Förderverein in Sorge um Zukunft des Waldschwimmbades Scharzfeld

Scharzfeld.  Es ist eine große Investition in die Technik erforderlich, sonst steht der Weiterbetrieb infrage. Der Verein hat eine Online-Petition gestartet.

Beim Schwimmbadfest 2018 Waldschwimmbad Scharzfeld

Beim Schwimmbadfest 2018 Waldschwimmbad Scharzfeld

Foto: Friedel Polley / HK

Der Förderverein Waldschwimmbad Scharzfeld macht sich große Sorgen um die Zukunft des Freibades. Dort ist kurzfristig eine Erneuerung der Mess- und Regeltechnik erforderlich, die Kosten dafür belaufen sich voraussichtlich auf mehrere zehntausend Euro. Der Vereinsvorsitzende Lars Lübbecke schätzt die Summe auf mindestens 80.000 Euro. Das zuständige Göttinger Gesundheitsamt hat laut Herzberger Stadtverwaltung mitgeteilt, dass ein Weiterbetrieb des Schwimmbades im nächsten Jahr nur mit einer Nachrüstung der Mess- und Regeltechnik möglich ist. Von Seiten des Fördervereins wird befürchtet, dass die Stadt als Eigentümerin der Anlage nicht zu einer so großen Investition bereit ist.

Darum hat der Verein eine Online-Petition gestartet, deren Adressat Bürgermeister Lutz Peters ist. Darin heißt es: „Der jahrzehntelange Investitionsstau im Waldschwimmbad Scharzfeld zeigt Wirkung. Jetzt muss neue Technik installiert werden, andernfalls ist die Existenz des Waldschwimmbades bedroht. Wir fordern die Stadtverwaltung und die Politik auf, alles zu unternehmen, um Förderungen zu eruieren und Mittel zu investieren.“ Laut Lübbecke läuft parallel eine Unterschriftensammlung.

Der Weiterbetrieb des besonders bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus den umliegenden Orten beliebten Bades sei gefährdet, wenn nicht die in die Jahre gekommene Technik ertüchtigt werde, da sie nicht mehr den heutigen Vorschriften genügt, so der Vereinsvorsitzende.

Zu den Kosten von „vorsichtig geschätzten 80.000 Euro“ erklärt er gegenüber unserer Zeitung: „Eine Investitionshöhe, die die Stadt als Betreiber des Waldschwimmbads vor Herausforderungen stellt, zumal auch eine Antragstellung zur Förderung durch das Bundesprogramm ‚Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur’ nicht umgesetzt werden konnte. Um die Stadt etwas zu entlasten, unterstützt der Förderverein Waldschwimmbad Scharzfeld die Stadt mit 10.000 Euro. Auch andere Scharzfelder Vereine, Organisationen, Gewerbetreibende und Privatpersonen haben ihre Unterstützung zugesagt.“ Die Entscheidung, wie es mit dem Waldschwimmbad weitergeht, liege jedoch bei der Stadtverwaltung und der Politik.

Stadtverwaltung verweist auf hohe Unterhaltungskosten

Auf Nachfrage unserer Zeitung hat sich die zuständige Fachbereichsleiterin Kerstin Bührmann zur Situation im Waldschwimmbad und zu der Petition des Fördervereins geäußert: Es handele sich bei diesem Schwimmbad „um eine alte Anlage, die in den letzten Jahren bereits hohe Unterhaltungskosten verursacht hat, die in einem gewissen Maße durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Förderverein Waldschwimmbad Scharzfeld im Rahmen gehalten werden konnten“, stellt sie fest.

Seit vielen Jahren werde über den Erhalt des Schwimmbades diskutiert beziehungsweise darüber, mit welchen finanziellen Mitteln eine Sanierung herbeigeführt werden könnte. Bührmann: „Die nicht verlässlich funktionierende Heizung beschäftigt uns seit 2013 immer wieder aufs Neue und wir sind jedes Jahr froh, wenn unsere technisch sehr versierten Mitarbeiter die Anlage zu Saisonbeginn in Betrieb bringen können.“ Auch die sonstigen technischen Anlagen sind laut der Herzberger Bauamtsleiterin in die Jahre gekommen, im Großbecken sind Wasserverluste zu verzeichnen, die wasserführenden Leitungen scheinen defekt zu sein, die Mess- und Regeltechnik entspricht nicht mehr der gültigen DIN-Norm.

Letztgenannter Punkt sei auch aktuelle Veranlassung, „über den weiteren Betrieb des Schwimmbades nachzudenken“, so Bührmann. „Obwohl die Wasserqualität immer noch allen Anforderungen entspricht, hat das Gesundheitsamt für die Stadt und den Landkreis Göttingen uns im Sommer deutlich aufgezeigt, dass ein Weiterbetrieb des Schwimmbades im nächsten Jahr nur mit einer Nachrüstung einer Mess- und Regeltechnik denkbar sei.“ Es sei der Stadt aufgegeben worden, ein Konzept zum weiteren Betrieb des Schwimmbades vorzulegen. An diesem Konzept werde derzeit seitens der Verwaltung gearbeitet. Politik und Förderverein wurden über die gegenwärtige Situation informiert.

