Von Burgen, Ämtern, Kasernen: das Staatliche Baumanagement

Herzberg.  Das Staatliche Baumanagement Südniedersachsen ist als Behörde Wenigen bekannt. Doch sie hat Anteil an vielen Bauprojekten in der Region.

Dipl. Ing. Ulrich Rütjeroth [Rütjerodt] (rechts) vom Staatlichen Baumanagement,  verantwortlich vor Ort im Schloss Herzberg, informierte Heiko Twelmeier (2. v. rechts), Bausachverständiger, mit einer Gruppe Studenten der TU Braunschweig über die Sanierungsarbeiten am Schloss.

Dipl. Ing. Ulrich Rütjeroth [Rütjerodt] (rechts) vom Staatlichen Baumanagement,  verantwortlich vor Ort im Schloss Herzberg, informierte Heiko Twelmeier (2. v. rechts), Bausachverständiger, mit einer Gruppe Studenten der TU Braunschweig über die Sanierungsarbeiten am Schloss.

Foto: Förderverein Schloss Herzberg

Durch die Sanierung des Schlosses Herzberg ist das Staatliche Baumanagement Südniedersachsen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Die Arbeiten im Schloss stoßen auch überregional auf das Interesse von Fachleuten. So ließ sich Heiko Twelmeier, Bausachverständiger, mit einer Gruppe Studenten der TU Braunschweig ebenso über die Maßnahmen des Staatlichen Baumanagements im Schloss informieren wie auch Juliane Schmieglitz-Otten, Leiterin des Residenzmuseums im Celler Schloss.

„Aber die meisten Menschen können mit unserer Behörde nicht viel anfangen und wissen nicht, wo wir überall tätig sind und was wir überhaupt tun“, sagt Marcus Rogge, seit Juni 2016 Leiter des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen. Unterstützt wird er von Anke Westphal, der stellvertretenden Leiterin des Amtes. „Der Zuständigkeitsbereich unserer Behörde reicht über fünf Landkreise von Holzminden bis Goslar und von Hann. Münden bis Hildesheim, um das Gebiet nur grob zu skizzieren.“ Das rund 5.500 Quadratkilometer große Betreuungsgebiet ist mehr als doppelt so groß wie das Saarland.

2.000 Bauaufträge im Jahr vergeben

Zu den betreuten Objekten der Behörde gehören neben dem Schloss Herzberg die Pionierkaserne am Solling in Holzminden, die Polizeiakademie in Hann. Münden, die Heldenburg in Salzderhelden, der Standort der Bundespolizei in Duderstadt und das Katasteramt in Northeim, um nur einige aufzuzählen. Auch Autobahnmeistereien, Finanzämter, Wetterstationen, Hochschulen und Universitäten gehören zur Klientel des Baumanagements.

Im vorletzten Jahr vergab das Baumanagement Südniedersachsen fast 2.000 Bauaufträge mit einem Vergabevolumen von 32,8 Millionen Euro. „Die Palette reicht von der Bauunterhaltung über komplexe Umbauten bis hin zu anspruchsvollen Neubauten mit hochwertigen wissenschaftlichen Ausrüstungen“, weiß Marcus Rogge.

Hauptsitz ist in Clausthal-Zellerfeld

Der Hauptsitz des Staatlichen Baumanagements Südniedersachsen ist in Clausthal-Zellerfeld in der Graupenstraße. Dort sind fast 30 der insgesamt mehr als 100 Mitarbeiter tätig. In Göttingen und Hildesheim unterhält das Amt zwei größere Außenstellen mit jeweils 30 Mitarbeitern, dazu kommen je rund zehn Mitarbeiter in den beiden kleineren Dependancen Goslar und Holzminden.

Gemeinsam sind alle Mitarbeiter in sieben Organisationseinheiten gegliedert. Drei Baugruppen betreuen in Zusammenarbeit mit der Hochbauplanung, der Betriebstechnik, dem Ingenieurbau sowie der Geschäftsstelle von den fünf Standorten aus insgesamt rund 1.500 Gebäude in rund 500 Liegenschaften.

Der Zuschnitt der drei Baugruppen – eine, die Goslar und den Altkreis Osterode betreut, eine für Hildesheim/Holzminden und eine für den Altkreis Göttingen und den Landkreis Northeim – wird auch nach der Kreisfusion zwischen Osterode und Göttingen so bleiben. „Diese Vielschichtigkeit der Aufgaben erfordert von unseren Mitarbeitern ein hohes Maß an Fachwissen, Flexibilität und Einsatzbereitschaft.“

Das Baumanagement bietet zudem die Möglichkeit, eine abwechslungsreiche Ausbildung als Bauzeichner oder Bauzeichnerin zu absolvieren.

