Herzberg will Nutzung der Obstbaumbestände im Stadtgebiet fördern

Herzberg  Die Streuobstwiese am Heuer soll erhalten werden. Auch ein Konzept der freien Ernte als „Bürgerobst“ soll ausprobiert werden.

Apfelernte in der Obstallee an der Juesholzstraße.

Apfelernte in der Obstallee an der Juesholzstraße.

Foto: Zukunftswerkstatt

Die Streuobstwiese im Gebiet Heuer unterhalb des Krankenhauses bietet vielen Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren einen Lebensraum und ist ein wertvolles Biotop. Sie eignet sich dadurch als Erkundungsraum, besonders für Familien mit Kindern. Die Streuobstwiese wurde von der Stadt Herzberg Ende der 1990er Jahre angelegt. Es befinden sich dort zahlreiche Apfel- und Birnbäume, sowie Walnussbäume und Haselnusssträucher, außerdem wild wachsende Himbeeren und Brombeeren.

Die Bäume sind im besten Ertragsalter und schenken jedes Jahr schmackhafte Früchte, die teilweise auch schon von Anwohnern aus der Nachbarschaft genutzt werden. Die Stadt Herzberg möchte diese Nutzung nicht untersagen, sondern sogar fördern: Ein Konzept der freien Ernte als „Bürgerobst“ soll hier ausprobiert werden. Das traditionelle Baumpachtmodell in der Juesholzstraße soll erhalten bleiben. Hier können die Bäume einzeln für den Betrag von fünf Euro für eine Ernte gepachtet werden.

Nutzung der Obstbestände

Im Rahmen des Programms „Engagierte Stadt“ setzen sich die Stadt, die Zukunftswerkstatt Herzberg und der Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen für die Nutzung der Herzberger Obstbestände durch die Bürger ein. Denn warum sollte man Äpfel essen, die von weither importiert wurden und meist stark gespritzt und behandelt sind, wenn einem hier die schönsten Früchte geradezu in den Mund wachsen? Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen feststellen, dass sie auf die meisten modernen Apfelsorten allergisch reagieren, die alten Sorten aber vertragen.

Die Stadt Herzberg besitzt mit ihren Obstalleen und Streuobstwiesen einen Schatz, den es zu erhalten und zu pflegen gilt, damit er noch lange schöne Früchte liefert. Die Pflege ist wichtig, denn mit Ernten und Genießen allein ist es nicht getan: Obstbäume brauchen einen fachgerechten Schnitt damit sie sich gut entwickeln und schöne Früchte tragen. Wird ein junger Apfelbaum nicht jedes Jahr geschnitten, wächst er zu dicht, die Früchte bekommen zu wenig Sonne, bleiben klein und sind weniger süß. Hinzu kommt, dass der Apfelbaum von Natur aus nicht darauf ausgelegt ist so große Früchte zu tragen. Der regelmäßige Schnitt sorgt für ein stabiles Kronengerüst. Ungeschnittene Apfelbäume leiden oft unter massivem Astbruch, sobald sie in den Ertrag kommen, und haben dadurch keine hohe Lebenserwartung.

Für die Pflege der Wiese am Heuer und gegebenenfalls weiterer Obstalleen werden noch freiwillige Unterstützer gesucht. Die Arbeit in den Obstbäumen ist nicht nur ein Beitrag zum Erhalt der Obstbäume, sondern macht auch Freude. „Man hat die Möglichkeit den Bäumen etwas zurück zu schenken und für viele Menschen stellt der Obstbaumschnitt einen idealen Ausgleich zum Berufsalltag dar“, sagt Anna Goldhagen vom Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e.V. „Wir bieten seit über 20 Jahren Obstbaumschnittkurse im Landkreis an und die Nachfrage ist noch immer steigend.“

Am Freitag, 15. Februar, von 14 bis 17 Uhr richtet der Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen einen Schnittkurs auf der Fläche am Heuer aus. Für Teilnehmer, die sich in der Pflege der Herzberger Obstbaumbestände engagieren wollen, ist der Kurs kostenlos. Wer für den „eigenen Hausgebrauch“ teilnehmen möchte, ist auch willkommen und bezahlt eine Gebühr von zehn Euro. Die Teilnehmer sollten strapazierfähige, wetterfeste Kleidung denken und – sofern vorhanden – eigenes Schnittwerkzeug und wenn möglich auch eine geeignete, standfeste Leiter mitbringen.

Anmeldungen per Mail an anna.goldhagen@lpv-goettingen.de oder telefonisch unter 0176/58865299.

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