Es werde „im Moment geprüft, ob die erforderlichen Anlagen in einem vertretbaren Rahmen über Winter als ‚kleine Nachrüstmaßnahme’ gebaut werden können oder ob diese Maßnahme bereits eine derzeit nicht absehbare Folge von weiteren erforderlichen Reparaturmaßnahmen bzw. Investitionen (z.B. Leitungsverbindungen zum Kinderbecken herstellen, Becken- und Leitungssanierungen, Erneuerung der Heizung und der Filteranlagen usw.) nach sich zieht, deren Kosten bei weit über einer Million Euro zu veranschlagen wären“, erklärt die Bauamtsleiterin

Eventuell Möglichkeiten im Rahmen der Dorfentwicklung

Sofern der Verwaltung seitens der Politik finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, könnten je nach Höhe der Mittel erforderliche Reparaturen, Nachrüstungen oder größere Investitionen durchgeführt werden. „Eine Gesamtsanierung ist aufgrund der derzeitigen Haushaltslage nur denkbar, wenn darüber hinaus Fördermittel generiert werden können. Eventuell ergeben sich hier Möglichkeiten im Rahmen der Dorfentwicklung – eine solche Variante wurde im gerade eingebrachten Haushalt der Stadt dargestellt.“

Allerdings seien derartige Fördermittel bei 500.000 Euro gedeckelt, so dass ein überwiegender Anteil aus Eigenmitteln bzw. über Kreditaufnahmen zu finanzieren wäre. Die Stadt sei genauso wie der Förderverein „sehr interessiert, weitere Fördermittelmöglichkeiten zu eruieren, insofern ziehen wir an einem Strang“, betont sie. Allerdings stünden weitere nicht unerhebliche Investitionen im Stadtgebiet an, „so dass seitens der Politik gut abgewogen werden muss, welche Maßnahmen tatsächlich zur Durchführung freigegeben werden können“ – und letztendlich unterstehe der städtische Haushalt insbesondere hinsichtlich der Kreditaufnahmen bzw. der Nettoneuverschuldung dem Genehmigungsvorbehalt durch den Landkreis Göttingen.

Lars Lübbecke zeigte sich gegenüber unserer Zeitung skeptisch, was die Investitionsbereitschaft der Stadt angeht. Man habe in Gesprächen mit der Verwaltung bisher „keine positiven Signale“ erkennen können. Auch darum habe man die Petition und die Unterschriftenaktion gestartet, „um zu zeigen, dass viele Gäste des Waldschwimmbads sich für den Erhalt einsetzen.“

Eine Unterzeichnerin aus Scharzfeld schreibt in einem Kommentar unter der Petition: „Es ist sehr wichtig, dass das Schwimmbad erhalten bleibt! Dorfleben ist schön und muss lebenswert bleiben. Das Schwimmbad ist eine Begegnungsstätte für Jung und Alt. Schwimmen ist wichtig und lebensrettend. Ich kann nicht verstehen, dass das Schwimmbad nicht schon seit vielen Jahren nach und nach saniert wurde. Es ist für Jeden und alles Geld da, aber anscheinend nicht für so etwas. Es ist meines Erachtens von der Politik gar nicht gewollt, dass das Bad erhalten bleibt. Es wäre sehr schade, gerade für unsere Kinder, wenn das Bad schließen muss. Ich bin gespannt, welche Einrichtung als nächstes schließt? Vielleicht die Grundschule? Auch hier werden wir kämpfen.“

Einer der Unterzeichner aus Herzberg begründet sein Unterschrift dort wie folgt: „Ein Schwimmbad ist zwar immer ein Minusgeschäft und belastet natürlich die Haushaltskasse. Dennoch: es werden genug unsinnige Gelder ausgegeben, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. Ein Schwimmbad ist in unserer Region zum Einen wichtig für den Ort Scharzfeld selbst und es trägt ungemein zur sozialen Gemeinschaft bei.“ Ein anderer Herzberger erklärt: „Der Campingplatz braucht das Schwimmbad und die Feriengäste. Wo sollen den die Familien, Kinder etc. schwimmen gehen? Man ist doch froh, dass man die Kinder schon alleine ins Freibad lassen kann. Jeder kennt jeden, man hat ein Vertrauen zu den Betreibern und Bademeister. Ich finde das echt schade, dass es überhaupt soweit gekommen ist in unserem Landkreis, dass Bäder, Schulen etc. geschlossen werden. Da heißt es immer: Zieht auf’s Land und dann?“

Eine in Hattorf wohnende Unterzeichnerin schreibt: „Ich bin aus Scharzfeld. Fahre immer noch dort ins Schwimmbad. Es ist ein tolles Schwimmbad mit einer tollen großen Liegewiese. Es wäre eine Schande, wenn das Schwimmbad geschlossen wird. Es gibt nur noch wenige Schwimmbäder. Immer nur wird Geld nach Herzberg gepumpt.“

Am Sonntagnachmittag gab es für die Onlinepetition 677 Unterstützende, darunter 262 aus Herzberg. Das Quorum liegt bei 370 Herzbergern. Laut Lübbecke gebe es aktuell jedoch das Problem, dass Unterzeichner aus den Herzberger Ortsteilen vom System nicht als Herzberger Einwohner gezählt würden. Deren Unterschrift sei aber erforderlich, um das nötige Quorum zu erreichen, damit die Betreiberorganisation „openPetition Deutschland“ von Bürgermeister Peters eine offizielle Stellungnahme in der Sache einholt. Die Petition kann laut „openPetition“ allerdings in jedem Fall übergeben werden.

Die Petition ist im Internet zu finden unter www.openpetition.de/petition/online/rettet-das-waldschwimmbad-scharzfeld.µ

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