Hier kommen unsere Ortsnamen her - und das bedeuten sie

Herzberg.  Angefangen in der Altsteinzeit erklärt Klaus Gehmlich wie sich die Ortsnamen in der Region entwickelt haben.

Eine alte Siedlung -- eines der Bilder aus dem Referat von Klaus Gehmlich.

Eine alte Siedlung -- eines der Bilder aus dem Referat von Klaus Gehmlich.

Foto: Archiv Klaus Gehmlich / Privat

Klaus Gehmlich referierte jüngst im Rahmen der Vortragsreihe des Heimat- und Geschichtsvereins Herzberg über die Ortsnamen im Altkreis Osterode und erläuterte dabei ihre Herkunft und Bedeutung.

Bei der intensiven Auseinandersetzung Gehmlichs in den vergangenen Jahrzehnten mit den Flurnamen im südwestlichen Harzrand habe er festgestellt, dass sich die Flurnamen oft von den Ortsnamen unterschieden, erklärte der Referent in seiner Ausführung. So seien es bei den Flurnamen etwa oft auch Ereignisse, die sich teilweise über Jahrhunderte in den Namen verfestigten. Manche müssten rückwärts gelesen werden, damit man ihre Bedeutung erkennen könne, manchmal seien Flurnamen aber auch „verballhornt“. Andere wiederum bezögen sich auf umliegende geografische Besonderheiten, wie etwa auf Berge oder Gewässer. Inzwischen seien viele Ortsnamen bearbeitet. Im Rahmen seiner Aufarbeitung konnte Gehmlich aber auch mit Vorurteilen aufräumen.

Von der Menschheitsgeschichte zur Namensgebung

Klaus Gehmlich ging zunächst auf die Menschheitsgeschichte ein. Am Ende der Altsteinzeit bis vor etwa 20.000 Jahren streiften noch Jäger und Sammler durch die Region, sie jagten und folgten den Rentieren, erlegten aber auch größeres Wild. Die Menschen jener Zeit nutzten für ihre Jagd auch natürliche Gegebenheiten. So war ein Schlotterfeld im Hainholz eine natürliche Falle, hier wurden Knochen vom Wollhaar-Nashorn gefunden.

In der Mittleren Steinzeit, zwischen 15.000 und 10.000 Jahre vor Christus fanden die Menschen unter den Abris, den Felsdächern, Schutz – unter anderem zwischen Scharzfeld und Bartolfelde. Sie hielten sich zwar auch in Höhlen auf, aber nicht für längere Zeit und folgten weiterhin ihrer vornehmlichen Jagdbeute, den Rentieren. In der Jungsteinzeit kam der Übergang von Jägern und Sammlern zu Bauern und Hirten. Im Zuge des Autobahnbaus wurden bei Eboldshausen in der Gemeinde Kalefeld Hausbauten gefunden, die in die Zeit um 5.000 Jahre vor Christus zurück zu datieren sind. In der Bronzezeit zwischen 1.000 und 200 Jahre vor Christus hat sich dann nicht nur der Hausbau verändert: Es entwickelte sich durch die Bearbeitung der Metalle erstmals ein Spezialist – der Schmied.

Um Siedlungen anlegen zu können, mussten Wasser und guter Boden vorhanden sein. Ein Bach war die Lebensader des Dorfes, er war Trink- und Brauchwasser-Spender, Viehtränke, Waschplatz, Feuerschutzeinrichtung aber auch Abwasserkanal.

In der hiesigen Region verzeichnete man bereits vor 5.000 Jahren Siedlungen – diese hätten aber mit den heutigen nichts zu tun, so Gehmlich. Ihm zufolge stammten die ältesten Orte und Wüstungen in dieser Region aus den ersten drei Jahrhunderten nach Christus. Sie hatten die ursprüngliche Endung „ithi“, dazu gehörten etwa Pöhlde, Ührde, Düna und Gittelde. Oft käme es vor, dass nicht der Ort selbst, sondern Personen mit gleichem Namen in Urkunden genannt sind – häufig auch als Zeugen einer Beurkundung. Die erste urkundliche Erwähnung sei rein zufällig. Gründe für die Ausstellung entsprechender Urkunden seien vor allem Besitzwechsel, Stiftungen und Grenzfeststellungen, so Gehmlich, der für seinen Vortrag Beifall erhielt.

Ortsnamen in amtlichen Dokumenten:

Herzberg:

1143 Hermanni de Hirzberc, 1153 Hircesberg,
1154 Liuppoldus de Heritesberch, 1155 Luppoldo de Hircsberc,
1164 Lupuldus de Hircesbergk,
1192 castrum Hircesberg,
1233 castrum Hertisberg,
1337 Hertisberghe, 1346 Hartesbarge, 1372 vur den Hirzberg,
1460 Hertesberge, 1543 Hartzberge, 1605 Herzberg

Pöhlde:

927 Palithi, 929 Palidi, 932 Polida, 953 Palithi, 1071 Pholda, 1183 Palithe, 1209 Polithe, 1254 Poelde, 1337 Polde,
1439 Poylde, 1579 Pölde,
1605 Pölde, 1785 Pöhlde

Scharzfeld:

952 Schartfelde, 1131 castrum quoddam Scartuelt, 1147 Siboo de Scartfeld,
1265 comites de Schartfelde,
1311 Scartfeld, 1363 Schartfelde, 1461 Schartfeld, 1541 des dorffes Schardhfels, 1605 Scharzfeld,
1619 haus unnd ambte Schartfesl, 1785 Scharzfeld

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