Mord in Herzberg: Vater soll Mutter erschlagen haben

Herzberg  Eine Polizeibeamtin gab im Prozess Schilderungen des Angeklagten wider. Demnach soll sein Vater in einem „Demenzanfall“ gehandelt haben.

Die Leiche der Rentnerin wurde in Herzberg gefunden. Die Haustür wurde versiegelt.

Die Leiche der Rentnerin wurde in Herzberg gefunden. Die Haustür wurde versiegelt.

Foto: Rainer Härtl / HK

Ein Herzberger ist angeklagt, seine Mutter mit dem Schürhaken erschlagen und anschließend die Leiche einbetoniert zu haben. Im Polizeiverhör soll er allerdings seinen dementen und schon immer gewalttätigen Vater als Täter präsentiert haben. Persönlich wollte sich der Angeklagte auch am zweiten Verhandlungstag vor dem Göttinger Landgericht nicht zu den Vorwürfen äußern, die die Staatsanwaltschaft gegen ihn erhebt. Dafür gab eine Polizeibeamtin als Zeugin den Inhalt der beiden Vernehmungen wider, die sie mit dem 47-Jährigen im September dieses Jahres geführt hatte.

Darin räumte der 47-Jährige tatsächlich ein, die Leiche seiner erschlagenen Mutter in der Blumenbank in dem Herzberger Einfamilienhaus einbetoniert zu haben. Als Täter für die Tötung seiner Mutter im September 2017 präsentierte er aber einen anderen. Der Angeklagte schilderte die Geschehnisse rund um den Tattag der Polizei wie folgt: Am Vormittag des 22. September begleitete er seine Eltern zum Arzt, setzte sie ab und besorgte in der Zwischenzeit das Mittagessen im Lieblingsimbiss der Familie: Currywurst für sich und den Vater, Pizza oder Nudeln für die Mutter. „Das isst sie immer“, soll er gesagt haben. Nach dem gemeinsamen Essen ging er mit seinen vier Hunden am Ortsrand spazieren – etwa eine Dreiviertelstunde, nach seiner Schilderung.

Zurück in der elterlichen Wohnung erblickte er seine Mutter am Boden liegend. Der Vater stand mit blutverschmierten Händen vor dem Sofa, daneben zwei Metallbügeleisen. Als er festgestellt hatte, dass die Mutter nicht mehr atmete, habe er seinen Vater gewaschen, neu eingekleidet und in ein Pflegeheim gefahren. Hier wurde der seit Längerem in der Demenz-Tagespflege betreut, und man hatte ihn im Vorfeld bereits für eine stationäre Aufnahme angemeldet. Der treu sorgende Sohn besorgte noch neue Socken und Medikamente und fuhr schließlich zur Lebensgefährtin nach Hannover.

Die tote Mutter lag derweil in einen Teppich gewickelt im Wohnzimmer des jetzt verwaisten Hauses. Gemeinsam mit der damaligen Partnerin habe er beschlossen, die Leiche verschwinden zu lassen. Vor allem aus der Sorge heraus, dass man ihm mit seinen Vorstrafen nicht glauben würde. Er hatte bereits in Südafrika im Gefängnis gesessen und anschließend eine mehrjährige Haftstrafe wegen Betruges abgesessen. Keinesfalls wollte er dahin zurück. Also wurde laut Vernehmungsprotokoll die tote Mutter zunächst in einer Folie im Kofferraum ihres eigenen Autos in der Garage versteckt und schließlich in die überdimensionale Blumenbank im Wohnzimmer umgebettet. Beton und Kies sollten das Grab verbergen. Seine Freundin half ihm beim Leichentransport.

Ironischerweise war es ihr Vater, der Monate später die Ermittlungen der Polizei in Gang setzte. Zwischenzeitlich hatte sich das Pärchen erst nach Dänemark und dann nach Schweden abgesetzt, um den gemeinsamen Traum einer Huskyzucht zu verwirklichen – nach eigenen Aussagen mit dem Geld seiner Eltern.

Allerdings traute der besorgte Vater seinem angehenden Schwiegersohn nicht über den Weg, recherchierte dessen kriminelle Vergangenheit und wollte schließlich mit seinen Eltern in Kontakt treten. Am 18. April stand er deshalb in Herzberg vor einem leeren Haus mit Jägerzaun und schon leicht verwahrlostem Garten. Als die Nachbarn dann erzählten, sie hätten das Ehepaar lange nicht gesehen, ging er zur Polizei.

Die durchsuchte das Haus, fand die Leiche im frischen Beton und nahm die Ermittlungen auf. In deren Verlauf entdeckte man zwar keine Metallbügeleisen, aber dafür einen Schürhaken vom Tatort im Haus des Sohnes in Schweden. Auch ist ein Anruf des Angeklagten bei der Polizei in Herzberg protokolliert, in dem er behauptet, seine Mutter sei in Schweden und es gehe ihr gut – wenige Tage bevor die Polizei ihre verweste Leiche fand.

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt: Der Traum der Auswanderer platzte, die Beziehung zerbrach. Der 47-Jährige geriet in den Fokus der Ermittler und stellte sich den deutschen Behörden. Und dort präsentierte er seinen Vater als Täter, der die Mutter „im Demenzanfall erschlagen“ haben soll.

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