Werder Bremen

Nach Ärger über Fan-Kontrollen in Wolfsburg: Polizei äußert sich

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Die Polizei wollte mit der Kontrolle verhindern, dass Pyrotechnik im Stadion gezündet wird (Symbolbild).

Die Polizei wollte mit der Kontrolle verhindern, dass Pyrotechnik im Stadion gezündet wird (Symbolbild).

Foto: Soeren Stache / dpa

Wolfsburg.  Vor dem Fußballspiel gegen den VfL Wolfsburg wurden Fans von Werder Bremen am Bahnhof kontrolliert. 270 Ultras reisten zurück.

Ein Polizeieinsatz rund um das Spiel des VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen (2:2) schlägt hohe Wellen. Die Ordnungskräfte hatten am Samstag im Vorfeld der Partie in der Fußball-Bundesliga eine Kontrollstelle am Wolfsburger Bahnhof für die Bremer Fans eingerichtet. Ziel dieser Maßnahme sei „Abwehr einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit“, wie die Polizei mitteilt. Sie habe Erkenntnisse darüber gehabt, dass „eine Vielzahl an Personen sogenannter Risikogruppen pyrotechnische Gegenstände“ mit sich geführt hätten.

Die Maßnahmen seien „in einem stark differenzierenden und abgestuften Verfahren“ durchgeführt worden. „Personen, die nicht den Risikogruppen zugeordnet werden konnten, konnten den Bahnhof sofort nach ihrer Ankunft ohne weitere polizeiliche Maßnahmen verlassen“, heißt es in der Mitteilung weiter. Einige hundert Bremer Ultras hatten sich deshalb dazu entschlossen, den sofortigen Heimweg anzutreten.

Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald übt scharfe Kritik an der Polizei

In einem Video, das in den sozialen Netzwerken kursiert, ist zu sehen, wie die Fußball-Anhänger von Polizeifahrzeugen umringt vor dem Bahnhof stehen. Im Hintergrund ist eine Durchsage einer Polizeisprecherin zu hören, die die Fans darauf hinweist, dass es im „gesamten Stadtgebiet eine Aufenthaltsverbotszone“ gibt. Es wurden Sichtkontrollen durchgeführt, durch die sich auch Durchsuchungsmaßnahmen ergeben könnten, die gegebenenfalls „mit Zwang“ durchgeführt würden.

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Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald übte scharfe Kritik an der Polizeiaktion. Der 61-Jährige bemängelte, dass selbst die Fanbetreuer sich nicht frei hätten bewegen und vermitteln können, weil auch sie sich immer wieder haben ausweisen müssen. Außerdem sagte er bei Werder.tv: „Das war auch für uns überraschend, weil sowohl der VfL Wolfsburg als auch die Sicherheitsabteilung des SV Werder Bremen die Partie übereinstimmend als Grün-Spiel eingeordnet haben. Als eines also, dass keine sicherheitsrelevanten Aspekte mit sich bringt. Und diese Einschätzung ist auch von der Bremer Polizei im Vorfeld so geteilt worden ist.“

Wolfsburger Polizei stuft VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen als Rot-Spiel ein

Die Wolfsburger Polizei dagegen teilt mit, sowohl sie als auch die Bremer Behörden hätten „das Verhältnis beider Fanlager als rivalisierend“ und die Partie somit als „sogenanntes Rot-Spiel eingestuft“ eingestuft. Dies sei dem VfL Wolfsburg bereits am 11. Juli mitgeteilt worden.

Auch Werders Leiter Profifußball Clemens Fritz war verwundert über die Maßnahmen. „Ich verstehe es nicht. Ich weiß nicht, wer das entschieden hat und ich weiß auch nicht, wer sich da verwirklichen wollte, aber ich finde es eine Frechheit“, sagte der Ex-Profi.

Das sagt Polizeivizepräsident Roger Fladung

Es besteht in dieser Sache also weiterhin Klärungsbedarf. Hess-Grunewald gibt dabei zu bedenken, dass derartige Situationen auch zum Politikum werden können. Das Verhältnis zwischen Polizei und aktiver Fanszene ist ohnehin gereizt. Die Kommunikation ist schwierig. Das gegenseitige Verständnis für die unterschiedlichen Rollen ist brüchig. Der Werder-Präsident habe nun Sorge, das Verhältnis könnte durch Vorkommnisse wie nun jene in Wolfsburg „weiter belastet werden“.

Roger Fladung, Polizeivizepräsident der Polizeidirektion Braunschweig, begleitete das Spiel zwischen dem VfL und den Bremern. Er habe einen „ruhigen, geordneten Ablauf“ beobachtet. „Wir werden in der Nachbereitung mit den Vereinen und Sicherheitsbeauftragten Gelegenheit haben, die Informationen und Bewertungen, die kurzfristig zu dieser polizeilichen Maßnahme geführt haben, auszutauschen“, wird er weiter in der Polizeimitteilung zitiert. Die Werder-Fans, die den Gästeblock der VW-Arena besiedelten, taten ihren Unmut über die Aktion lautstark kund.