Besuch in Kaolack

Grundschulpartnerschaft mit Afrika: Die zarte Pflanze wächst

| Lesedauer: 5 Minuten
Die Schulleitungen Serigne Bassirou Diagne und Anke Schwarz (links) mit Bara Lamine Diallo und Anja Hampe auf dem Schulhof des SAM 2 in Kaolack.

Die Schulleitungen Serigne Bassirou Diagne und Anke Schwarz (links) mit Bara Lamine Diallo und Anja Hampe auf dem Schulhof des SAM 2 in Kaolack.

Foto: Dietrich Kühne / Schule

Kaolack.  Anke Schwarz und Anja Hampe von der Grundschule Lasfelde besuchen zum ersten Mal die Partnerschule SAM 2 im westafrikanischen Kaolack im Senegal.

„Herz, Kopf und Kamera sind reich gefüllt nach dieser Reise, die Schulfamilie ist gewachsen, die Brücke zwischen Osterode und Kaolack erweitert.“ Viel positiver kann ein Fazit wohl kaum ausfallen, und genau mit diesen Worten blickt Anke Schwarz, Schulleiterin der Grundschule Lasfelde, auf die vergangenen Tage im Senegal zurück.

Die Brücke zwischen Osterode und Kaolack besteht inzwischen seit mehr als zehn Jahren. Während das Tilman-Riemenschneider-Gymnasium bereits auf die elfte Reise und zehn Empfänge zurückblicken kann, beginnt die Partnerschaft zwischen den Grundschulen Lasfelde und SAM 2 gerade erst zu wachsen. Anfang September hatte der Schulleiter Serigne Bassirou Diagne einen Schüleraustausch des TRG für eine erste persönliche Begegnung nach der Pandemie nutzen können. Seit Dezember 2021 gab es virtuellen Kontakt. Diagne hatte für zwölf Tage erstmals sein Land verlassen, um die Grundschule Lasfelde zu besuchen.

Nun konnten die Koordinatorin Anja Hampe sowie die Schulleiterin Anke Schwarz seiner Einladung folgen und noch in den Ferien eine erste Begegnungsreise zum Südpartner antreten. Auch hier war es möglich, zeitgleich mit der Schülergruppe des Gymnasiums sowie Tobias Rusteberg, dem erfahrenen Koordinator des Niedersächsischen Landesnetzwerkes „Schulen MIT Afrika“, zu reisen.

Optimale Bedingungen dank Rustebergs Erfahrung

„Seine langjährige Erfahrung, seine zahlreichen Freundschaften und Kontakte im Senegal sowie sein klarer Überblick über bedeutsame Orte haben uns enorm bereichert, motiviert und wertvolle Einblicke erlaubt. Ein besserer Rahmen für eine erste Begegnungsreise ist nicht vorstellbar“, unterstrich die Lasfelder Schulleiterin.

Schulpartnerschaften mit Afrika sind zwischen Grundschulen eher selten. Klima, Impfungen und Aufsichtspflicht erschweren das Reisen gemeinsam mit Grundschulkindern, auch eine finanzielle Förderung erhalten Jugendliche erst ab 14 Jahren. So haben Anja Hampe und Anke Schwarz diese Reise stellvertretend für die gesamte Lasfelder Schulgemeinschaft gemacht.

Mit reich gefüllten Köpfen, Herzen und Kameras kehrten nun beide von dieser besonderen Dienstreise zurück. Die Ziele der ersten Begegnungsreise hatten die beiden Lehrerinnen klar formuliert: echte Begegnungen, reale Eindrücke, Gelingensbedingungen für das gemeinsame Arbeiten im Schulgarten, Kontakte knüpfen zum Kollegium, zur Elternvertretung und zu den Schülerinnen und Schülern.

Herzlicher Empfang in Kaolack

Der Empfang in der SAM 2 war herzlich und feierlich. Ein Banner, das nach dem Besuch Diagnes im September als Wandgemälde in der GS Lasfelde entstanden war, wurde als Symbol der Partnerschaft überreicht. Eine Kaolacker Schülergruppe stellte in einer stimmungsvollen Aufführung die Bedeutung des Wassers, der Bäume und einer sauberen Umwelt dar. Der ausdrucksstarke Tanz, Gesang und Texte berührten sehr.

„Einer der bewegendsten Momente der Reise war die gelungene Videokonferenz von der Partnerschule direkt in einen Klassenraum nach Lasfelde. Die Möglichkeit der Kinder sich gegenseitig zu sehen, zu hören und sich ein Lied zu präsentieren hat die Herzen noch weiter geöffnet“, bemerkt Anja Hampe. Über das schuleigene Netzwerk IServ gelang gleich am ersten Tag des Besuchs diese besondere Liveschalte, in der sich die Kinder beider Partnerschulen begegnen konnten.

Sowohl die Kinder in Lasfelde als auch die Kinder der SAM 2 hatten ein Lied vorbereitet, das sie sich gegenseitig vorsangen. Ein unvergesslicher Moment für alle. Im selben Netzwerk stehen E-Mail-Adressen für beide Schulen zur Verfügung, über die die Kinder in direkten persönlichen Kontakt treten werden.

Zentrales Thema der gemeinsamen Projektarbeit ist der Schulgarten. Beide Schulen haben einen, in beiden Schulen soll die Arbeit im Schulgarten intensiviert werden. Im gesamten Jahr sollen Wachstum, Arbeiten, Pflanzenarten, Pflege und Probleme miteinander verglichen und ausgetauscht werden. Phänomene wie Bodenbedingungen, Klima, Wetter, Jahreszeiten oder Wassernutzung lassen sich kindgerecht beobachten, fotografisch dokumentieren und auch ohne Französischkenntnisse gut kommunizieren. Das Thema ist nachhaltig und vielseitig, es kann sowohl in Kaolack als auch in Lasfelde aktiv erlebt werden. Ein gemeinsames Konzept wurde von den Schulleitungen Diagne und Schwarz vereinbart und unterzeichnet, thematisch passend in einer Schubkarre im Schulgarten des SAM 2.

Vor allem aber soll internationale Partnerschaft gelebt werden, sollen junge Menschen in direkten Kontakt kommen, zusammen Schönes erleben und sich über Grenzen und Kulturen hinweg kennenlernen. Die Brücke zwischen Osterode und Kaolack wird stabilisiert und verstärkt, da sind sich beide Seiten sicher.

Lamellen statt Fenster

Gleich nach der Rückkehr teilten die Lehrerinnen erste Eindrücke vom Schulgelände mit den neugierigen Lasfelder Kindern. So ist Fensterglas in senegalesischen Schulen unnötig. Metallrahmen mit Lamellen sorgen für Schatten und Frischluft, das ganze Jahr hindurch. Schafe und Ziegen besuchten den sandigen Schulhof. Sie hofften auf einige Blätter unter den Bäumen. Auch bei 35 Grad spielen überall Jungen Fußball, oft in einem Trikot mit der Nummer 10 und dem Namen Mané, der beim FC Bayern München unter Vertrag ist.

Die vollen Klassen beeindruckten und erstaunten die Gäste, 108 Kinder in einer einzigen ersten Klasse stellten die größte Gruppe dar. 60 bis 80 Kinder sind am SAM 2 die Regel. Deutlich wurde auf dem Schulhof in Kaolack auch das Thema Müll durch Plastikverpackungen. Ein System zur Entsorgung entsteht im Land erst allmählich, kleine Feuerstellen auf dem Schulgelände zeigten, dass bisher das Verbrennen des gesammelten Mülls die einzige Art der Müllbeseitigung ist.