„Talsperre Steina ist keine Anlage für den Hochwasserschutz“

Bad Sachsa.  Der Geschäftsführer der Stadtwerke erbittet eine Versachlichung der Diskussion um die Anlage.

Die Talsperre in Steina. Die Anlage musste vom Netz genommen werden. 

Die Talsperre in Steina. Die Anlage musste vom Netz genommen werden. 

Foto: Thorsten Berthold / HK

Die Wasserversorgung der Stadt Bad Sachsa – und damit einhergehend auch die Talsperre Steina sind seit Monaten ein vielfach in der Politik und Bevölkerung diskutiertes Thema. Bereits am 11. August hatte die Meinung der Stadtwerke Bad Sachsa deren Geschäftsführer Martin Völz in einer Stellungnahme zum Sachstand der Wasserversorgung in Bad Sachsa und der Talsperre Steina und der Bitte an alle Parteien , mit diesem wichtigen aber auch komplexen Thema im aktuellen Bürgermeisterwahlkampf als eines der Schwerpunktthemen nicht zu polarisieren, dargelegt. Da das Thema aber weiter diskutiert wird, „sehen sich die Stadtwerke Bad Sachsa einem verstärkten Informationsbedarf ihrer teilweise stark verunsicherten Kunden gegenübersehen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Keine Änderung am Sachverhalt

Grundsätzlich habe sich an dem bereits veröffentlichten Sachverhalt nichts verändert . Es werde weiterhin seitens der Stadtwerke an einer Aktualisierung des Wasserversorgungskonzepts gearbeitet, aus dem dann die entsprechenden Handlungsalternativen abgeleitet würden können. Parallel würde fortlaufend die technische Entwicklung beobachtet, um so kostengünstigere und wirtschaftlich darstellbare Alternativen zu dem aus Jahr 2017 stammenden Modernisierungsangebot zu finden. „Warum sollten wir auch, sofern wir eine darstellbare Lösung finden, auf einen Vermögensgegenstand wie die Talsperre Steina dauerhaft verzichten?“, sagt Martin Völz, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Sachsa.

Er betont, dass sich ein Bundestagsabgeordneter über die Talsperre informiert habe , allerdings fand diese Information ohne Beteiligung der Stadtwerke statt, „so dass über den Informationsgehalt nichts bekannt ist. Für uns als Betreiber der Talsperre erschließt sich nicht, wie erfreulicherweise interessierte Bundes- und Landespolitiker nur durch ein bloßes Anschauen der Talsperre Erkenntnisse zum Modernisierungsbedarf gewinnen konnten?“, rätselt der Geschäftsführer.

Nur zur Trinkwasserversorgung

Möglicherweise ergebe sich vor diesem Hintergrund auch die Fehleinschätzung , dass es sich bei der Talsperre Steina um einen Hochwasserschutzanlage handele, wie zum Beispiel der Schmelzteichdamm in Bad Sachsa.

Die Talsperre Steina sei aber eine reine Trinkwasserversorgungsanlage , heißt es in der Mitteilung. Schon in dem Prüfungsbericht des Wasserwirtschaftsamtes Hildesheim zum Entwurf eines Staubeckens im Steinatal aus dem Jahr 1955 wird damals mitgeteilt: „Ein ständiger Einstau des Beckens ist geboten. … Nach Möglichkeit ist der Betrieb des Staubeckens so einzurichten, dass der Beckenstand nicht weiter als einen Meter über Entnahmeseihe abgesenkt wird…“.

Stadtwerke sehen keine Förderprogramme aktuell

„Hieraus und gerade aufgrund des geringen Fassungsvermögens ergibt sich von selbst, dass kein Stauraum zur Aufnahme von Hochwasser zur Verfügung steht und die aktuelle Problematik ergibt sich aus dem durch die gesetzliche Weiterentwicklung notwendig gewordenen Modernisierungsbedarf in der Wasseraufbereitung. Die momentan teilweise publizierten Förderprogramme sind bedauerlicherweise nach unseren Kenntnisstand gerade nicht dafür ausgelegt“, führt Völz weiter aus. „In den bestehenden, bzw. bereits beendeten Förderprogrammen sind die förderfähigen Sachverhalte klar vorgegeben, und in den für 2021 und 2022 angekündigten Programmen sind in den uns bisher bekannten Inhalten ebenfalls keine Fördermittel für die Modernisierung von Wasseraufbereitungsanlagen enthalten“.

Der zuvor ohne vorherige Abstimmung mit den Stadtwerken von politisch interessierter Seite veröffentlichten Finanzierungsalternative einer allgemeinen, gegebenenfalls temporären, Wasserpreiserhöhung erteilen die Stadtwerke eine Absage.

Bad Sachsas Kunden werden anders versorgt

„Vor dem Hintergrund eines Versorgungsanteils von nur 25 bis 40 Prozent aufgrund des rückläufigen Wasserdargebotes (insbesondere in den beiden Trockenjahren 2018/19) in den vergangenen zehn Jahren mit abnehmender Tendenz lässt sich eine allgemeine Finanzierungsumlage auf den Wasserpreis für alle unsere Wasserkunden , die außerdem zu einem großen Teil nicht aus der Talsperre Steina versorgt werden, nicht rechtfertigen und wirft mit Bick auf unsere Monopolstellung nicht nur rechtliche Bedenken auf“, fasst der Geschäftsführer seine Analyse zusammen.

Auf Grund der klimatischen Entwicklung sei gemäß der Stadtwerke Bad Sachsa auch die Nutzung von Tiefenwasser anstelle von Oberflächenwasser die nachhaltigere und sicherere Versorgungsquelle , insbesondere mit Blick auf die Größe der Talsperre Steina und die Entwicklung der Wassermengen der Steina. Entgegen anders lautender Behauptungen haben die beiden Tiefbrunnen in Bartolfelde dagegen im Jahr 2018 die Wasserversorgung Bad Sachsas zu 80 Prozent sichergestellt, und laut Stadtwerke zeigten sich auch keine Erschöpfungserscheinungen bei der Fördermenge oder –qualität.

Aufgabe: Wasserversorgung sicherstellen

„Aufgabe der Stadtwerke Bad Sachsa ist die nachhaltige, sichere und wirtschaftliche Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser und keine Umsetzung einer politisch motivierten Wünsch-Dir-Was-Strategie“, betont Geschäftsführer Martin Völz abschließend.

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