Nach Tod von Kunstin

Wie geht es weiter in der Samtgemeinde Hattorf?

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Im Rathaus in Hattorf laufen die Planungen für das Superwahljahr bereits jetzt auf Hochtouren. Samtgemeindebürgermeister Rolf Hellwig.

Im Rathaus in Hattorf laufen die Planungen für das Superwahljahr bereits jetzt auf Hochtouren. Samtgemeindebürgermeister Rolf Hellwig.

Foto: Herma Niemann / HK

Samtgemeinde Hattorf.  Rund sechs Wochen ist es her, dass Gemeindedirektor Henning Kunstin verunglückte. Wie es in der Gemeinde weitergehen soll, erklärt Arnd Barke.

Der plötzliche Unfalltod von Samtgemeindebürgermeister und Gemeindedirektor Henning Kunstin stürzte die Verwaltung in Schock und Trauer – und stellte sie auch vor eine politisch herausfordernde Situation. Denn, so stellvertretender Gemeindedirektor Arnd Barke, die Gesetzgebung lasse nicht viel Zeit zur Trauer. Im Gespräch schildert er, wie es derzeit um die Samtgemeinde bestellt ist und wann ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin das Amt des Gemeindedirektors antreten wird.

Am 9. Oktober kam es zu dem Unfall, der den Samtgemeindebürgermeister Henning Kunstin jäh aus dem Leben riss (wir berichteten). Der Schock und die Trauer bei Wegbegleitern sowie den Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung war groß. Schnelle Handlung war nach Kommunalrecht trotz allem kurz nach Bekanntwerden des Sterbefalls gefragt, so Arnd Barke. Denn da das Amt des Gemeindedirektors durch die Tragödie vakant war, musste schnell agiert werden. So führte Arnd Barke in seiner Stellung als stellvertretender Gemeindedirektor Gespräche mit den politischen Parteien der Samtgemeinde und leitete Sitzungen ein.

Das Ergebnis: „Um die Handlungsfähigkeit unserer Samtgemeinde aufrecht zu erhalten, habe ich als stellvertretender Gemeindedirektor nun übergangsweise die Geschicke der Gemeinde übernommen.“ Die vorherige Rolle als stellvertretender Gemeindedirektor übernimmt in dieser Zwischenzeit Matthias Franziskowki.

Anfang eines knappen Zeitplans

Diese Veränderung werde derzeit in allen angehörigen Ortsräten behandelt und genehmigt, so Barke weiter. Zuletzt bereits erfolgt ist das unter anderem in Hörden (wir berichteten). Keine einfache Aufgabe für alle Beteiligten, liegt der Tod von Henning Kunstin doch erst gerade einmal rund sechs Wochen zurück. Doch das, so Barke, sei gerade erst einmal der Anfang eines knappen und arbeitsreichen Zeitplans. „Im nächsten Jahr soll schließlich ein neuer Gemeindedirektor oder eine neue Gemeindedirektorin gewählt sein und diese Aufgabe als gewählter Vertreter oder Vertreterin übernehmen.“

Das Datum für die Wahl, den 19. März 2023, setzte der Samtgemeinderat kürzlich fest. Für die Parteien bedeutet das nun vor allem eines: Vorbereitung. „Auch für sie ist das nun eine besondere Wahl.“ Denn im Fall einer normalen Wahlperiode können Parteien sich lange und ausgiebig mit einer möglichen Kandidatur beschäftigen und ihre Wunschkandidaten oder -kandidatin für den Wahlkampf und die folgende Abstimmung vorbereiten.

„In diesem konkreten Fall geht es jetzt nicht nur darum, innerhalb von sechs Monaten einen geeigneten Bewerber oder eine Bewerberin zu finden, sondern auch die Formalia für die Kandidatur abzuschließen und Wählerstimmen für diesen zu gewinnen.“ Die nahenden Weihnachts- und Neujahrsfeiertage würden diesen Zeitraum noch einmal zusätzlich verringern.

Ob es schon einen möglichen Anwärter oder eine Anwärterin gibt? Das findet Arnd Barke derzeit schwer einzuschätzen. „Der ein oder andere Name wird schon geflüstert und spekuliert, aber entscheiden müssen das natürlich die Parteien intern.“ Aber auch ein Parteiloser oder eine Parteilose hätte die Chance, sich für das Amt des Gemeindedirektors zur Wahl zu stellen, erklärt Barke. „Nur muss dieser für eine mögliche Kandidatur zuvor 60 Wählerstimmen aus der Gemeinde sammeln und vorlegen, um sich aufstellen lassen zu können.“

Wahlhelfer dringend gesucht

Stehen im März die potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten fest, wird in der Samtgemeinde zur Wahl gebeten. „Ein großes Problem, mit dem wir auch noch immer zu kämpfen haben, ist die stetig sinkende Zahl an ehrenamtlichen Wahlhelferinnen und Wahlhelfern“, betont Arnd Barke. „Die Demokratie lebt vom Mitmachen.“ Und gerade die kommende Wahl, trotz der tragischen Umstände, die sie notwendig macht, ist für die Samtgemeinde eine wichtige.

„Natürlich können mein Stellvertreter und ich überbrückend die Verwaltung übernehmen, aber das Amt der Gemeindedirektorin oder des Gemeindedirektors muss jemand übernehmen, der auch von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt wurde.“ So werden bereits jetzt schon Menschen gesucht, die bei dem Zählen der Wahlstimmen am 19. März 2023 aushelfen können und möchten. „Bei Interesse kann man sich jederzeit an unsere Verwaltung wenden“, betont Arnd Barke.

Trotz der Trauer um das Geschehende und die Eile mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen gibt sich der Gemeindedirektor auf Zeit optimistisch gestimmt: „Es ist schwierig, aber ich bin davon überzeugt, dass wir jemanden finden, der oder die sich zukünftig als Gemeindedirektorin oder Gemeindedirektor für die Menschen in der Samtgemeinde einsetzen wird.“