Höfe und Kirche abgebrannt: Badenhausen wurde gnadenlos zerstört

Badenhausen  Die Bevölkerung des Dorfes hatte unter dem Dreißigjährigen Krieg und dem religiösen Konflikt während der Reformation zu leiden.

Mit dem Anschlag seiner 95, in lateinischer Sprache abgefassten Thesen wider den Ablasshandel am Tor der Wittenberger Schlosskirche löste Martin Luther einen tiefgreifenden Veränderungsprozess in Deutschland aus.

Die meisten norddeutschen Fürstentümer gingen schon bald zum lutherischen Ritus über. Nicht so das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel unter Herzog Heinrich dem Jüngeren (1514-1542, 1547-1568), einem Renaissancefürsten wie er im Buche steht. In der Stadt Braunschweig führte dennoch 1528 Johannes Bugenhagen, ein Freund Luthers, die Reformation ein. Nachdem der Schmalkaldische Bund im Jahre 1542 Herzog Heinrich den Jüngeren aus seinem Fürstentum vertrieben hatte, wurde erstmals 1542 die Reformation eingeführt, auch in Badenhausen.

Im gleichen Jahr erfolgte durch Bugenhagen in Seesen eine erste Visitation. Der Badenhäuser Priester Barthold musste sein Amt verlassen, neuer lutherischer Pfarrer wurde Johannes Koch. Die Visitation offenbarte verheerende Mängel in der Kirche von Badenhausen, vor allem die kirchlichen Gebäude waren in einem schlechten baulichen Zustand, die Pfarrei war sehr schlecht ausgestattet und es gab kein Schulgebäude. Nach der Schlacht bei Mühlhausen 1547 kam Herzog Heinrich der Jüngere zurück und nahm unerbittlich Rache. Erst unter seinem Sohn Herzog Julius (1568-1589) wurde im Jahre 1568 die Reformation endgültig durchgeführt, auch in Badenhausen.

Schulpflicht wurde eingeführt

Die von Herzog Julius am 1. Januar 1569 auf den Weg gebrachte Kirchenordnung, das „heilige Buch der braunschweigischen Landeskirche“, verlangte, dass alle Kinder, egal ob Junge oder Mädchen, eine Schule besuchen mussten. Die Pfarrei in Badenhausen war zu diesem Zeitpunkt vakant, sie wurde von dem Gittelder Pfarrer Zacharias mitbetreut. Im Jahre 1570 wurde Pfarrer Bernhardus Funcke bestellt. Die durchgeführte Visitation seiner Amtsausführung ergab, dass er die „predigt verachtete, die sacramente verseumte“. Funcke war noch nicht richtig in der lutherischen Lehre angekommen. Auch in anderer Hinsicht war er wenig beliebt im Ort, seine Frau backte Brot zum Verkauf, er beschimpfte seine Magd und predigte oftmals unter Alkoholeinfluss. Im Jahr 1588 wurde er entlassen.

Seine Nachfolger im Pfarramt haben in Badenhausen beeindruckende bauliche Leistungen auf den Weg gebracht. Im Jahre 1585 wurde mit dem Bau eines neuen Kirchturms begonnen, der 1588 geweiht werden konnte. Darin fand eine Glocke Platz. Im gleichen Jahr wurde eine Turmuhr angeschafft. Für 200 Gulden wurde ein neues Pfarrhaus mit Scheuern und Stallung gebaut. Im Jahre 1598 wurde der Altar von dem Maler August Kramer mit „Schildereien“ geziert. 1601 wurde der Neubau eines Hauses für den Lehrer begonnen. Im Jahre 1699 wurde ein neues Pfarrhaus errichtet, ein schöner zweigeschossiger, bis heute stehender Ständerbau.

Eigener Schützenhof

Im Jahre 1599 erhielt Badenhausen einen eigenen Schützenhof, ein Fest, das damals durchaus seinen Sinn darin hatte, die Dorfgemeinschaft zu fördern und die Wehrbereitschaft der Dorfbewohner angesichts der ständigen kriegerischen Ereignisse wachzuhalten.

Schon vorher hatten die Badenhäuser an den Gittelder Schützenfesten teilgenommen. Später wurde daraus ein reines Volksfest, ein Schützenfest, das heute in Abwechslung mit Gittelde und Windhausen nur alle drei Jahre durchgeführt wird.

