Landwirtin aus Förste sucht Dialog mit der Gesellschaft

Förste.  Agrar-Scout Laura Schridde aus Förste ist stolz auf ihre Arbeit – und bietet Einblicke in den spannenden Erntealltag.

Laura Schridde bei der Arbeit mit dem Schlepper.

Laura Schridde bei der Arbeit mit dem Schlepper.

Foto: Privat

Vom Staub fast verdeckt brummen sie in glimmender Hitze über den Feldern: die Mähdrescher. Jetzt fahren sie wieder über Deutschlands Äcker, denn die Getreideernte ist in vollem Gange. Die Ertragsprognosen fallen deutschlandweit sehr unterschiedlich aus. Manche Regionen haben Dürre erlitten, andere wiederum haben zur „falschen Zeit“ zu viel Wasser von oben bekommen. „Bei uns hier in der Region Osterode verspricht die Prognose einen durchschnittlichen Ertrag im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren“, so Landwirtin Laura Schridde. Sie hilft diesen Sommer wieder auf dem Hof ihrer Familie in Förste mit.

Auf dem modernen landwirtschaftlichen Betrieb fährt sie das Getreide von den Feldern ab, presst das Stroh in Rundballen oder kümmert sich um die Legehennen in den Mobilställen auf der Wiese.

Sonne brennt Ertrag weg

Die Sonne habe den Ertrag weggebrannt, wählt Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke ein drastisches Bild, den gesamten niedersächsischen Raum im Blick, und dämpft die Ernteerwartungen. Bis zu der Hitzewelle Ende Juni waren die Landwirte von einem durchschnittlichen Ergebnis ausgegangen, doch diese Erwartungen müssen nach einer Umfrage zur Getreiderundfahrt des Landvolkes Niedersachsen nun nach unten reduziert werden. „Nach der Dürre ist vor der Dürre“, fasste Karl-Friedrich Meyer als Vorsitzender im Getreideausschuss zusammen, die Wasservorräte im Boden seien aufgebraucht. Sollte die Witterung weiter durch ein so starkes Regendefizit wie bisher geprägt sein, müssen die Getreidebauern ihre Ertragserwartungen deutlich nach unten korrigieren. Die Ernte der Wintergerste startete so früh wie selten zuvor. „Man kann jeden Bodenpunkt erkennen und jeden Millimeter nachvollziehen“, beschreibt Meyer das stark schwankende Ertragsniveau. Mit einem Anbauumfang von 160.000 Hektar hat die Wintergerste wieder ein normales Level erreicht, Winterweizen nimmt mit 400.000 Hektar rund die Hälfte der gesamten Getreidefläche Niedersachsens ein.

Ein Highlight im Jahr

In ihrem Betrieb, so erklärt Laura Schridde, seien schon die Gerstenfelder abgeerntet und die Rapsernte im vollen Gange. Die Qualität sei hier zufriedenstellend, wenn man das trockene Frühjahr berücksichtige. Weizen und Hafer folgen, in der Hoffnung der Landwirtin, auch gut genug für die Weiterverarbeitung zu Mehl und Haferflocken für den menschlichen Verzehr zu sein.

Die Getreideernte ist für sie ein Highlight im Jahr. „Heute endlich zu ernten, was wir vor fast einem Jahr gesät und vom winzigen Keimling bis zur lebensmittelbringenden Pflanze gepflegt haben – das erfüllt mich schon mit Stolz.“ Aber hinzu kommt die Unwissenheit über das Wetter. „Hält es oder hält es nicht? Das macht es gerade so spannend“, verrät Laura Schridde. „Als Landwirte sind wir es gewohnt, mit den Launen des Wetters zu arbeiten. Wenn das Wetter passt, müssen wir zusehen, dass die Ernte eingefahren wird.“

Regenradar im Blick

Sie blickt auf die Wetter-App ihres Smartphones und beobachtet das Regenradar. „Ganz allein auf Bauernregeln verlasse ich mich beim Wetter heute dann doch nicht mehr“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Es gibt die Rechnung, dass 1950 ein Bauernhof zehn Menschen mit seiner Arbeit ernähren konnte. Heute sind es dank der technischen Innovationen sogar rund 145 Menschen. „Das stimmt“, sagt die junge Frau, zeigt sich aber auch nachdenklich: „Gleichzeitig gibt es heute nur noch knapp 275.000 Bauernhöfe in Deutschland, da liegt es also nahe, dass heutzutage auf einem Hof deutlich mehr produziert werden muss. Und im Jahr 2020 verdienen deutlich weniger Menschen ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft als noch 1950. Dadurch ist leider auch die Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft die letzten Jahre etwas auf der Strecke geblieben. Früher gab es in jedem Ort mehrere Bauernhöfe, jeder Mensch kannte die Landwirtsfamilie des Vertrauens und hat denen all seine Fragen über die Landwirtschaft direkt gestellt. Das ist heute nicht mehr der Fall. Deshalb freue ich mich ganz besonders über jeden, der sich für meine Arbeit – letztendlich für die Lebensmittelproduktion – interessiert und darüber etwas von mir wissen möchte. Auch gerne zu kritischen Themen.“

Und wie erreicht man sie? „Na ja, am liebsten persönlich! Schleppermitfahrten sind aufgrund des 1,5 Meter-Corona-Abstandes in der Treckerkabine aktuell leider nur mit Mund-Nasen-Schutz möglich, aber für einen netten Austausch am Feldrand steige ich auch sehr gerne ab und nehme mir die Zeit für einen Plausch. Und wer an der Hühnerwiese in Förste vorbei radelt oder spazieren geht und mich bei den gackernden Mädels entdeckt, kann auch gerne näher kommen und mal einen Blick in die Mobilställe oder den umgebauten Wohnwagen werfen“, verspricht die gelernte Landwirtin. „Moderne Landwirtschaft ist sehr komplex – ich freue mich über jeden, der neugierig und aufgeschlossen auf mich zukommt und wissen will, wie unsere Lebensmittel produziert werden“, so Laura Schridde, die sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit auch als AgrarScout beim Forum Moderne Landwirtschaft e.V. engagiert.

Im Forum Moderne Landwirtschaft haben sich Verbände, Organisationen und Unternehmen der Agrarbranche zusammengeschlossen. Ihr gemeinsames Anliegen ist es, über die moderne Landwirtschaft zu informieren und den Dialog zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft zu stärken.

Der Verein zählt aktuell 61 Mitglieder und wird von rund 200 landwirtschaftlichen Betrieben unterstützt. mp

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