„Lädchen für alles“ in Schwiegershausen steht auf der Kippe

Schwiegershausen  Der tegut-Markt in Schwiegershausen ist gut sortiert. Dennoch fehlt es an Kundschaft. Der Marktleiter kann sich die Entwicklung nicht erklären.

Marktleiter Sascha Hofmann. „Wir haben ein breites Sortiment, das nichts vermissen lässt und oft eine größere Auswahl bei einzelnen Produkten als die Discounter“, erklärt er beim Gang entlang der langen Regale. Trotzdem bleiben die Kunden fern.

Marktleiter Sascha Hofmann. „Wir haben ein breites Sortiment, das nichts vermissen lässt und oft eine größere Auswahl bei einzelnen Produkten als die Discounter“, erklärt er beim Gang entlang der langen Regale. Trotzdem bleiben die Kunden fern.

Foto: Michael Paetzold / HK

Die vielen Regale sind gut gefüllt, die bunten Aufdrucke auf Flaschen, Dosen und Tüten zeichnen ein fröhliches Bild. Es erschließt sich auf den ersten Blick: Hier gibt es alles, was man im Haushalt für die Versorgung braucht. Ob Waschmittel, Hundefutter, Oliven oder Biogemüse: Die Kunden haben die Qual der Wahl. Doch viel los ist im „Lädchen für alles“ gerade nicht. Zufall?

Sascha Hofmann (35) ist Marktleiter im kleinen tegut-Geschäft im 1.500-Seelen-Dorf Schwiegershausen nahe Osterode. Hochengagiert ist er und absolut überzeugt von seinem Angebot, das ständig erweitert wird und derzeit auf 350 Quadratmetern (ohne Lager) etwa 4.000 Artikel umfasst. Ab der kommenden Woche wird frische Ware der Firma Koithahn dauerhaft im Sortiment sein, die traditionell handwerkliche Harzer Fleisch- und Wurstwaren mit Fleisch aus der Region herstellt.

Breites Sortiment

„Wir haben ein breites Sortiment, das nichts vermissen lässt und oft eine größere Auswahl bei einzelnen Produkten als die Discounter“, erklärt Hofmann beim Gang entlang der langen Regale. Viel Bio gibt es dort neben konventionell angebautem Obst und Gemüse und dem weithin alltäglich Notwendigen. Auch das Preisniveaus sei, entgegen der landläufigen Meinung, nicht höher als anderswo, informiert der gelernte Handelsfachwirt. Sechs Mitarbeiter sind im tegut-Markt beschäftigt, vier direkt aus dem Ort.

Mit großen Hoffnungen und sozialem Ansatz hatte die Raiffeisen-Waren-Genossenschaft das Geschäft im Jahr 2010 in den eigenen Räumlichkeiten eröffnet, um in Schwiegershausen die Nahversorgung abzusichern. „Uns war natürlich klar, dass wir keine Reichtümer erwirtschaften, aber die Idee war, etwas für die Region zu tun“, erklärt Hans-Jürgen Fricke, Geschäftsführer der Raiffeisen Warenhandel-GmbH (RWH). Das habe man erreicht, denn die Nahversorgung der Menschen sei zusammen mit anderen Läden im Ort sehr gut.

Doch es fehlt offensichtlich an der nötigen Resonanz, das Interesse der Kunden bröckelt. „Wenn das so weitergeht, wird es zumindest für uns knifflig“, räumt der Geschäftsführer ein. Sascha Hofmann kann nicht verstehen, dass das Angebot so wenig zieht. Viele Schwiegershäuser hätten das Geschäft noch nie von innen gesehen, und die Baustelle zur Sanierung der Durchgangsstraße im Jahr 2014/15 habe richtig reingerissen. Der Umsatz sank massiv. Hofmann: „Bis heute haben wir uns davon nicht erholt, dabei geben wir uns große Mühe.“ Natürlich habe man auch viele treue und gute Kunden, doch angesichts steigender Kosten eben nicht genug.

„Es wäre bitter, wenn der Markt schließen müsste, für die Mitarbeiter, für die Menschen im Ort und für mich persönlich. Mir ist das Geschäft unglaublich ans Herz gewachsen“, so Hofmann. Dabei ist er sich sicher: Allein durch die Einwohnerschaft könnte sich der Laden tragen.

Ortsbürgermeister Wolfgang Wode blickt mit Sorge auf die Entwicklung, hat doch Schwiegershausen, das, wovon viele andere Dörfer nur träumen können, einen eigenen Dorfladen.

Glücksfall für den Ort

Er ist in einem Arbeitskreis engagiert, der sich für den Fortbestand von tegut in Schwiegershausen stark macht und stets bemüht, die Bewohner wachzurütteln. „Die Ansiedlung von tegut war und ist ein Glücksfall für Schwiegershausen für die Nahversorgung unserer Bürger – egal ob Jung oder Alt. Dadurch wird die Lebensqualität deutlich verbessert“, ist er sich sicher. Das „Lädchen“, wie er es nennt, sei aber noch vielmehr als nur eine gute Einkaufsmöglichkeit, sondern auch ein Treffpunkt zur Kommunikation: „Das kann aber nur dann funktionieren, wenn auch die noch mobile Bevölkerung solidarisch dort einkauft, statt mit dem Pkw in die Ferne zu fahren, um das vermeintliche Schnäppchen zu ergattern. Der uralte Slogan ‚Fahr nicht fort, kauf im Ort‘ bekommt hier wieder eine enorme Bedeutung“, findet der Ortsbürgermeister deutliche Worte. Man sollte es schaffen, die gute Dorfgemeinschaft in Schwiegershausen zu nutzen, um sich solidarisch mit den bisherigen treuen tegut-Kunden zu erklären und den Markt mehr in den Mittelpunkt stellen. Auch die örtlichen Vereine und Verbände seien hier angesprochen.

Man wisse um die Ernsthaftigkeit der Situation und werde jetzt „den Blick auf das kommende Jahr werfen, um genau hinzuschauen“, kündigte Hans-Jürgen Fricke an. Dann steht wohl eine für Schwiegershausen wichtige Entscheidung an.

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