Wie berechtigt die Angst vor militärischen Bedrohungen war, sollte sich bald zeigen. Der religiöse Konflikt zwischen den katholischen und evangelischen Mächten wurde Anfang des 17. Jahrhunderts immer bedrohlicher. Als die böhmischen Stände im Jahr 1618 mehrere habsburgisch-kaiserliche Beamte aus dem Fenster des Hradschin warfen, kam es zum Krieg, der sich langsam auch nach Norddeutschland fraß. Das gesamte Harzgebiet war ab 1623 bis 1648 immer wieder von kriegerischen Ereignissen betroffen.

Oftmals mussten die Einwohner von Badenhausen vor den Soldaten, egal welcher Partei, flüchten, in den Wald oder auch hinter die schützenden Mauern der Stadt Osterode. Als im Jahre 1632 Graf Meroda mit seinen Truppen vor Osterode stand und eine gewaltige Summe Geld forderte, im Verweigerungsfalle drohte er mit der Zerstörung der Stadt, mussten auch die nach Osterode geflohenen Badenhäuser ihr Scherflein zu der geforderten Freikauf-Geldsumme beitragen. Sie opferten den silbernen Löwen ihrer Schützenkette. Erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges konnte 1664 eine neue Schützenkette angeschafft werden.

Gewaltige Zerstörung

Das Badenhäuser Kirchenrechnungsbuch lässt mit seinen Berichten erahnen, wie gewaltig die Zerstörungen in dem zeitweise vollkommen verlassenen Dorf waren. Badenhausen wurde mehrfach Opfer von gnadenlosen Zerstörungen, Höfe wurden abgebrannt, Fenster zerschlagen, Türen zerhauen, Ställe verwüstet, die Kirche niedergebrannt, wo nur noch die Mauern stehen blieben. Schon 1645 bauten die Badenhäuser die Kirche neu auf, doch umsonst, denn kurz darauf zerstörten die Schweden die Kirche erneut. Nun blieb das Gotteshaus längere Zeit eine Ruine.

Viele Bewohner der Dörfer am Harz gingen im Dreißigjährigen Krieg zur Selbsthilfe über. Unter Führung des aus Eisdorf stammenden Hans Warnecke fanden sich zeitweise bis zu 600 Männer zusammen, die die Soldateska angriffen. Unter den Harzschützen befanden sich auch die Badenhäuser Lorenz Diekmann und Hans Stats Sötefleisch. Den Dörfern und Städten, die bei den katholischen Truppen von Tilly und Wallenstein in den Verdacht gerieten, mit den sogenannten „Schnapphahnen“, „Freybeutern“ oder „Landzwingern“ zusammenzuarbeiten, drohte die Gefahr der Verwüstung. So kam die Stauffenburg als Amtssitz in den Verdacht, mit den Harzschützen zu sympathisieren.

Gittelde wurde abgebrannt

Doch an die mächtige Burg trauten sich die Truppen Tillys nicht heran. Am Himmelfahrtstag 1627 wurde daher Gittelde abgebrannt. Badenhausen entging diesem Schicksal nur knapp. Herzog Friedrich Ulrich schrieb an Tilly und bat ihn, seine Untertanen zu schonen. Die Harzschützen kritisierte er ebenso, da diese inzwischen zu Wegelagerern geworden seien, die weder Freund noch Feind schonten.

Hans Warnecke war im Jahr 1627 durch eine List in Osterode gefangengenommen worden. Er wurde in Scharzfeld zum Tode durch Vierteilen verurteilt. Drei Teile seines Körpers – so will es die Legende – wurden an die Osteroder Stadttore gehängt, ein Teil verblieb in Scharzfeld.

Der Badenhäuser Hans Stats Sötefleisch entging der Hinrichtung, weil der Oberbergverwalter für ihn bürgte. Ohne Führung löste sich der Schnapphahnenhaufen langsam auf.

Für einige Jahre kehrte Ruhe in Badenhausen ein. Langsam erholte sich der Ort, wie wir aus der wachsenden Zahl der Einwohner sehen können (1648 etwa 350, 1700 etwa 420, 1750 etwa 520).

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (2)