Welfenschloss Herzberg: Marstallflügel kommt auf solide Füße

Herzberg  Im Schloss Herzberg geht es bei den Sanierungsarbeiten weiter zügig voran. Modernste Technik trifft dabei auf mittelalterliches Bauwerk.

Modernste Technik hilft, den Marstallflügel zu sanieren. Im Foto die Spezialmaschine für die Pfahlgründungen.

Modernste Technik hilft, den Marstallflügel zu sanieren. Im Foto die Spezialmaschine für die Pfahlgründungen.

Foto: Staatliches Baumanagement Südniedersachsen

Das Spezialgerät ähnelt einer Miniraupe, sieht ein bisschen so aus, als könnte es in einem Star Wars-Film neben R2D2 herrattern. Etwas futuristisch wirken mit ihren Noppen auch die danebenliegenden Bohrköpfe. Seit über einem Jahr wird am und im Welfenschloss kräftig gearbeitet. Vor allem im Uhrenturm und im Marstallflügel wird zurzeit mit Hochdruck gearbeitet.

Im Marstall haben die Gründungsarbeiten begonnen. Dabei trifft modernste Technik auf mittelalterliches Gemäuer. Um das marode Gebäude zu stabilisieren und zu sanieren, werden bis zu zwölf Meter lange Pfähle in den Boden getrieben. Die Mitarbeiter der Spezialfirma für die Bohrarbeiten haben inzwischen die ersten Pfähle installiert. Auf die Köpfe der Pfähle kommt später eine Stahlbetonplatte. Aber noch immer braucht man viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass hier bereits im nächsten Jahr die ersten Beschäftigten des Amtsgerichtes ihre Arbeit aufnehmen können.

„Zuerst sollen die Mitarbeiter aus dem Grauen Flügel umziehen“, erklärt Dipl. Ing. Ulrich Rütjerodt vom Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen. „Im ehemaligen Theaterraum des Marstallflügels werden großzügige Büroräume entstehen, die mit Glaswänden aufgelockert und aufgewertet werden.“ Deshalb sind in den Obergeschossen bereits die Zimmerleute tätig, die neue Balken einziehen und teilweise mit den alten Balken verbinden. Denn alles, was noch stabil ist, soll erhalten bleiben.

Aber auch die neuen Balken sind nicht frisch aus großen Bäumen herausgesägt. Sie stammen zum Teil aus Frankreich, würden beim Abbruch von Landhäusern oder kleinen Domänen sorgsam herausgetrennt und neu aufgearbeitet. „So manche schöne alte Scheune aus Eichenholz musste in Frankreich dafür wohl abgerissen werden“, so Ulrich Rütjerodt.

Auch im Uhrenturm sind die Handwerker dabei, das Gebäude zu stabilisieren. Innerhalb der maroden äußeren Fachwerkkonstruktion werden neue Holzbalken eingezogen. Hier werden ebenfalls alte, noch verwendbare Holzbalken mit den neuen Balken verbunden. Das Treppenhaus im Turm wurde in den Untergeschossen teilweise abgebaut und im Keller gelagert. Wenn die äußere Hülle des Turms stabilisiert ist, kann geprüft werden, inwieweit das Treppenhaus künftig genutzt werden kann. Der Turm sei in den 90er Jahren restauriert worden, erklärt Ulrich Rütjerodt, allerdings nicht fach- und sachgerecht.

Parallel dazu werden die Figuren an der Außenseite des Turms restauriert. Der Großteil der Figuren kann mit einer neuen Rückseite versehen und so gerettet werden. Andere Figuren müssen völlig neu erstellt werden. Dafür fertigt Christoph Jarzebski mit seinem Team einen Gipsabdruck an, mittels dessen dann die Figuren neu geschnitzt werden. Das kann pro Figur einige Wochen dauern, da der Gesichtsausdruck exakt getroffen werden soll.

Während an den Turmseiten fast ausschließlich nur Köpfe installiert sind, sind an der Ecke des Turmes in Richtung Schlosshof komplette Holzfiguren auf hölzernen Podesten angebracht. Für den Laien ist es erstaunlich, dass diese Holzfiguren samt ihrem Sockel aus einem Holzbalken herausgeschnitzt wurden, wie Restaurator Christoph Jarzebski aus Kattowitz erklärt.

Die Kellerräume unter dem Schlossturm und der Ecke Sieberflügel/Grauer Flügel sind relativ gut erhalten. Hier ist auch die Heizungsanlage für das Amtsgericht untergebracht. Ansonsten sei aber keine weitere Nutzung angedacht, weiß Rütjerodt. Aber in den Untergeschossen tauchten schon einige Überraschungen auf. „Wir haben an jeder Ecke und Seite einen Abort gefunden“, so Ulrich Rütjerodt. Auch die freigelegten Fachwerkfassaden vom Sieberflügel bargen die eine oder andere Überraschung. „In der Ecke Sieberflügel/Marstall gab es schon immer in der ersten Etage einen Rücksprung, also eine zurückgesetzte Fassade. Vermutlich wurde dieser in den 50er Jahren vermauert, so dass diese Fassadengestaltung zu diesem Zeitpunkt konserviert wurde“, so Rütjerodt.

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