Masern – eine hochansteckende „fliegende Infektion“

Hildesheim.  17 Erkrankungen gibt es bislang im Landkreis Hildesheim. Auch der Landkreis Peine meldet einen Masernfall.

Nach einem Masernausbruch an einer Gesamtschule in Hildesheim droht ungeimpften Kindern der Schulausschluss.

Nach einem Masernausbruch an einer Gesamtschule in Hildesheim droht ungeimpften Kindern der Schulausschluss.

Foto: imago stock&people / imago/blickwinkel

Mein Sohn hat das mit den Masern in den Medien mitbekommen und mich gefragt: Mama, bin ich geimpft? Er hat gesagt, dass er gehört hat, dass daran schon ganz viele gestorben sind.

Das sagt unsere Leserin Kimberly-Lorena Schigun.

Dazu recherchierte Alina Brückner mit unseren Agenturen

Nach einem Masernausbruch an einer Gesamtschule in Hildesheim droht ungeimpften Kindern der Schulausschluss – zu ihrem eigenen Schutz . Mitarbeiter des Gesundheitsamtes überprüften am Freitag die Impfpässe aller 26 Klassen und auch die der Lehrer, wie der Landkreis mitteilte. Die Eltern waren zwei Tage zuvor informiert worden.

Etliche Kinder hätten ihren Impfpass dennoch nicht dabei gehabt und hätten diesen zu Hause holen müssen. Wer seinen Impfschutz bis Montag nicht nachweisen kann, notfalls auch über eine Blutuntersuchung beim Arzt, darf die Schule vorerst nicht betreten. Dies gelte auch für alle anderen an der Schule beschäftigten Personen.

Abwägung zwischen Schulpflicht und Schutz der Kinder

Wie das Gesundheitsministerium in Hannover mitteilte, muss die Schule in Absprache mit der Kreisgesundheitsbehörde eine rechtliche Abwägung vornehmen zwischen der Schulpflicht und dem Schutz der Kinder vor einer ansteckenden Krankheit. Auch ohne eine Impfpflicht in Deutschland gehe es darum, eine weitere Ausbreitung der hochansteckenden und für ungeimpfte Menschen gefährlichen Krankheit zu verhindern. Es werde nach einem standardisierten Prüfungsverfahren vorgegangen, wie es für den Fall eines Masernausbruchs in einer Gemeinschaftseinrichtung vorgesehen ist, ergänzte der Landkreis.

Auch Kimberly-Lorena Schigun aus Bockenem hat einen Elternbrief der Grundschule ihres Sohnes bekommen, in dem die Eltern dazu aufgefordert werden, den Impfschutz ihres Kindes zu prüfen. „Bei uns ist es jetzt so, dass ungeimpfte Kinder nicht am Unterricht teilnehmen dürfen. Und der Impfpass muss jetzt für den Notfall auch immer in der Postmappe sein, falls das Gesundheitsamt kommt“, sagt die Mutter. Überrascht war Schigun allerdings schon darüber, dass die Masern ein Thema an der Schuhe ihres siebenjährigen Sohnes geworden sind. „Man hatte es in den Medien mitbekommen, aber da dachte ich noch, dass es hier auf dem Dorf nicht so ankommt.“ Über die Medien hat es auch ihr Sohn erfahren, der sie dann gefragt habe, ob er denn geimpft sei. „Ich glaube, wenn mein Sohn nicht geimpft gewesen wäre, dann wäre er von sich aus schon direkt zum Arzt gelaufen und hätte sich die Spritze geholt.“

Aber was genau sind eigentlich Masern und warum sind sie so gefährlich? „Das ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die eben alle betrifft, die nicht geschützt sind, und es ist hochansteckend“, erklärt Jörg Dräger, Braunschweiger Kinderarzt im Ruhestand.

Es reiche bereits aus, wenn eine ungeimpfte Person mit einer an Masern erkrankten Person in einem Raum ist. „Das ist eine sogenannte fliegende Infektion“, sagt Dräger. Beim Husten, Niesen oder Sprechen könnten sich die Erreger schon durch kleine Speichel-Tröpfchen über die Luft verbreiten und eingeatmet werden. „Vor allem wenn man nicht geimpft ist, ist das Risiko sehr hoch, dass man sich ansteckt“, betont der Kinderarzt im Ruhestand.

Kinderarzt: Impfen ist der einzige Schutz vor der Erkrankung

Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht, aber Dräger empfiehlt trotzdem jedem, sich gegen diese Krankheit impfen zu lassen. „Es ist der einzige Schutz. Das, was so rumgeistert über Nebenwirkungen oder Erkrankungsfolgen durch die Impfung, das stimmt alles nicht. Natürlich gibt es mal Nebenwirkungen, das ist in der Regel aber sehr leicht beherrschbar“, betont Dräger. Beispielsweise können Rötungen an der Impfstelle auftreten oder aber die Temperatur könne leicht ansteigen. „Das ist aber im Vergleich zum Verlauf der Masernerkrankung, die eine schwerwiegende Erkrankung für die Betroffenen ist, wirklich nicht der Rede wert.“

Die Impfung sei bereits nach dem ersten Lebensjahr möglich. Wichtig sei, dass sie mit einem Abstand von vier Wochen wiederholt werde, so dass ein ausreichender Schutz gewährleistet werden könne. „Und es dauert in etwa 14 Tage, bis die Impfung ihre Wirkung entfaltet“, gibt Dräger zu bedenken.

Wer an Masern erkrankt, dem gehe es meist sehr schlecht. Die Patienten leiden unter hohem Fieber und Schmerzen, der Rachen ist gerötet, die Augen sind betroffen. Sie haben Kopfschmerzen, fühlen sich abgeschlagen und der Ausschlag tritt auf. „Am Anfang ist es grippeähnlich, aber den Kindern geht es in der Regel schlechter“, erklärt Dräger.

Und die Krankheit kann schwerwiegend verlaufen. Als lebensbedrohliche Komplikation kann beispielsweise eine Gehirnentzündung auftreten. Auch deshalb appelliert Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD): „Wer auf den Impfschutz verzichtet, gefährdet seine Kinder und die Kinder anderer.“

Ein Masern-Erkrankter liegt isoliert im Krankenhaus Peine

In Niedersachsen sind seit Jahresbeginn mehr Menschen an Masern erkrankt als im gesamten Vorjahr. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden seit Anfang Januar 26 Masernfälle registriert, im Jahr 2018 gab es 18 Fälle. Die Mehrheit der Erkrankten in diesem Jahr gab es mit 17 Fällen im Kreis Hildesheim. An zwei Schulen war jeweils ein Schüler erkrankt, wonach Kontaktpersonen im Umkreis kontrolliert wurden. Es kam in beiden Fällen aber nicht zu einer weiteren Ausbreitung der Krankheit.

Auch die Pressestelle des Landkreises Peine bestätigte einen Masernfall.Der Verdachtsfall wurde am Mittwoch an das Gesundheitsamt übermittelt, die laborchemische Bestätigung gab es dann am Donnerstag. Seither liegt der Masern-Erkrankte isoliert im Krankenhaus Peine und wird stationär behandelt.

Enge Kontaktpersonen wurden nach Angaben des Landkreises auf Antikörper untersucht und gegebenenfalls nachgeimpft. Es bleibe jedoch noch abzuwarten, ob sich jemand angesteckt habe. „Durch das frühzeitige Eingreifen hoffen wir aber, ein Ausbruch verhindert zu haben“, sagt der Pressesprecher des Landkreises, Fabian Laaß.

Einen Meinungsartikel zum Thema lesen Sie hier: Heikle Impfmüdigkeit

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