Corona-Tests sollen Maskenpflicht während der Geburt aufheben

Herzberg.  In vielen Krankenhäusern der Region müssen Mütter bei der Geburt eine Atemmaske tragen – aber es gibt Ausnahmen. Die Corona-Regeln der Kliniken.

Im Kreißsaal überprüft eine Hebamme im Beisein vom leitenden Oberarzt die Herztöne des ungeborenen Kindes. Durch Corona müssen werdende Mütter in den meisten Kliniken jetzt während der Geburt eine Mund-Nase-Maske tragen (das Foto entstand vor Corona).

Im Kreißsaal überprüft eine Hebamme im Beisein vom leitenden Oberarzt die Herztöne des ungeborenen Kindes. Durch Corona müssen werdende Mütter in den meisten Kliniken jetzt während der Geburt eine Mund-Nase-Maske tragen (das Foto entstand vor Corona).

Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa

Eine Maskenpflicht in Bus und Bahn, im Schulflur oder im Supermarkt? All das ist längst Normalität. Aber in welchen Fällen ist es angebracht, selbst werdende Mütter während der Geburt zum Tragen einer Maske zu verpflichten? Welche Ausnahmen sind unter welchen Bedingungen möglich? Und was gilt für Väter und andere Bezugspersonen in den Geburtshilfen? Wir haben uns bei Kliniken in Göttingen und der Region umgehört, welche Corona-Regeln dort für die Geburt gelten.

Helios-Kliniken Herzberg/Osterode und Northeim

Besteht Maskenpflicht für werdende Mütter während der Geburt? Grundsätzlich gelte auch in den Kreißsälen der Kliniken Maskenpflicht für Schwangere, Begleitpersonen und Personal, sagt Kliniksprecher Martin Wilmsmeier. Bei den werdenden Müttern erfolgten ferner „ein Covid-19-spezifisches Screening und eine Testung auf das Sars-CoV2-Virus“. Während der Geburt bestehe für die Entbindenden jedoch die Möglichkeit, die Maske abzunehmen, sofern es für die Atmung und damit zur Schmerzerleichterung und Wehenverarbeitung förderlich sei. In diesem Fall „tragen die Hebammen und Ärzte im Kreißsaalbereich während der Geburt eine ventilfreie FFP2-Maske, um sich vor einer möglichen Infektion zu schützen. Nach der Entbindung wird der Raum umfassend gelüftet und entsprechend der hygienischen Vorgaben gereinigt“, so Wilmsmeier.

Welche Bedingungen gelten für Begleitpersonen? „Zur Geburt dürfen die Frauen vom werdenden Vater oder einer anderen Vertrauensperson begleitet werden, sofern diese/r symptomfrei ist und keinen Kontakt zu einem bestätigten Covid-19-Fall hatte“, sagt Wilmsmeier. Die Begleitperson müsse den Mund-Nasen-Schutz auch im Kreißsaal dauerhaft tragen. Ein Wechsel der Begleitperson sei zudem nicht möglich. „Nach der Geburt legen wir Wert darauf, dass Mutter, Vater und Kind die Möglichkeit haben, zusammenzubleiben, um die Bindung zwischen Eltern und Kind zu fördern“, erklärt der Kliniksprecher. Die Nutzung der Familienzimmer sei auch in Zeiten von Corona möglich. Der Vater oder die Begleitperson könne mit aufgenommen werden. „Dann erfolgt auch hier ein Covid-19-spezifisches Screening und eine Testung auf das Sars-CoV2-Virus“, sagt Wilmsmeier. „Besuche durch andere Familienmitglieder oder Freunde sind dann leider nicht möglich.“ Entscheide sich der Vater oder die Begleitperson gegen die Aufnahme in der Klinik, gelten die allgemeinen Besuchsregeln: Jeder Patient kann einmal am Tag für eine Stunde Besuch von einer Person bekommen.

Wie fallen die Reaktionen auf diese Einschränkungen aus? „Die Familien gehen sehr verständnisvoll mit der Situation um. Jeder musste sich in verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens coronabedingt an neue Regeln und Routinen gewöhnen. Dass dies auch für einen Klinikaufenthalt gilt, wird von den Müttern und Vätern akzeptiert“, sagt der Kliniksprecher.

Warum erachtet Helios diese Regelungen für sinnvoll? „Unser wichtigstes Anliegen ist es, unsere Patienten und Mitarbeiter bestmöglich durch verschiedene Maßnahmen vor einer Ausbreitung des Corona-Virus zu schützen. Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass der Krankenhausaufenthalt so sicher wie möglich ist“, sagt Wilmsmeier. „Der Mund-Nasen-Schutz minimiert die Verbreitung von Tröpfchen in der Umgebung und schützt so andere Personen vor einer möglichen Infektion.“

Manche Mütter, Hebammen und Kinderärzte halten die Maskenpflicht im Kreißsaal für überzogen. Wie bewertet Helios solche Kritik? „Wir wissen um die Bedeutung der aktuellen Einschränkungen für unsere werdenden Mütter und ihre Familien. Jede Schwangerschaft und Geburt ist einzigartig und wir bemühen uns, diese Zeit so individuell wie möglich zu gestalten und zu begleiten“, sagt der Kliniksprecher.