Präsenz in der Fläche aufrecht halten

„Das Staatliche Baumanagement Südniedersachsen ist heute eines von acht Ämtern in Niedersachsen. Es ist Anfang 2005 aus den Staatlichen Baumanagements Harz, Göttingen und Hildesheim hervorgegangen“, erläutert Marcus Rogge. Seinerzeit sei das Leitbild der Behörde angepasst worden, unter der Vorgabe, nicht unbedingt alles selbst zu tun, sondern die Kapazitäten des Arbeitsmarktes zu nutzen. Es sei in der Folge viel Personal abgebaut worden, man habe dabei leider auch viel von dem bereits angesprochenen Fachwissen verloren.

Parallel dazu sei aber der eigentlich erwartete Aufgaben-Rückgang nicht eingetreten. „Wir halten die Präsenz in der Fläche bewusst aufrecht, setzen die Leute dort ein, wo sie auch ihre Arbeit erledigen“, so Marcus Rogge. „Andernfalls wären die Fahrzeiten zu den jeweiligen Baustellen viel zu groß. Wir müssen aber dennoch durchschnittlich eine Stunde Fahrzeit bis zu den Baustellen einkalkulieren.“

Sinkende Resonanz bei Ausschreibung

In der Geschäftsstelle in Clausthal-Zellerfeld ist die allgemeine und technische Verwaltung angesiedelt, dort werden auch die komplette Auftragsvergabe und die Vertragsabschlüsse abgewickelt.

Mitarbeiter in Hildesheim kümmern sich um das infrastrukturelle Gebäudemanagement, um Reinigungs- und Winterdienstleistungen für die einzelnen Einrichtungen. „Dadurch werden erhebliche Einsparpotenziale vor allem bei der Unterhaltsreinigung der Gebäude erreicht“, so Marcus Rogge.

„Wir sind aufgestellt wie ein mittelgroßes beziehungsweise großes Ingenieurbüro. Wir haben fast alle Fachdisziplinen unter unserem Dach. So können wir stets schnell Projektgruppen bilden, um Know-how und Kapazitäten zu bündeln.“ Beim Vergaberecht unterliegt das Staatliche Baumanagement dem Europarecht und muss für Bau- und Ingenieurleistungen entsprechend ausschreiben. „Parallel haben wir zurzeit Baumaßnahmen im unteren dreistelligen Bereich laufen“, erläutert Marcus Rogge. „Leider ist die Resonanz bei öffentlichen Aufträgen abnehmend. Wir können nur vermuten, dass bei den Betrieben die Auftragsbücher gut gefüllt sind. Allerdings schreiben wir nur noch elektronisch aus, man muss also von Firmenseite aktiv werden und sich auf unserer Ausschreibungsplattform des Landes Niedersachsen informieren.“ (http://vergabe.niedersachsen.de.)

Das Amt wird regelmäßig geprüft

Marcus Rogge weiß, dass häufig argumentiert werde, dass öffentliche Aufträge „mit viel Papierkram“ verbunden seien. „Aber wir geben Steuermittel aus, es muss also nachweislich mit rechten Dingen zugehen.“ Ein weiteres Vorurteil sei, dass die öffentliche Hand spät zahle. Dies sei eher nicht so, widerspricht Rogge. „Wir halten die Verträge ein und halten Zahlungen nicht unbegründet zurück. 95 Prozent der Zahlungen gehen fristgerecht raus.“ Aber, das will Marcus Rogge auch nicht verschweigen, „der Anteil an Verwaltungsarbeit ist bei uns deutlich höher als in einem privaten Ingenieurbüro“. Das müsste aber so sein, da man selbst auch ständig geprüft werde. So prüft neben dem Landes- auch der Bundesrechnungshof.

Zu den herausragenden beziehungsweise öffentlichkeitswirksamen Arbeiten des Baumanagements gehören zurzeit neben dem Schloss Herzberg das Grenzdurchgangslager Friedland und die Burg Plesse bei Bovenden. „Es ist schön, dass wir uns um Gebäude kümmern können und wir freuen uns, wenn sie wieder schmuck dastehen.“

Das gilt natürlich insbesondere für das Schloss Herzberg, dass Marcus Rogge und seinem Team nicht nur aufgrund seiner speziellen Herausforderungen und seiner hohen Anforderungen besonders am Herzen liegt.

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