Ferienprogramm für Kinder: Soziales Lernen in der Natur

Osterode.  Der Landkreis Göttingen veranstaltete ein kostenloses Ferienlernprogramm für 120 Grundschüler.

Corinna Barkhausen (Zweite von links) erläuterte Marcel Riethig (von links), Dirk Glowatz, Rüdiger Rohrig und Florian Lukas das Programm.

Corinna Barkhausen (Zweite von links) erläuterte Marcel Riethig (von links), Dirk Glowatz, Rüdiger Rohrig und Florian Lukas das Programm.

Foto: Kerstin Pfeffer-Schleicher / HK

Begeistert stiefeln die Kinder durch das Flussbett der Söse, bauen Dämme oder erforschen kleine Wasserbewohner mit der Becherlupe. Was nach reinem Freizeitspaß aussieht, hat jedoch einen zielgerichteten Hintergrund. Die Mädchen und Jungen sind Teilnehmer des kostenlosen Ferienlernprogramms Learn & Fun, das der Landkreis Göttingen – gefördert vom Land Niedersachsen – für den Raum Osterode im Jugendgästehaus angeboten hat. 120 Grundschüler, vereinzelt auch Fünft- und Sechstklässler, aus dem Stadtgebiet haben in der ersten Hälfte der Sommerferien jeweils für eine Woche von dem Programm profitiert. Darum ging es.

„Grundschulkinder haben besonders unter dem Lockdown gelitten“, stellte Kreisrat Marcel Riethig am Abschlusstag fest. Sie hätten neben dem Unterricht im Klassenverband vor allem soziale Kontakte und das Miteinander vermisst. Deshalb sei es bei Learn & Fun nicht in erster Linie um die Vermittlung spezifischen Schulstoffs gegangen, sondern darum, soziale Kompetenzen nach der langen Zeit zuhause erneut einzuüben.

Familien entlasten

Bei Kindern, denen die Unterstützung während der Schulschließungen gefehlt habe, sollten Defizite zumindest ein Stück weit ausgeglichen werden. Zudem habe man durch die Betreuung während der Ferien Familien entlasten wollen. Nach dem kurzfristigen Kreistagsbeschluss habe das Angebot mit heißer Nadel gestrickt werden müssen, erklärte Riethig und lobte das „tolle Ergebnis“, das durch den engagierten Fachbereich Jugend des Landkreises, den erfahrenen Träger VHS Osterode und den kompetenten Anbieter, die Gesellschaft zur Förderung der Erlebnispädagogik, trotz der knappen Vorbereitungszeit zustande gekommen war.

Grundlegend sei gewesen, den jungen Teilnehmern wieder eine feste Tagesstruktur zu vermitteln, die während der Monate des Homeschoolings oftmals verloren gegangen sei, informierte Dirk Glowatz vom Fachbereich des Landkreises. Darüber hinaus sei es für die Kinder wichtig gewesen, Zeit gemeinsam zu verbringen und das Miteinander wieder zu erlernen. Und nicht zuletzt sollte ihnen gezeigt werden, dass das Leben trotz Corona-Einschränkungen Spaß machen kann. Die Mädchen und Jungen hätten bei dem schönen Wetter fast den gesamten Tag draußen verbracht, erzählte Glowatz. Deshalb sei er froh, dass man mit der Gesellschaft zur Förderung der Erlebnispädagogik Profis an der Hand gehabt habe, die die naturnahe Umgebung des Jugendgästehauses perfekt genutzt und ein vielfältiges Angebot mit pädagogischem Anspruch und didaktischem Konzept organisiert hätten.

Die jungen Teilnehmer seien täglich von 9 bis 15 Uhr von mehreren Mitarbeiterinnen in kleinen Gruppen angeleitet worden, führte Florian Lukas vom Standort Braunlage der Gesellschaft aus. Dabei hätten erlebnis- und umweltpädagogische Aktionen im Vordergrund gestanden. Bei abendlichen Teambesprechungen sei das Programm immer wieder den Bedürfnissen der Kinder angepasst worden.

Bauen mit Holz und Lagerfeuer

Dazu gehörten Spaziergänge im Wald, das Bauen mit Holz, Lagerfeuer mit Stockbrot und Lagerfeuer-Popcorn, Spiele zum Einüben von kooperativem Verhalten, geführte Ausflüge zur Sösetalsperre und zur Vogelstation oder Besuche des Museums und des Klosters Walkenried, berichtete Betreuerin Corinna Barkhausen. „Dabei haben die Kinder viel gelernt.“

Abgesehen davon, dass sie ihre Energie austoben konnten, hätten sie unter anderem einiges über die Natur erfahren, gelernt sich mit einfachen Mitteln selbst zu beschäftigen und sich gegenseitig zu unterstützen. Dabei hätten sie auch neue Interessen und Fähigkeiten entdeckt, schilderte Barkhausen. Deshalb seien auch die Eltern ermutigt worden, mit ihrem Nachwuchs öfter mal einfach nach draußen zu gehen.

Am Ende mussten sich die Teilnehmer selbst ein Zeugnis ausstellen, erläuterte Glowatz, und unter anderem aufschreiben, was ihnen gut oder weniger gefallen habe und was sie während des Programms gelernt haben. In den kommenden Tagen bekämen sie dann ein Teilnahmezertifikat zugestellt.

Günther Rohrig von der VHS Osterode zeigte sich überzeugt von dem Projekt. Er wünschte sich, dass es kein Strohfeuer bleibt, sondern dass Kindern auch weiterhin solch ein Angebot gemacht werden kann, unabhängig von Corona-Krisen.

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