Kontakt Klinik Herzberg/Osterode: Telefonisch unter 05521/866-441, Internet: www.helios-gesundheit.de/kliniken/herzberg-osterode/

Kontakt Klinik Northeim: Telefonisch unter 05551/97-1383, Internet: www.helios-gesundheit.de/kliniken/northeim/

Universitätsmedizin Göttingen

Besteht Maskenpflicht für werdende Mütter während der Geburt? „Seit Ende April dieses Jahres gilt die Maskenpflicht, somit auch für die Patientinnen und Besucher der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der UMG“, sagt Prof. Julia Gallwas, Direktorin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe an der UMG. Wie bei allen Patienten der UMG, die stationär aufgenommen werden, werde auch bei werdenden Müttern ein Covid-19-Abstrich vorgenommen. „Dieser wird bevorzugt bearbeitet, sodass das Ergebnis innerhalb von zwei bis vier Stunden vorliegt, dann kann die Frau den Mundschutz abnehmen“, erklärt Gallwas. „Sollte die werdende Mutter spätnachmittags oder abends mit Geburtswehen kommen oder geht es einmal sehr schnell, so ist es manchmal nicht mehr möglich, auf das Ergebnis des Abstrichs zu warten. Dann schützen sich die Hebammen und das ärztliche Personal mit FFP2-Masken. Zudem kommen Gebärende, deren Covid-19-Ergebnis noch nicht vorliegt, in einen speziell vorbereiteten Kreißsaal.“

Welche Bedingungen gelten für Begleitpersonen? „Während der Geburt und für die ersten Stunden nach der Geburt ist eine Begleitperson im Bereich des Kreißsaals zugelassen“, erklärt Gallwas. Auf der Wochenstation sei immer ein Besucher pro Patientin erlaubt. Die Besuchszeiten sind auf die Zeit von 14 bis 17 Uhr beschränkt. Väter und andere Bezugspersonen müssten sich an die geltende Maskenpflicht halten, sagt Gallwas. Davon ausgenommen seien Kinder unter sechs Jahren.

Wie fallen die Reaktionen auf diese Einschränkungen aus? „Viele Fragen können bereits im Vorfeld gestellt und geklärt werden, was viele werdende Eltern sehr beruhigt“, sagt Gallwas. So etwa im Rahmen der Informationsabende mit Kreißsaalbesichtigung. Diese finden jeweils am ersten und dritten Dienstag im Monat um 18 Uhr statt. In Corona-Zeiten werden Interessenten gebeten, sich telefonisch anzumelden unter 05 51 / 3 96 65 67. „Natürlich stehen den werdenden Eltern auch weitere Beratungsmöglichkeiten zur Verfügung, so etwa die Schwangerensprechstunde, die unter der Telefonnummer 05 51 / 3 96 65 65 zu erreichen ist“, sagt die Direktorin, die außerdem auf den Internetauftritt der Klinik verweist: www.frauenklinik.umg.eu/.

Warum erachtet die Klinik diese Regelungen für sinnvoll? „Es scheint doch recht eindeutig zu sein, dass ein Mund-Nasen-Schutz die Anzahl der infektiösen Aerosole in der Atem- und somit in der Raumluft verringern kann“, erklärt Gallwas. „Da die UMG Patientinnen, Besucher und Mitarbeiter bestmöglich schützen möchte, gehört das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes bis zum Vorliegen des Abstrichergebnisses mit zu den Schutzmaßnahmen für alle Beteiligten.“

Manche Mütter, Hebammen und Kinderärzte halten die Maskenpflicht im Kreißsaal für überzogen. Wie bewertet die UMG solche Kritik? „Dass diese Maßnahmen auch einmal Kritik hervorrufen, ist nur allzu menschlich“, sagt Gallwas. „Aber in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe tun wir alles, damit sich die werdenden Eltern bei uns trotz der einschränkenden Rahmenbedingungen wohlfühlen können.“

Neu-Mariahilf (Krankenhaus Göttingen-Weende)

Besteht Maskenpflicht für werdende Mütter während der Geburt? „Für die Geburtsphase besteht keine Maskenpflicht für werdende Mütter, sofern ein negatives Corona-Testergebnis vorliegt“, sagt Dr. Georg Fleckenstein, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Standort Neu-Mariahilf des evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende. „Die Patientinnen erhalten vor dem Entbindungstermin in der 39+0. Schwangerschaftswoche einen ersten Corona-Test und dann noch einmal kurz vor der Geburt bei Aufnahme in das Krankenhaus.“ Der Test werde vor Ort im Krankenhaus durchgeführt. Das Ergebnis liege in der Regel nach einem Tag vor. Stehe eine Geburt jedoch kurz bevor und das Ergebnis des Corona-Tests noch nicht fest, „wird ein Schnelltest durchgeführt, sodass das Ergebnis innerhalb von knapp zwei Stunden vorliegt“, sagt Fleckenstein. Sollte auch dafür die Zeit zu kurz sein, trage das Krankenhauspersonal bei der Geburt spezielle Schutzkleidung, genau wie die werdende Mutter. „Durch diese Regelung ist nur in absoluten Ausnahmefällen eine Maskenpflicht für werdende Mütter während der Geburtsphase unvermeidbar“, so Fleckenstein.

