Bad Grund: Stollen-Nachbau über Tage ist wieder begehbar

Bad Grund.  Die Schachtanlage Knesebeck öffnet erstmals am Sonntag nach wochenlanger coronabedingter Schließung.

Mund-Nasen-Schutz zu tragen, ist in den Gebäuden Pflicht. Abstandsregeln gelten überall.

Mund-Nasen-Schutz zu tragen, ist in den Gebäuden Pflicht. Abstandsregeln gelten überall.

Foto: Angela Potthast

Einige Besucher sollen schon vor der Tür gestanden haben. Doch das Bergbaumuseum „Schachtanlage Knesebeck“ war geschlossen – aufgrund der Corona-Pandemie. Die ist zwar noch nicht ausgestanden. Trotzdem öffnet die Einrichtung ab Sonntag, 2. August, wieder. Vorkehrungen sind getroffen, um einer Infizierung vorzubeugen. Die erste Führung beginnt um 11 Uhr, die zweite um 14 Uhr.

Die Ehrenamtlichen, die sich über den Förderverein „Knesebeckschacht“ für den Erhalt der Anlage mitsamt der Ausstattung seit Jahr und Tag ins Zeug legen, wollen endlich ans Werk, wollen Bergbau-Geschichte vermitteln. „Es wird Zeit, dass man wieder loslegen kann“, sagt Volker Sturm als Vorsitzender des Fördervereins. Es habe schon etliche Anrufe von potenziellen Besuchern gegeben, und schon einige hätten vor Ort vertröstet werden müssen.

Muldenkipper einhausen

Volker Sturm kann als Zeitzeuge ins Eingemachte gehen – er war Steiger. Und er hält mit Vereinskollegen viel auf dem Gelände in Schuss. Ein neues Projekt: Der Muldenkipper soll eingehaust werden, wie Volker Sturm sagt, damit er dem Wetter nicht mehr so ausgesetzt ist. Wenn die ersten Gäste nach der coronabedingten Pause am Sonntag das Tor passiert haben werden, sehen sie das flache Fahrzeug, das dem Transport von Gestein diente, gleich rechts am Zaun.

Um Karten für die Führung zu erhalten, müssen sie gegenüber in den Kassenraum. Nur einer darf rein. Zwischen ihm und dem Mitarbeiter hinter dem Tresen steht ein Spuckschutz. Auch ein Desinfektionsmittel-Ständer wird dort aufgestellt sein, ein weiterer bei den Toiletten, ein dritter im Kompressorenraum, der vierte in der Schachthalle.

Drinnen Mund-Nasen-Schutz tragen

Halten sich die Besucher, maximal neun sind gestattet, mit ihrem Führer im Außenbereich auf, gilt die Corona-Abstandsregel. Gehen sie in die Gebäude, müssen sie zudem einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Bedien-Elemente, welche die neuen Ausstellungsstücke haben, dürfen nicht genutzt werden. Absperrstreifen sollen das signalisieren. Dabei wurden die Neuerungen bislang noch nicht einmal der Öffentlichkeit präsentiert.

Sie sind aus dem Projekt „Trafo: „Harz/Museen/Welterbe – Weltkultur transformiert eine Region“ erwachsen. Trafo-Schwerpunkt für den „Knesebeckschacht“ ist das Thema Druck. Der Hydrokompressoren-Turm und der Elektrokompressor sind zu besichtigen – und viele, viele weitere Geräte und Maschinen, die die Entwicklung im Bergbaulichen widerspiegeln. Fotografien, Texte, und Videos und Mineralien verschiedenster Größe ergänzen die Ausstellung.

Der Knesebeckschacht hat sich durch Trafo verändert – wie auch die anderen drei Trafo-Einrichtungen: das „Oberharzer Bergwerksmuseum“ in Clausthal-Zellerfeld, der „19-Lachter-Stollen“ in Wildemann sowie die „Grube Samson“ in St. Andreasberg. Allesamt Abschnitte im großen Ganzen der „Oberharzer Wasserwirtschaft“, die vor zehn Jahren als Natur- und Kulturerbe vom Unesco-Welterbekomitee anerkannt wurde. Bedeutsam ist das für jede der dazugehörenden Einrichtungen. In der Bad Grunder erfahren die Gäste derzeit in einer etwa einstündigen Führung, was sich dereinst in und an der Grube „Hilfe Gottes“ zugetragen hat. Dass beispielsweise der Bergbau in Bad Grund ein sehr moderner gewesen sei und das Bergwerk das mit der zweithöchsten Fördermenge in Deutschland. Dass Druckluft für die Maschinen unter Tage durch Wasser erzeugt wurde mittels Hydrokompressoren-Turm. Er ragt neben dem Traforaum in die Höhe, von wo aus die Gruppe in die Kaue und dann in die Schachthalle geführt wird. In den Stollen-Nachbau über Tage darf sie, der ist laut Volker Sturm gut durchlüftbar.

„Glück auf!“

Die Anlage unter Tage bleibt ihr bislang noch verschlossen. Abschluss-Station ist das Maschinenhaus, die Verabschiedungs-Formel ein „Glück auf!“.

Zunächst werden Führungen freitags und sonntags um 11 und um 14 Uhr angeboten. Sollte die Nachfrage groß sein, würden sie, so Volker Sturm, noch ein oder zwei Tage dazu nehmen.

Seit Mitte März war das Museum wegen der Pandemie geschlossen. Es fehlen also Einnahmen über Monate. Einnahmen, die in Arbeiten auf der Anlage investiert werden, um sie zu erhalten – und damit auch die Erinnerung an die bergbauliche Geschichte.

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