Alle genossen mit den Soldaten echten Bohnenkaffee

Förste.  Helga Häusler schildert ein Kindheitserlebnis zum Kriegsende in Förste als die Amerikaner kamen.

Oma beim Spinnen und Erzählen, Opa beim Wollekämmen. Das Foto entstand um 1950.

Oma beim Spinnen und Erzählen, Opa beim Wollekämmen. Das Foto entstand um 1950.

Foto: Privat

Helga Häusler aus Förste erinnerte sich dieser Tage wieder an Ereignisse aus dem April 1945. Nach der Einnahme Förstes 1945 erkoren die amerikanischen Truppen ihr Elternhaus als Hauptquartier aus.

Ihre Oma sah zum ersten Mal in ihrem Leben einen echten Afroamerikaner (sie sagte damals „Neger“). „Was der für Zähne hatte - schneeweiß! Und genau so weiß waren seine Augäpfel. Die konnte er so wunderbar hin und her rollen“, schwärmte sie fast. Es erwies sich als vorteilhaft, dass meine Oma Plattdeutsch sprach. So konnte sie die Amerikaner in Grundzügen sogar etwas verstehen.

Oma übersetzte

Die Bitte „Hot water for coffee“ verstand sie sofort. Das war ja fast „plattdeutsch“, erinnerte sie sich später. „Give me a cup of cold milk (plattdtsch.: Capp = Tasse) and pepper und salt“ übersetzte Oma sofort ins Plattdeutsche. Die Verständigung klappte dadurch gut. „Kaffee hatten die Soldaten in Pulverform in einem Alu-Döschen dabei“, erzählte Helga Häuslers Mutter. Der Kaffee entpuppte sich als echter Bohnenkaffee. Eine Rarität in diesen Kriegszeiten. Von dieser Köstlichkeit durfte Oma auch ein wenig profitieren, sogar ohne weitere Englischkenntnisse. Der Chef (chief) verfügte außerdem über ein paar Brocken „Deutsch“. Seine Mutter war Deutsche. Er kannte deutsche Volkslieder.

Die Soldaten saßen alle rund um den Tisch herum. Ich krabbelte, ich war ein halbes Jahr jung, von Soldatenschoß zu Soldatenschoß. Sie freuten sich darüber, nahmen mich immer wieder auf den Arm und fütterten mich reichlich mit Schokolade. Alle amüsierten sich über mein Kauderwelsch, das weder deutsch, noch englisch, noch plattdeutsch war. Oder wie übersetzt man: „Krbschschlala?“

Der Krieg war kurz vergessen

Für eine Weile war der Krieg für alle vergessen, bis das Funkgerät den Amerikanern den Befehl zum Abrücken erteilte.

Ob sich die Einquartierung so locker abgespielt hätte, wenn Oma zu diesem Zeitpunkt gewusst hätte, dass mein Vater, ihr Sohn, gerade fünf Tage zuvor ausgerechnet im Kampf gegen amerikanische Truppen gefallen war? Diese schlimme Nachricht wurde der Familie offiziell Weihnachten 1945 vom örtlichen Pastor überbracht.

Zuvor kam bereits im Herbst ein Kamerad des Vaters aus Goslar vorbei und überbrachte inoffiziell die schlimme Nachricht.

Mein Opa war gerade beim Holzhacken, als der Soldat, vom Tod meines Vaters Bescheid gab. Opa hätte geschrien: „Diese Verbrecher!“ Das geschah so laut, dass es alle Nachbarn hörten.

Die Nachbarn erzählten Helga Häusler auch, dass ihr Vater am Abend vor dem Abmarsch an die Front, mit seiner Ausbildungsgruppe am Teich biwakiert hätte und dabei sein schönes Förste präsentiert habe, welches er nie wieder sehen sollte.

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