Welche Bedingungen gelten für Begleitpersonen? „Generell kann der werdende Vater bei der Geburt dabei sein“, sagt Fleckenstein. Er werde zuvor ebenfalls auf Corona getestet und müsse einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Es bestehe zudem die Möglichkeit für Väter, mit der Mutter und dem Neugeborenen im Familienzimmer aufgenommen zu werden und die Zeit bis zur Entlassung im Krankenhaus zu bleiben. „Im Familienzimmer muss kein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Nur, wenn Krankenhaus-Personal das Zimmer betritt“, erklärt der Chefarzt. Wenn die Väter nicht in das Familienzimmer mit aufgenommen werden, können sie und auch Geschwisterkinder täglich zwischen 14 und 18 Uhr auf die Wochenstation zu Besuch kommen, ohne sich auf Corona testen lassen zu müssen.

Wie fallen die Reaktionen auf diese Einschränkungen aus? „Alle Patientinnen und die Angehörigen haben durchweg Verständnis für die getroffenen Maßnahmen. Es gab bislang keine Beschwerden“, sagt Fleckenstein.

Warum erachtet die Klinik diese Regelungen für sinnvoll? „Die Regelungen sind wichtig, um die Sicherheit aller bei der Geburt Beteiligten zu gewährleisten“, erklärt der Chefarzt.

Manche Mütter, Hebammen und Kinderärzte halten die Maskenpflicht im Kreißsaal für überzogen. Wie bewertet das EKW solche Kritik? Eine Maskenpflicht für werdende Mütter während der Geburtsphase sei durch die getroffene Regelung „nur in absoluten Ausnahmefällen unvermeidbar“, so Fleckenstein. „Insofern ist die Kritik unbegründet, da die Sicherheit aller an der Geburt Beteiligten vorgeht.“

Kontakt: Die geburtshilfliche Sprechstunde findet dienstags (9 bis 15 Uhr) und donnerstags (13 bis 17 Uhr) im Krankenhaus Neu-Mariahilf statt. Terminvereinbarung unter Telefon 05 51/ 50 34 32 34 oder -32 35. Internet: www.ekweende.de/standort-neu-mariahilf/

Agaplesion Krankenhaus Neu-Bethlehem Göttingen

Besteht Maskenpflicht für werdende Mütter während der Geburt? „Es besteht für die Mütter während der Geburt eine Maskenpflicht“, sagt Krankenhaussprecher Wolfgang Schäfer. „Sollte es aber medizinisch notwendig sein, kann die Maske nach Anordnung kurzfristig abgenommen werden. Dies setzt dann voraus, dass der Infektionsschutz unseres Personals entsprechend der Vorgaben des Robert-Koch-Instituts angehoben wird.“ Zudem würden die werdende Mutter und die Begleitperson „direkt bei Aufnahme auf eine Covid-19-Infektion untersucht“.

Welche Bedingungen gelten für Begleitpersonen? „Prinzipiell kann eine Begleitperson mit aufgenommen werden. Dazu ist ein negativer Covid-19-Test notwendig“, so Schäfer. „Sollte kein Testergebnis bei Aufnahme vorliegen, wird der Test von uns durchgeführt. Die werdenden Väter oder Begleitpersonen bleiben bei der werdenden Mutter und später im Zimmer.“

Wie fallen die Reaktionen auf diese Einschränkungen aus? „Die werdenden Mütter, Väter und Begleitpersonen beruhigt es, dass wir klare hygienische Vorgaben haben“, sagt der Krankenhaussprecher. „Das Gefühl, hier sicher zu sein, ist für sie sehr wichtig. Dafür werden die aktuellen Maßnahmen gern in Kauf genommen.“

Warum erachtet das Krankenhaus diese Regelungen für sinnvoll? „Der Schutz der an der Geburt beteiligten Personen und des Babys ist sehr wichtig. Mit der Umsetzung der Maskenpflicht können Infektionen vermieden und die Versorgung in unserer Geburtshilfe sichergestellt werden“, erklärt Schäfer.

Manche Mütter, Hebammen und Kinderärzte halten die Maskenpflicht im Kreißsaal für überzogen. Wie bewertet das Krankenhaus Neu-Bethlehem solche Kritik? „Wir denken, dass diese Kritik einfach betrachtet verständlich ist, aber wir halten sie für falsch“, sagt Schäfer. „Die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts sind sinnvoll, sie schützen nachweislich vor unkontrollierter Weiterverbreitung des Sars-CoV2-Virus.“ Ein weiterer Vorteil der aktuellen Maßnahmen sei die Sensibilisierung aller Beteiligten.

Kontakt: Telefonisch unter 05 51/49 40, Internet: www.neubethlehem.de.

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