Statt Abstrich kann für Coronatest auch gegurgelt werden

Braunschweig.  In Deutschland noch nicht so stark verbreitet, wird diese Methode in Österreich vermehrt für Tests an Schülern oder Reiserückkehrern eingesetzt.

Martina Fondi vom FH Campus Wien demonstriert einen Gurgeltest bei einer Pressekonferenz zum Schulbeginn im Herbst. In Österreich wird diese Methode schon standardmäßig bei Reiserückkehrern eingesetzt.

Martina Fondi vom FH Campus Wien demonstriert einen Gurgeltest bei einer Pressekonferenz zum Schulbeginn im Herbst. In Österreich wird diese Methode schon standardmäßig bei Reiserückkehrern eingesetzt.

Foto: Roland Schlager / dpa

Wie funktioniert der Gurgeltest, der auch für Coronatests eingesetzt wird? Das möchte eine Leserin unserer Zeitung wissen.

Mund auf, Wattestäbchen rein, Abstrich am Rachen, fertig – so funktioniert in einer Vielzahl von Fällen die Probenentnahme für einen Coronatest. Auch ein Abstrich in beiden Nasenlöchern ist möglich. Angenehm sind diese Arten der Probenentnahme für die Patienten meistens nicht. Denn der Abstrich mit den langen Wattestäbchen tief in den Rachen hinein kann leicht einen Würgereiz auslösen.

Abhilfe könnte hier der sogenannte Gurgeltest schaffen. Dabei handelt es sich um eine weitere Methode, eine Probe für einen Coronatest zu gewinnen. „Bei diesem Testverfahren müssen die Patienten mit etwa 10 Millilitern Spülwasser gurgeln, woraufhin die Flüssigkeit in einem Gefäß aufgefangen wird“, erklärt Mike Wonsikiewicz aus der Öffentlichkeitsarbeit des Landesgesundheitsamtes in Hannover. Bei dem Spülwasser handelt es sich um eine einfache Kochsalzlösung. Die Diagnostik im Labor erfolge dann genau wie bei einem Rachen- oder Nasenabstrich mit Hilfe eines molekularbiologischen Verfahrens, der sogenannten Polymerase-Kettenredaktion (polymerase chain reaction, PCR).

Gurgeltest ist vor allem für sensible Gruppen geeignet

„Gerade für sensible Gruppen wie beispielsweise Kleinkinder oder ältere Menschen ist dieses Verfahren unter Umständen angenehmer“, meint Wonsikiewicz zum Gurgeltest. Dabei sei die Testmethode an sich nicht neu. „Das Testen mit Spülwasser hat sich bereits in vergangenen Influenza-Saisons als zuverlässig erprobt“, berichtet der Sprecher des Landesgesundheitsamts.

Flächendeckend eingesetzt werde das Verfahren für Coronatests allerdings nicht. Ein Grund dafür sei, dass die Proben im Gegensatz zu Rachenabstrichen deutlich schwieriger zu transportieren seien. „Sie nehmen mehr Platz ein und sind anfällig dafür, beim Transport beschädigt zu werden“, teilt Wonsikiewicz mit. Das Robert Koch-Institut (RKI) weist daraufhin, dass sich beim Gurgeln Aerosole bilden könnten. Deshalb müssten bei der Probenentnahme entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Dem RKI fehlen für eine allgemeine Empfehlung dieser Methode auch mehr vergleichbare Studien.

Österreich setzt vermehrt auf Gurgeltests

Nach Medieninformationen wird das Verfahren in Österreich schon standardmäßig bei Reiserückkehrern in „Drive-Through“-Teststationen eingesetzt. Zudem ist die Methode für Studien an Schülern erprobt worden. Die Auswertung der Vergleichsstudien von Gurgeltest und Abstrich zeige: Beide Verfahren lieferten vergleichbare Ergebnisse in Hinblick auf die Genauigkeit. Ein Wiener Start-Up hat ein Gurgeltest-Kit zum Selbsttesten auf den Markt gebracht. Dieses wird bereits in österreichischen Apotheken und Drogeriemärkten vertrieben.

Wie funktioniert ein PCR-Test?

In der Probe des Patienten kann das Erbgut von SARS-CoV-2 enthalten sein. Bei der PCR wird nach bestimmten Abschnitten des Virus-Erbmaterials gesucht. Dazu wird in einem Gerät das wenige genetische Material der Proben millionenfach kopiert. Durch den Einsatz bestimmter fluoreszierender Stoffe können dann die gesuchten Gensequenzen des Virus sichtbar gemacht werden. Sind entsprechende Farbmarkierungen vorhanden, handelt es sich um eine „positive Probe“, also eine Infektion mit dem Coronavirus.

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