Als amerikanische Bomben auf Zorge fielen

Zorge.  Vor 75 Jahren:Am 8. April 1945 starben in Zorge durch einen Luftangriff in der Mittagszeit 15 Einwohner und ein Soldat.

Auf dem Zorger Friedhof stehen die Gräber, die an die während des Bombenangriffs gefallenen Soldaten und gestorbenen Einwohner erinnern sollen. 

Auf dem Zorger Friedhof stehen die Gräber, die an die während des Bombenangriffs gefallenen Soldaten und gestorbenen Einwohner erinnern sollen. 

Foto: Thorsten Berthold / HK

Der 8. April 1945: Ein Tag, ein Datum, das den Ort Zorge, seine Geschichte und die seiner Einwohner für immer veränderte. 12.30 Uhr, Mittagszeit. Die beschauliche Ruhe wurde vom Lärm von drei amerikanischen Jagdbombern gestört. Im Tiefflug rauschten diese durch das Tal und warfen sechs Bomben ab. Durch Volltreffer wurden zwei Wohnhäuser und eine Schlachterei komplett zerstört. 15 Einwohner, darunter sechs Kinder, und ein Soldat der Wehrmacht wurden tot aus den Trümmern geborgen. Eine weitere Person starb vor Aufregung durch einen Herzschlag. Die Wohnhäuser der im Ort stationierten Waffen-SS, die wohl das Ziel des Luftschlags waren, wurden hingegen verfehlt.

Der 75. Jahrestag des Angriffs sollte mit Gedenkveranstaltungen begangen werden. Geplant war am 8. April um 12.15 Uhr eine Kranzniederlegung am Zorger Friedhof, wo alle Getöteten von damals beerdigt wurden. Zudem sollte am Karfreitag zunächst ein Gottesdienst stattfinden, danach eine neue Sonderausstellung des Förderkreises Heimatmuseum, die vorrangig von Wolfgang Busse erstellt wurde, im Haus der Geschichte eröffnet werden. Aufgrund der Corona-Pandemie und des einhergehenden Kontaktverbots mussten diese Termine jedoch abgesagt werden. Wie die Verantwortlichen des Museums jedoch betonen, soll die Eröffnung der Sonderschau sobald es geht, nachgeholt werden. Und an die Toten des Luftangriffs wird heute auch mit Glockengeläut der Kirche erinnert.

Panzersperren nicht gebaut: Gießereibesitzer wird hingerichtet

In der Schau sind unter anderem auch die Erinnerungen von Zeitzeugen des schicksalhaften 8. April 1945 gesammelt. Aber auch an einen Mord einen Tag später wird erinnert: Der Zorger Gießereibesitzer und damalige Volkssturmführer Richard Fischer hatte sich geweigert, Panzersperren zu errichten, um den Vormarsch der Amerikaner aufzuhalten – und auch den Volkssturm, der gerade einmal über fünf alte italienische Gewehre verfügte in die Schlacht zu schicken. Er wurde daraufhin von einem Erschießungskommando der NSDAP-Kreisleitung hingerichtet. Aber auch zwei KZ-Häftlinge fanden an diesem Tag den Tod, sie wurden im Wald ebenfalls mit Schüssen von Soldaten hingerichtet.

Zudem wurden durch Granatenbeschuss der Amerikaner am 13. April zwei weitere Zorgerinnen in ihren Häusern getötet. Ferner fielen noch 14 Soldaten bei den Gefechten rund um Zorge.

Festung Harz wird am 8. April ausgerufen

Dass der Zweite Weltkrieg kurz vor seinem Ende den kleinen Ort mit solcher Deutlichkeit noch einmal traf, lag auch am 8. April 1945. Adolf Hitler hatte an diesem Tag die Festung Harz ausgerufen, schon Tage zuvor waren vor allem nachts Fahrzeugkolonnen des Militärs durch den Ort gefahren. In Hotels und Pensionen vor Ort sind zudem Kommandostellen der Wehrmacht und der Waffen-SS eingerichtet, Posten rund um Zorge errichtet worden. Bis dahin war das Kriegsgeschehen für die Bevölkerung stets in weiter Ferne gewesen.

Begonnen hatten die Angriffe am 8. April um 11 Uhr. Fliegeralarm wurde gemeldet, doch zunächst beschossen die amerikanischen Jagdbomber vorrangig deutsche Truppenverbände und deren Fahrzeuge, die sich im Moseberg, im Langenberg, in der Aue und am Burhai bei Wieda angesammelt hatten. Überwiegend gingen die Fahrzeuge dabei in Flammen auf.

Die Lage im Harz war in diesen Tagen im April 1945 insgesamt verwirrend, was auch im Kriegstagebuch der Deutschen Wehrmacht am 13. April 1945 vermerkt wurde. „Die Lage im Raum von Nordhausen ist unklar. Südlich des Harzes hat sich die Lage verschärft...“

Zorge wird am 18. April kampflos eingenommen

Während die benachbarten Orte Walkenried und Ellrich am 12. April in die Hände der amerikanischen Truppen fielen, wurde das nur vier Kilometer entfernte Zorge erst am 18. April kampflos eingenommen.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Schäden durch Flieger- und Artilleriebeschuss im Ort beachtlich. Allein die damaligen Harzer Werke hatten 29 Granateinschläge zu verzeichnen, viele andere Häuser waren zerstört oder beschädigt – und zu all dem kamen auch noch die Toten.

Der Förderkreis des Heimatmuseums Zorge hat unter dem Titel „Bomben auf den Harzort Zorge“ bereits im Jahr 2015 eine Sammlung von Zeitzeugenberichten herausgegeben.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder