Polizei im Einsatz: Absoluten Schutz vor Corona gibt es nicht

Osterode.  Beamte der Polizei stehen bei ihren Einsätzen an vorderster Front und gehören zur besonderen Risikogruppe. Desinfizieren ist deshalb ein großes Thema.

Die Polizei arbeitet nah an den Menschen – auch in diesen Tagen. Und jede Polizistin und jeder Polizist geht damit ein erhöhtes Risiko ein.

Die Polizei arbeitet nah an den Menschen – auch in diesen Tagen. Und jede Polizistin und jeder Polizist geht damit ein erhöhtes Risiko ein.

Foto: Axel Heimken / dpa

Es ist ohnehin schon ein schwieriges Geschäft, alkoholisierte und aufgebrachte Männer im Streit zu trennen, in Zeiten von Corona schon gar, will man die derzeit angeratenen Schutzbestimmungen einhalten. Und es ist besonders ärgerlich, wegen derart vermeidbaren Konflikten in Zeiten der Krise ausrücken zu müssen

Mit sechs Beamtinnen und Beamten aus Bad Lauterberg und Osterode war die Polizei beispielsweise am vergangenen Mittwoch gegen 17.45 Uhr vor dem Osteroder Netto-Markt präsent, um in eine Schlägerei einzugreifen.

Kontakt zum Teil unvermeidbar

Zwei aus der Szene bestens bekannte Männer waren unter Alkoholeinfluss aneinander geraten. Mit viel Geduld und gutem Zureden bewegten die Beamten den stark alkoholisierten Verursacher schließlich, in den Streifenwagen zu steigen, Regelungen zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus wurden soweit wie möglich umgesetzt. Der Mann wurde nach Göttingen zur Ausnüchterung ins Gewahrsam gebracht. Dafür hatte man eigens ein passendes Fahrzeug geordert, das im Inneren Beamte und „Passagier“ durch Schutzscheiben trennt.

„Für die Beamten ist es bei derartigen Einsätzen natürlich schwer, die Abstandsregelungen einzuhalten“, räumt der Leiter des Osteroder Polizeikommissariats Heiko Fette ein, denn Körperkontakt lässt sich nicht immer vermeiden. Hilfreich sei, dass es sich in der Regel um nur sehr kurze direkte Berührungen handele und die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus vor allem nach längeren Kontakten steige. „Meist fahren die Beamten im Moment sofort wieder zurück zur Wache, desinfizieren gründlich ihr Fahrzeug, das Material und ihre Hände.“

Klare Marschrichtung

Desinfektionsmittel und Schutzmasken habe man zur Zeit noch vorrätig, aber wie lange noch? Im Backoffice gehe man um die Bestände zu schonen dazu über, auf handelsübliche Mittel zurückgreifen, die ihren Zweck ja ebenfalls erfüllen. Mit dem Gesundheitsamt habe man die Verhaltensregeln für die Beamten eng abgestimmt. „Wir haben da eine klare Marschrichtung. Jeder Mitarbeiter sollte aufmerksam in sich reinhören und entsprechend sensibel sein“, so der Kommissariatsleiter. Im Zweifel geht es bei entsprechenden Symptomen umgehend zum Testen, es greift die sogenannte Bypassregelung, die derzeit für Polizei, Feuerwehr und andere Hilfs- und Rettungskräfte gilt. Demnach werden Beamte in den Testzentren ohne zeitliche Verzögerungen vor den anderen Aspiranten untersucht, auch um, abgesehen vom Schutz der Mitarbeiter, die schnelle Einsatzbereitschaft zu gewährleisten

Im Moment unterziehen sich laut Fette zwei Polizisten einem solchen Test, bestätigte Coronafälle liegen innerhalb der Osteroder Polizei aber noch nicht vor. „Wir tun was möglich ist, aber einen kompletten Schutz gibt es nicht. Das gilt für alle Bereiche, deren Mitarbeiter in der heutigen Zeit an vorderster Front stehen“, erklärt der Kommissariatsleiter. Polizei arbeitet nah an den Menschen, und jede Polizistin und jeder Polizist geht damit ein erhöhtes Risiko ein. Umso trauriger ist es, wenn sich Leute im Supermarkt wegen Klopapier prügeln oder zu Hause Partys feiern und die Polizei eingreifen muss.

Innerstädtischer Brennpunkt

In Osterode ist der Netto-Markt so etwas wie ein innerstädtischer Brennpunkt. Und so passiert es immer wieder: Männer kaufen sich dort Alkohol und verzehren ihn im Übermaß.

„Wenn es dann Ärger gibt, werden wir zu Hilfe gerufen. Das ist ein hausgemachtes Problem“, zeigt sich ein Beamter aus Osterode verärgert, dass sich die Kollegen in Zeiten von Corona derart in Gefahr bringen müssen. „Da schauen wir auch genauer hin, kontrollieren und lösen die Treffen natürlich auf“, sagte Fette. Wer uneinsichtig ist und zum Wiederholungstäter wird, dem droht polizeilicher Gewahrsam. Grundsätzlich aber verhielte sich die Bevölkerung der Sösestadt vorbildlich, lobt der Polizeichef.

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Info: Risikogruppen

An erster Stelle auf der Risikoliste stehen in Zeiten von Corona all die, die besonders gebraucht werden: Krankenpfleger, Krankenschwestern und Sanitäter.

Aber auch Polizistinnen und Polizisten sind besonders gefährdet. Der schnelle, häufige Kontakt mit völlig Unbekannten ist extrem risikoreich. Dies gilt genauso für die Supermarktkassierer und Feuerwehrleute, die meist auch im Rettungs- und Sanitätsdienst unterstützen.

Das größte Risiko, sich selbst oder andere anzustecken, hat allerdings ein Berufsstand, bei dem man einen Besuch in den nächsten Wochen vielleicht doch besser verschieben kann: Unangefochten ganz oben auf dieser Liste stehen nämlich die Zahnärzte, erklärt der deutscher Mediziner, Gesundheitswissenschaftler und SPD-Politiker Karl Lauterbach.

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