Hans Meiser: „Ich würde gerne wieder Radio machen“

Windhausen.  Hans Meiser sprach in Windhausen über seine Karriere, die aktuelle Entwicklung der Medien und über kulturelle Einrichtungen auf dem Land.

Im Anschluss an eine Vorführung des Films „unRuhezeiten“ von Eike Weinreich sprach Hans Meiser (links) über seine Karriere als Radio- und Fernsehmoderator und teilte Anekdoten mit den Gästen in der Kulturmühle in Windhausen.

Im Anschluss an eine Vorführung des Films „unRuhezeiten“ von Eike Weinreich sprach Hans Meiser (links) über seine Karriere als Radio- und Fernsehmoderator und teilte Anekdoten mit den Gästen in der Kulturmühle in Windhausen.

Foto: Felix Gräber / HK

„Die besten Fernsehleute haben alle vorher Radio gemacht. Die haben gelernt, Geschichten mit den Augen zu sehen und zu übersetzen; die kriegen alles mit“, meint Radio- und Fernsehmoderator Hans Meiser bei seinem Besuch in der „Kulturmühle“ in Windhausen. Im Gespräch mit Regisseur und Schauspieler Eike Weinreich sprach er über seine Karriere und aktuelle Entwicklungen in den Medien. Dabei sagte er deutlich, welchem Medium er den Vorzug gibt: Zwar habe ihm auch die Arbeit beim Fernsehen Spaß gemacht, sein Herz hängt jedoch an den eigenen Anfängen beim Radio.

„Ich würde gerne wieder Radio machen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Medium sei viel näher an den Menschen als das Fernsehen. „Ich unterhalte mich gerne, wenn die anderen zuhören. Alle, die vom Radio kommen, haben das“, meint Meiser. Es sei eine Gewohnheit, die aus der Zeit im Studio stamme und die man nicht leicht wieder ablege: Man redet am Mikrofon mit Leuten, die nicht da sind, müsse sich trotzdem immer an die Zuhörer wenden. Zudem sei Radio „das weit künstlerischere Medium“.

Meiser war über Jahrzehnte beim Fernsehen aktiv, als Redakteur und Moderator, gründete auch eine eigene Produktionsfirma. Trotzdem sieht er vieles daran kritisch: „Heute werden die Leute, salopp gesagt, mit der Peitsche vor die Kamera getrieben“, meint er. Die Leute, die vor der Kamera stehen, würden immer seltener wegen ihrer Eignung ausgesucht. Außerdem sei beim Fernsehen „die Halbwertszeit gering“, Gesichter würden weit schneller ausgetauscht als Stimmen. Trotzdem: „Man findet einfach Spaß daran, sich darzustellen. Das hat auch ein bisschen was von Prostitution.“ Auf Nachfrage aus dem Publikum erklärt der Moderator, dass es ihm etwa in seiner Talkshow immer besser gefallen habe, live zu arbeiten. „Der Unterschied ist, bei Live hast du keine zweite Chance. Live ist viel spannender.“ Insgesamt zeichnet Meiser ein zwiegespaltenes Bild vom Fernsehen.

Auftritte in Online-Formaten werden ihm vorgeworfen

Dabei ist er selbst, ist seine Arbeit, nicht unumstritten: Seine Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma von „Neo Magazin Royale“ etwa wurde, laut Wikipedia, ausgesetzt, als bekannt wurde, dass er für ein Onlineportal, das rechtspopulistische Verschwörungstheorien verbreitet, Spots eingesprochen hatte. Verschiedentlich wurde er deswegen als Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulist betitelt.

Demnach steht er auch wegen Werbung für unseriöse Finanzprodukte er in der Kritik. So trete er als Influencer für den zum Verlag für die Deutsche Wirtschaft gehörenden GeVestor Verlag auf, der umstrittene Börsennachrichten veröffentlicht. Meiser warne bei seinem Werbeauftritt im Interesse des Verlages Anleger vor bestimmten Aktien. Es besteht der Vorwurf, dass damit teure Abonnements des Verlages gefördert werden sollen.

