Digitale Angebote können reale Gottesdienste nicht ersetzen

Bad Sachsa.  Pastor Simon Burger berichtet, wie die Corona-Pandemie seine Arbeit verändert hat.

Pastor Simon Burger (links) mit einigen Helfern bei einem Open Air-Gottesdienst in Bad Sachsa.

Pastor Simon Burger (links) mit einigen Helfern bei einem Open Air-Gottesdienst in Bad Sachsa.

Foto: Uwe Koschig

Die Corona-Welle kam für mich überraschend und es wurde ein Reagieren auf viele neue Entwicklungen. Begonnen am Freitag, den 13. März nach dem letzten Mal Konfirmandenunterricht in der Großgruppe in Bad Sachsa und der Absage aller Gottesdienste vorerst bis zum 19. April an diesem Tag durch die Landeskirche Hannovers.

Bald schon wurde deutlich, dass eine Rückkehr zu „normalen“ Gottesdiensten ab dem 19. April absolut unvorstellbar wäre.

Nach Ostern hätte ich vier Wochen lang jeden Sonntag mindestens eine Konfirmation gefeiert: mit jungen Menschen ihren Glauben gefeiert und sie alle herzlich in den unterschiedlichen Gemeinden der Region begrüßt. Dies abzusagen, war mehr als schwer.

Ein Auf und Ab der Gefühle

Umso mehr wartete ich, warteten auch viele Gemeinden auf den Moment wieder Gottesdienste mit Gemeinde feiern zu können. Für mich war dies ein Auf und Ab. Das lange Warten auf den Moment der Freigabe und dann aber auch die Sorge die Vorschriften nicht umsetzen zu können. Der Wunsch niemanden zu gefährden und der Wunsch endlich los zu legen waren jeder Zeit präsent.

Doch diese Zeit des Abwartens hatte auch die Kraft neue „Freiräume“ im Besonderen in der Erstellung von digitalen Gottesdienst -und Andachtsformaten zu ermöglichen. Mein erster analoger Gottesdienst, nach langer Zeit, fand dann am Sonntag Kantate (10. Mai) in Bad Sachsa statt. Und dieser war ein Gemeinschaftsprojekt. Getragen vom Küsterehepaar, dem Kirchenvorstand, den beteiligten Musikern, dem Pfarrsekretariat und vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Und das alles unter strengen Regeln.

Aber schon bei der Planung tat das Gemeinschaftsgefühl gut. Der erste Gottesdienst unter Corona war dann beides: befreiend und befremdlich. In meinem Selbstbild als Pastor war und ist es weiterhin befremdlich, dass ich die Gemeindemitglieder mit Mindestabstand, ohne Handschlag und mit Mund-Nasenschutz begrüße.

Interagieren ist schwieriger

Zudem ist es eine Herausforderung, während des Gottesdienstes, durch den Mund-Nasen-Schutz die Mimik in den Gesichtern der Gemeinde nicht gut ablesen zu können und dadurch weniger Interaktionsmöglichkeiten mit der Gemeinde zu haben.

Für das Gemeinschaftsgefühl und weil einiges im Gottesdienst viel besser durch Gesang zum Ausdruck gebracht werden kann, merke ich immer wieder, wie sehr es mir fehlt nicht zusammen singen zu dürfen. Jeder Gottesdienst braucht von der Organisation her nun deutlich mehr Vorbereitung, wobei die Abläufe dafür stetig routinierter werden.

Nichtsdestotrotz sind die Hygieneauflagen extrem wichtig und sinnvoll und mir wird bei jedem analogen Gottesdienst deutlich: kein noch so gut gemachtes digitales Angebot hat die Kraft die Atmosphäre und das Gemeinschaftsgefühl eines analogen Gottesdienstes zu ersetzten.

Info: Open Air-Gottesdienst für Jugendliche

Am Sonntag, den 28. Juni, um 10 Uhr, feiert die St. Nikolai Kirchengemeinde Bad Sachsa einen Open-Air-Jugendgottesdienst vor der Kirche zum Thema „Bin ich herausragend?“.

Bei schlechter Witterung findet der Themen-Gottesdienst in der Kirche statt und wird zudem Livestream in den Gemeindesaal und ins Internet übertragen.

Eingeladen zu der Veranstaltung sind alle Interessiert und ganz besonders alle Jugendlichen.

Der Gottesdienst wird von Maximilian Witt und Pastor Simon Burger verantwortete, musikalisch gestaltet wird er von der Jugendband Rocking Church.

Es gelten die bekannten Hygiene- und Abstandsvorschriften. Während des Gottesdienstes besteht für alle ab dem Alter von sechs Jahren eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht.

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