Leihmütter

Tabuthema Leihmutterschaft: Viele Fragen sind offen

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Bei einer Leihmutterschaft trägt eine Frau ein Kind aus, das sie nach der Geburt einer anderen Familie überlasst.

Bei einer Leihmutterschaft trägt eine Frau ein Kind aus, das sie nach der Geburt einer anderen Familie überlasst.

Foto: Christin Klose / dpa

Osterode.  Die SPD-Frauen des Arbeitskreises Osterode diskutieren über das komplexe Thema Leihmutterschaft.

Es scheint immer noch ein Tabuthema zu sein: Leihmutterschaft. Darüber diskutierten jüngst die SPD-Frauen des Arbeitskreises Osterode. Wie deren Sprecherin Christa Hartz berichtete, würden geschätzt rund 15.000 deutsche Paare den Weg ins Ausland auf sich nehmen, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen. „Das zeigt, dass es an der Zeit ist, dieses Problem zu regeln“, so Hartz.

Zum Hintergrund: In Deutschland sind die im Zusammenhang mit Leihmutterschaft stehenden Tätigkeiten von Ärzten nach dem Embryonenschutzgesetz strafbar. Auch die Leihmutterschaftsvermittlung ist nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz unter Strafe gestellt. Nicht strafbar machen sich hingegen die „Wunscheltern“.

Leihmutterschaft: Viele offene Fragen

Fakten und offene Fragen wurden in der Runde zusammengestellt. Im Vordergrund stehen dabei ethische Fragen. Denn in Deutschland werde Leihmutterschaft überwiegend noch immer abgelehnt, weil man verhindern wolle, dass Frauen ihre Körper aus finanzieller Not zum Austragen von Kindern zur Verfügung stellten.

Sollten die Grenzen der Natur akzeptiert werden? Was ist, wenn das Kind mit einer Behinderung zur Welt kommen sollte? Das waren einige der Fragen. Auch juristisch müsste einiges in eine Form gebracht werden, wenn man die Leihmutterschaft in Deutschland einführen wolle. Dann müssten die Rechte des Kindes, der Wunscheltern und der Leihmutter klar geregelt werden. Zum Beispiel, wenn Wunscheltern oder Leihmutter sich umentschieden.

Auch könne ein hoher Erwartungsdruck im Bezug auf das Kind aufgebaut werden. Finanzielle Aspekte müssten ebenfalls berücksichtigt werden, denn in Deutschland gilt die Bezahlung einer Leihmutter immer noch als sittenwidrig. Kompetente Beratungsstellen seien dann nötig.

Aktuell wegen Krieg in der Ukraine

In die Schlagzeilen geraten sei das Thema Leihmutterschaft unter anderem in den vergangenen Monaten aufgrund des Krieges in der Ukraine. Rund 2.000 Kinder werden jährlich in der Ukraine von Leihmüttern geboren. Jetzt, im Krieg, ist es jedoch für die ausländischen Eltern schwierig, die Babys abzuholen.

Wie Hartz erklärte, seien zum Beispiel in Großbritannien die Leihmütter rechtlich abgesichert und die Kinder psychisch gesund. Natürlich gebe es auch Länder, in denen mit der Leihmutterschaft Ausbeutung betrieben werde. was kein grundsätzliches Argument dagegen sei. „Leihmütter haben oft eigene Familie, sehen ihre Schwangerschaft als gute Tat.“ Es gebe Studien, die widerlegen, dass Leihmütter im Nachhinein die Abgabe des Kindes bedauern.

Thema im Koalitionsvertrag

Wie Hartz sagte, sei das Thema auch im Koalitionsvertrag auf Bundesebene verankert. Im Herbst soll dazu eine Expertenkommission zusammenkommen. „Wenn das Thema im Koalitionsvertrag steht, hat das schon eine Wertigkeit“, so Hartz. „Man hat erkannt, dass es da eine Problematik gibt“. Allerdings habe sich die Bundes-SPD noch nicht klar dazu positioniert.

Das Thema sei doch etwas weit weg von der Basis und ein „Luxusproblem“, da hohe Summen für eine Leihmutterschaft bezahlt würden, so hieß es aus der Runde der SPD-Frauen. In Deutschland könne man Kinder adoptieren und in Pflege nehmen. Die ASF-Damen (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen) einigten sich aber darauf, dieses Thema positiv zu begleiten und zu unterstützen, sodass eine faire Lösung in Deutschland gefunden werde. Jedoch wolle man im Altkreis Osterode das Ergebnis der Expertenkommission abwarten.

Das nächste Treffen der SPD-Frauen findet am 6. September um 18.30 Uhr im SPD-Büro Osterode statt.

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