Das Motto: Lesen einmal anders

Osterode.  Der LEA-Leseklub in der Stadtbibliothek will Literatur für alle zugänglich machen.

Beim LEA-Leseklub in der Stadtbibliothek können die Teilnehmer gemeinsam lesen und ins Gespräch kommen.

Beim LEA-Leseklub in der Stadtbibliothek können die Teilnehmer gemeinsam lesen und ins Gespräch kommen.

Foto: Kerstin Pfeffer-Schleicher / HK

Heute geht es um Betty. Die Teilnehmer des LEA-Leseklubs sitzen mit ihren Moderatorinnen Gisela Heckel und Monika Passauer in der Stadtbibliothek im Stuhlkreis, lesen reihum aus dem Roman vor und sprechen über das eben Gehörte.

Die Frauen und Männer mit Behinderung hören gespannt zu und erzählen, es wird aber auch viel gelacht. Seit November letzten Jahres trifft sich der LEA-Leseklub jeden Donnerstag um 16.15 Uhr in der Stadtbibliothek. Angelika Lindert und Helmuth Hendez von der Initiative „Inklusion bewegen“ des Landkreises waren auf das Projekt des Vereins Kubus aufmerksam geworden und wollten diesen Lesezirkel für Menschen mit und ohne Behinderung auch in Osterode einführen.

Mitmachen kann jeder

Bei Bibliotheksleiterin Claudia Wilkening stießen sie damit auf offene Ohren.„Lesen einmal anders“ lautet das Motto des Modells, das Literatur für jeden zugänglich machen will. „Mitmachen können alle, egal ob und wie gut sie lesen können oder ob sie gerade erst Deutsch lernen“, betont Lindert. Voraussetzung sei lediglich die Lust auf Bücher, gemeinsames Lesen und das Zusammensein mit anderen Menschen.

Neben Lesefreude und der Möglichkeit, die Welt der Bücher zu entdecken, vermittele der LEA-Leseklub so auch neue Erfahrungen, Sozialkontakte und fördere die Inklusion, weil er in der Stadtbibliothek und damit im öffentlichen Raum stattfinde, erklärt Hendez und ist überzeugt: „Man kann sehen, wie das Selbstwertgefühl der Mitglieder wächst.“ Bis zu zehn Frauen und Männer kommen donnerstags zu den Treffen, berichtet Gisela Heckel, eine von mehreren ehrenamtlichen Moderatorinnen, die den Lesezirkel anleiten. Sie unterstützen beim Lesen, helfen Geschichten zu verstehen und regen dazu an, sich über deren Inhalte auszutauschen. „Die Teilnehmer erzählen von eigenen Erlebnissen, und so entwickeln sich zwischenmenschliche Gespräche“, schildert Heckel.

Was gelesen werde, suchten die Teilnehmer gemeinsam aus. Mittlerweile gibt es in der Stadtbibliothek eine ganze Rubrik mit Literatur in einfacher Sprache, die sich keinesfalls auf Kinderbuchniveau bewegt, sondern lediglich auf Fremdwörter und komplexe Satzstrukturen verzichtet, hebt Wilkening hervor. Bisher sind die Klubmitglieder ausschließlich Menschen mit Behinderung.

Menschen treffen

Die Initiatoren wüschen sich jedoch, dass noch mehr Interessierte dazustoßen. Das Angebot eigne sich ebenfalls für Ältere, denen es an Kontakten fehle, Menschen, die besser Deutsch lernen wollen oder nicht lesen können, meint die Bibliotheksleiterin, die von dem Projekt angetan ist und viel Potential sieht.

„Es ist eine gute Gelegenheit, aus den eigenen vier Wänden herauszukommen und Leute zu treffen.“ Wer am LEA-Leseklub teilnehmen möchte, könne einfach zu den Terminen am Donnerstag hinzukommen, unterstreichen die Organisatoren. Auch Moderatoren werden noch gesucht. Interessenten, die Freude daran haben, solch einen Lesezirkel anzuleiten, können sich in der Stadtbibliothek melden.

„Die Grundidee finde ich fantastisch“, begeistert sich Lindert für das Projekt. LEA-Leseklubs könnte man auch an vielen anderen Orten wie Kliniken, Alters- oder Wohnheimen anbieten, kann sie sich vorstellen. Zunächst aber fände sie es erfreulich, wenn der Lesezirkel in der Stadtbibliothek noch größer und vielfältiger würde.

Jeden Donnerstag von 16.15 bis 17.15 Uhr trifft sich der LEA-Leseklub in der Stadtbibliothek Osterode.

LEA-Leseklub ist ein Projekt von Kubus, einem Verein zur Förderung der Kultur, Bildung und sozialer Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung und wird von der Aktion Mensch gefördert.

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