Sommerkonzert der Singakademie Harz begeistert das Publikum

Bad Lauterberg.  Meisterlich gesungene Barock-Werke, unter anderem aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich präsentierte die Singakademie Harz in Lauterberg.

Die Zuschauer konnten im Kurhaus in Bad Lauterberg einen großartigen Konzertabend genießen.

Die Zuschauer konnten im Kurhaus in Bad Lauterberg einen großartigen Konzertabend genießen.

Foto: Herma Niemann / HK

Großartig, hochkarätig, unterhaltsam. Diese auszeichnenden Attribute werden der Aufführung des Sommerkonzerts „Der Barock – Glanz Europas“ nur ansatzweise gerecht. Denn was das Publikum im Bad Lauterberger Kurhaus am Samstagabend genießen konnte, war eine meisterliche Aufführung großer Barock-Werke und eine herausragende Leistung aller Mitwirkenden. Eingeladen hatte die Singakademie Harz in Kooperation mit dem Kulturkreis Bad Lauterberg und Göttingen, mit dem Chor der Singakademie, dem Göttinger Barockorchester sowie mit den Solisten Ute Engelke, Juliette Schindewolf, Fiona Fuhr, Thomas Riede, Felix Rohleder, Philipp Melchert und Marcel Radtke, am Cembalo agierte Dorothea Peppler. Die Gesamtleitung hatte José V. López de Vergara inne.

Die musikalische Reise führte die Zuschauer in das Zeitalter des Barock und war ein Streifzug durch die Königshäuser von Deutschland, Großbritannien und Frankreich, und begann mit den „Coronation Anthems“ von Georg Friedrich Händel, daraus die beiden wohl bekanntesten Teile „Zadok the priest“ und „My heart is inditing!“. Bei den „Coronation Anthems“ handelt es sich um ein Auftragswerk des britischen Königs Georg II. zu dessen Krönung. Sie wurden 1727 während der Krönungszeremonie in der Westminster Abbey aufgeführt.

Bekannt auch als Königin-Kantate folgte das Stück „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!“ von Johann Sebastian Bach. Das Werk wurde 1733 anlässlich des Geburtstages der Maria Josepha, Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen, aufgeführt. Das Werk besticht besonders durch seinen Festmusik-Charakter und gehört zu den bis heute populärsten weltlichen Bachkantaten.

Den Höhepunkt des Abends bildete aber wohl die Aufführung von Jean Philippe Rameaus „Platée“ – die vielleicht erste Travestie-Show. Dabei handelt es sich eigentlich um eine Ballettkomödie, die im Jahr 1745 in Versailles uraufgeführt wurde. In Rameaus erster komischer Oper dreht sich alles um die einfältige und hässliche Sumpfnymphe Platée, die glaubt, jeder Mann müsse sich sofort unsterblich in sie verlieben. Sie wird in einer inszenierten Hochzeit mit Jupiter benutzt, um Jupiters Frau Juno von ihrer übertriebenen Eifersucht zu heilen. Bis es allerdings zu dieser Konfliktlösung kommt, muss Götterbote Mercure mit allerlei Mitstreitern erst einmal eine Scheinehe vorbereiten, auf die sich nur Platée aufrichtig freut. Da der Titelpart der Nymphe im Ursprung für einen Mann geschrieben wurde, wird kurzerhand Thomas Riede (Altus) „neu ausstaffiert“, mit einer giftgrünen Schürze und passendem Schlips, grünen Gummischuhen, zurück geknoteten Haaren und rot geschminkten Lippen.

Die Mitwirkenden bewiesen Humor, was sich mit jedem gespielten Ton und jeder gesungenen Note zeigte. Verschmitzt lächelnd oder auch demonstrativ düpiert, schlüpfte Riede mit Mimik und Gestik in die Rolle der „Platée“. Und sah eigentlich noch viel zu gut aus, angesichts des ursprünglichen Vorbildes der hässlichen Nymphe. Ein wahres Vergnügen für die Zuschauer, die die klangliche Perfektion im Zusammenspiel des Chores und des Orchesters sowie das komödiantische Schauspiel erleben durften. Tosender Applaus war der Dank des Publikums.

Eine Enttäuschung hingegen war die Bewirtung in der Pause, die so gar nicht zu dem festlichen Charakter passte. Mineralwasser gab es nur in Plastikflaschen, Gläser gab es nicht. Etwas hilflos standen auch diejenigen der Gäste herum, die ein Getränk mit Kronkorken erworben hatten. Denn das Catering-Team hatte keinen Flaschenöffner. Sekt gab es nur auf energische Nachfrage. Dieser musste aber anscheinend erst aus dem Gastronomiebetrieb geholt werden.

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