Ben und Emma sind beliebt – Bluna, Fanta und Pepsi-Carola erlaubt

Herzberg  Manche Eltern geben ihren Kindern kuriose Babynamen. Politikernamen sind dabei nicht gefragt und auch Kevin wird so schnell nicht wieder modern.

Ben und Emma führen die Hitlisten der Babynamen wieder an.

Ben und Emma führen die Hitlisten der Babynamen wieder an.

Foto: Waltraud Grubitzsch / picture alliance / dpa

Reichen Kindersegen gab es im vergangenen Jahr in der Helios Klinik in Herzberg: 619 Babys wurden hier geboren – zwei mehr als im Jahr 2017. Dazu kommt ein Baby, das bei einer Hausgeburt im Bereich Bad Grund auf die Welt kam. Das bedeutet aber nicht, dass alle 620 Kinder auch im Altkreis Osterode wohnen: Mit Schließung von Geburtsstationen im Umkreis hat sich das Einzugsgebiet der Herzberger Geburtshilfe vergrößert.

Das Geburtshilfe-Team in Herzberg half 291 Mädchen und 328 Jungen auf die Welt. „Wir freuen uns, den Trend der steigenden Geburtenzahlen fortsetzen zu können, auch wenn es eine kleine Steigerung war“, sagt Klinikgeschäftsführer Johannes Richter. „Diese Geburtenzahlen sind ein Lob für unser Team und ein Beleg dafür, dass das Angebot unserer zertifizierten babyfreundlichen Geburtsklinik stimmig ist.“

Neun Zwillingspärchen

Unter den Geburten waren neun Zwillingspärchen. Ein seltenes Ereignis gab es im Frühjahr: Am 26. April kamen zwei Zwillingspärchen innerhalb weniger Stunden zur Welt.

Der Geburtstag des doppelten Zwillingsglücks lag auf sehr gefragten Terminen: In der letzten Aprilwoche wurden in drei Tagen zwölf Kinder in der Klinik geboren.

Der Monat mit den meisten Entbindungen war der August, 61 Kinder kamen in dieser Zeit auf die Welt. Das Neujahrsbaby 2019 ist ein Junge: Benjamin aus Bad Lauterberg erblickte am 1. Januar um 7.08 Uhr das Licht der Welt.

Die schönsten Namen

Die Eltern wählten für ihren Nachwuchs in der Herzberger Klinik häufig Namen, die zu den Spitzenreitern gehören: Emma und Mia bei den Mädchen sowie Ben und Paul bei den Jungen.

Dass die Eltern in der Region damit im Trend liegen, bestätigt der Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld, der etwa ein Viertel aller im Jahr 2018 geborenen Babys in seiner Statistik erfasst hat. Aus seiner Sammlung geht hervor: Ben ist der beliebteste Name für Jungen in Deutschland – und das schon zum achten Mal in Folge. Bei den Mädchen landete Emma auf Platz 1. Als einer der ungewöhnlichsten neuen deutschen Mädchennamen ist dem Namensforscher Tulip aufgefallen. Neu sind auch Bellatrix, Smaranda und Fiorela. Bei den Jungen stachen Bryson, Donaldo und Bobi hervor.

Die meisten Plätze gutgemacht haben Ella, Matilda, Frieda, Lia und Juna sowie Matteo, Theo, Fiete, Henry und Levi.

Nordische Namen

Mit Fiete schicke sich ein norddeutscher Name an, den Rest Deutschlands zu erobern, meint Bielefeld, der sich auf 610 Quellen in 480 Städten – Geburtskliniken, aber auch Meldungen aus zehn Standesämtern – stützt. „Fiete ist in Norddeutschland hochgeklettert“, sagt der Namensforscher.

Das erste Mal sei ihm Fiete – eine Koseform von Friedrich – als erster Vorname in Mecklenburg-Vorpommern aufgefallen – „und jetzt breitet er sich über Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen aus. Ich schätze mal, dass er in zehn Jahren dann auch in Bayern in der Vornamen-Hitparade ist“.

Von Norden nach Süden

Es sei typisch, „dass sich Namen von Nord- nach Süddeutschland ausbreiten, seltener umgekehrt“, sagt Bielefeld und begründet dies mit der Beliebtheit skandinavischer Namen und der geografischen Nähe zum deutschen Norden. Auch mit Finn habe es in den 1980er-Jahren zuerst in Schleswig-Holstein angefangen. Von Süden nach Norden ist Bielefeld zufolge eine solche Entwicklung nicht zu sehen. In der Schweiz gängige männliche Vornamen wie Urs und Beat hätten in Süddeutschland bisher nicht Fuß gefasst.

Bei den Vornamen mit muslimischem Hintergrund sei Mohammed auf dem Vormarsch. Hier mache sich der gestiegene Anteil von Migranten aus Syrien und anderen Ländern der Region bemerkbar. Von türkischen oder türkischstämmigen Eltern sei der Name des Propheten dagegen nicht so häufig verwendet worden.

Unterschiede bei der Namenswahl gibt es auch zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern. „Oskar kommt in den östlichen Bundesländern signifikant häufiger vor als im Westen. Bei den Mädchennamen ist es nicht eindeutig“, sagt Bielefeld.

Ein Kevin, der es zu was gebracht hat

Ausschlaggebend für die Namenswahl sei neben dem Geschmack der Eltern auch, „wie oft man etwas hört, das man gut findet“. Da würden sich Politikernamen anbieten. Doch die finden sich kaum in der Statistik. Die Ausnahme: Friedrich – wie Friedrich Merz. Bis Kevin, auch der Vorname eines jungen Politikers, wieder modern wird, dauert es noch, meint der Hobbyforscher. Zu sehr sei der Name belastet. Derzeit liege er auf Platz 294.

Juso-Chef Kevin Kühnert habe dem Namen aber „einen Riesendienst erwiesen, weil er ein erfolgreicher Kevin ist, ein Kevin, der es zu etwas gebracht hat“, erklärt Bielefeld.

Kurios, aber erlaubt

Ungewöhnliche Vornamen, die aber von den zuständigen Standesämtern erlaubt wurden: Alemmania, Apple, Blaubeere, Bluebell, Blücherine, Bluna, Bo, Brain, Champagna, Chanel, Cinderella-Melodie, Cosmo, Courage, Dee-Jay, Despot, Dior, Emilia-Extra, Fanta (für Mädchen), Frodewin, Gneisenauette, Godpower, Harley, Hope, Ikea, Imperial-Purity, Junior, Katzbachine, Kix, Klee, Lafayette, Laperla, Laser, Legolas, Lelibeth, Leonardo da Vinci Franz, Lio, Loana, Logan Seraphin, London, Magic, Maier, Matt-Eagle, Milka, Monel, Napoleon, November (für Jungen), Nox, Nussi, Pepsi-Carola, Phoenix, Popo, Pumuckl, Rapunzel, Schaklyn, Schneewittchen, Schokominza, Sheriff, Siebenstern, Sioux, Smudo, Solarfried, Sonne, Sultan, Sunshine, Tarzan, Triumf, Viktualia, Wasa, Waterloo, Windsbraut, Winnetou.

Beliebteste Mädchennamen: Emma, Mia, Hanna/Hannah, Emilia, Sophia/Sofia, Lina, Anna, Mila, Lea, Ella.

Beliebteste Jungennamen: Ben, Paul, Leon, Finn/Fynn, Elias, Jonas, Luis/Louis, Noah, Felix, Lucas/Lukas.

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