Die Bezeichnung Rechtspopulist weist Meiser von sich: „Ich könnte brechen, wenn ich das höre.“ Er habe Geschichte studiert und kenne sich auch in seiner eigenen Familiengeschichte – er erwähnt schlesische Vorfahren – aus. Eine rechtspopulistische Einstellung verbiete sich da. Die Vorwürfe, so Meiser, hätten weh getan.

Und Verschwörungstheoretiker werde man heutzutage bereits genannt, wenn man offizielle Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe für den Ernstfall wiederhole. Er sagt jedoch auch: „Ich mache nur Dinge in meinem Leben, von denen ich überzeugt bin.“

Weinreich berichtet, die Vorwürfe seien während der Zeit ihrer Zusammenarbeit aufgekommen. Er habe Hans Meiser aber weder als jemanden kennengelernt, der politisch rechts eingestellt ist, noch als Verfechter von Verschwörungstheorien.

Mit seinem Publikum, auch in Windhausen, weiß Meiser umzugehen. Auf Nachfragen geht der 73-Jährige routiniert ein, kündigt an, man könne ihn alles fragen. So spricht der Moderator vor den etwa zwanzig Gästen der Kulturmühle auch über Kollegen, bezeichnet etwa Rudi Carrell anerkennend als einen „Berserker im Studio“ und Thomas Gottschalk als „genialen Typ“ und „die coolste Socke, die es gibt“. Mit vielen Weggefährten habe er noch Kontakt, mit anderen nicht. „Es ist beim Fernsehen ein bisschen wie im Zirkus“, meint er. „Man lernt sich kennen, die Wege trennen sich und vielleicht trifft man sich wieder.“

In den Harz ist Meiser gekommen, da er in Eike Weinreichs Film „unRuhezeiten“ die Rolle eines, wie er sagt, „Kinder hassenden, Weihnachten verabscheuenden Regisseurs“ spielt, der für ein Provinztheater ein Weihnachtsmärchen inszeniert. Der Film ist „eine Liebeserklärung an das Theater“, so Weinreich. Die Zusammenarbeit mit Hans Meiser kam durch eine einfach E-Mail zustande: Er habe nicht gewusst, wie er die Rolle besetzen sollte, und an Hans Meiser geschrieben, ohne wirklich daran zu glauben, dass es klappen könne, berichtet der Regisseur. „Du hast mich zappeln lassen“, sagt er an Meiser gewandt.

Der habe das ganze zunächst für einen Scherz gehalten, erklärt er, warum er erst nach mehreren Tagen auf die Nachricht reagierte. Schließlich sei er kein Schauspieler. „Bei den Dreharbeiten habe ich Eike schätzen gelernt“, erzählt der Journalist. Auch die anderen Schauspieler, „absolute Vollprofis“ wie er betont, hätten ihn als Mensch akzeptiert. „Es hat mir großen Spaß gemacht.“

Meiser lobt Einsatz für kulturelles Leben auf dem Dorf

Nach Windhausen gekommen ist Meiser auch, um das Angebot der Kulturmühle zu unterstützen. Er habe sich hier sofort wohlgefühlt. „Ich finde es gut, wenn Leute einfach versuchen, Leben ins Dorf zu bringen.“

Er fände es jedoch schade, erst im Dunkeln angereist zu sein, da es sein erster Besuch im Harz war. Vieles würde ihn, der seit er fünf Jahre alt war in Stuttgart aufwuchs, an den Schwarzwald erinnert. Etwa die „traumhaft schönen Häuser. Es sieht so aus, als kämen sie aus einer anderen Welt.“ Mit seiner Frau habe er überlegt, einmal im Harz einen Campingurlaub zu machen. „Wir wissen heute gar nicht, wie schön Deutschland ist“, sagt er. Man müsse nicht immer für einen Badeurlaub nach Mali fliegen.

Auch in Zukunft wollen Weinreich und Meiser zusammenarbeiten: Es sei bereits ein weiterer Film geplant, eine Gangster-Komödie, für die Meiser bereits unterschrieben habe, wie er selbst ankündigt.

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