskalation im vergangenen Jahr.

In Wolfsburg gibt es ein Alkoholverbot im Allerpark. Polizei und Ordnungsdienste kündigen Kontrollen an. Die Stadt weist ausdrücklich drauf hin, dass Zusammenkünfte von Personen aus mehr als zwei Haushalten untersagt sind.

Glasflaschenverbot in Wolfenbüttel und Gifhorn

In Wolfenbüttel gelten natürlich die Regeln des Landes. Darüber hinaus besteht ein Glasflaschenverbot am Bismarckturm in der Asse. Im Landkreis Gifhorn sind Feiern auf den Schlosswiesen verboten, ebenso wie am Tankumsee.

Keine Sonderverbote in Salzgitter, Helmstedt und Peine

Die Polizei im Landkreis Helmstedt hat für den Vatertag verschärfte Kontrollen angekündigt. Regelungen über die üblichen Corona-Maßnahmen hinaus sind demnach nicht geplant. Auch im Landkreis Peine gibt es keine gesonderten Verbotszonen, die Corona-Regelungen werden aber kontrolliert. So sieht es auch in Salzgitter aus: Kein gesondertes Verbot, die Polizei wird aber verstärkt kontrollieren, ob die Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen eingehalten werden. Schwerpunkte werden der Salzgittersee der Parkplatz am Lichtenberger Burgberg sein.

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