Selbsthilfe während Corona: Austausch und Gespräche fehlen

Osterode.  Wann und wie sich Selbsthilfegruppen wieder treffen dürfen, ist noch nicht geklärt.

Das waren andere Zeiten: KISS des Paritätischen Osterode präsentierte sich 2018 vor der Stadthalle Osterode.

Das waren andere Zeiten: KISS des Paritätischen Osterode präsentierte sich 2018 vor der Stadthalle Osterode.

Foto: KISS

Während die Corona-Regeln in vielen Bereichen allmählich gelockert werden und beispielsweise Sportvereine, wenn auch mit erheblichen Einschränkungen, ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen, gibt es für Selbsthilfegruppen noch keine Perspektive, wann ihre Treffen wieder stattfinden können.

„Wir wissen nicht, wann es weitergehen kann“, berichtet Marion Janeczek von der Selbsthilfekontaktstelle KISS des Paritätischen Osterode. Mitte März sei die Anweisung des Landesverbandes eingegangen, dass zunächst bis Ende April keine Gruppentreffen mehr erlaubt sind. Neue Informationen liegen ihr aber noch nicht vor.

Unterstützung der Gruppe fehlt

Nach zwei Monaten ist der Wunsch zusammenzukommen und sich auszutauschen zu können groß, weiß Janeczek. Manche Gruppenmitglieder meldeten sich bei ihr oder hielten telefonisch Kontakt untereinander, doch Video- oder Telefonkonferenzen würden nicht abgehalten. Abgesehen davon, dass es manchen an den technischen Voraussetzungen mangelt, sei es eben nicht dasselbe wie zusammenzusitzen und von Angesicht zu Angesicht ein Gespräch zu führen, schildert die KISS-Leiterin die Hinderungsgründe.

„Viele hängen in der Luft, ihnen fehlt die Unterstützung der Gruppe“, erklärt sie. Etliche vermissten damit einen wichtigen Pfeiler in ihrem Leben. Deshalb biete sie Beratung per Telefon oder E-Mail an. Ähnlich verhält es sich mit dem Stadtteiltreff Westlich Röddenberg, der ebenfalls seit Mitte März geschlossen ist.

Das gemeinsame Projekt des Paritätischen und der Kreiswohnbau ist für Senioren ein Anlaufpunkt, an dem sie Geselligkeit, Unterhaltung und Beratung finden.

Corona in Osterode- Ein Überblick über die Situation vor Ort

Eine Reihe interessanter Veranstaltungen, die für diese Wochen geplant gewesen seien, mussten abgesagt oder verschoben werden, bedauert Janeczek. Sie telefoniere aber regelmäßig mit den Besuchern des Stadtteiltreffs. „Zum Glück geht es bisher allen gut. Und sie sehen ein, dass die Beschränkungen notwendig sind.“ Mit der durch die Coronakrise bedingte Situation gingen die meisten Senioren erstaunlich gelassen um, schildert Janeczek ihren Eindruck, denn viele hätten während Kriegs- und Nachkriegszeit wohl schon wesentlich Schlimmeres erlebt. Zudem hätten sie ihre Einkaufshelfer. Trotzdem fehlten die Kontakte und die Abwechslung des Treffs.

Warten auf Entscheidung

Nun wartet die Kontaktstellenleiterin auf Entscheidungen, wann und unter welchen Bedingungen die Selbsthilfegruppen ihre Treffen wieder aufnehmen dürfen, und macht sich bereits Gedanken, wie Abstandsregeln in den Räumlichkeiten des Paritätischen in der Abgunst gegebenenfalls gewährleistet werden können.

Eine Hürde könnten allerdings die in Coronazeiten obligatorischen Anwesenheitslisten für einige Teilnehmer darstellen, die auf Anonymität und den Schutz der Gruppe vertrauen, befürchtet sie. Ein weiteres Problem sei, dass Mitglieder der Selbsthilfekreise zum Teil ebenso wie die Senioren des Stadtteiltreffs zur Risikogruppe gehörten. Sie stehe jederzeit als Ansprechpartnerin für Auskünfte und Gespräche zur Verfügung, betont Janeczek.

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