Wie Datenanalyse dem VfL zum Sieg auf Schalke verhelfen soll

Wolfsburg.  Oliver Glasner, Trainer des VfL Wolfsburg, sieht den Schlüssel zum Erfolg in den Zweikämpfen. In zwei Statistiken ist seine Mannschaft top.

Die Zweikämpfe sollen entscheidend sein: In der Vorsaison konnten sich Josip Brekalo (rechts) und der VfL Wolfsburg locker-leicht mit 4:1 bei Ozan Kabak und dem FC Schalke 04 durchsetzen. Statistisch spricht erneut nicht viel für die Gastgeber.

Die Zweikämpfe sollen entscheidend sein: In der Vorsaison konnten sich Josip Brekalo (rechts) und der VfL Wolfsburg locker-leicht mit 4:1 bei Ozan Kabak und dem FC Schalke 04 durchsetzen. Statistisch spricht erneut nicht viel für die Gastgeber.

Foto: Tim Rehbein/RHR-FOTO/Pool / imago

Fußball-Kommentator Werner Hansch ist kein Freund von Zahlenspielen. „Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit“, lautet eines seiner berühmtesten Zitate, die der heute 82-Jährige ins Mikrofon sprach. Doch mittlerweile nehmen Daten und Statistiken im Fußball eine immer größere Rolle ein. Auch für Oliver Glasner , der Trainer des VfL Wolfsburg , sind Zahlen eine wichtige Quelle, um etwa den Gegner besser einschätzen zu können – so wie den FC Schalke 04 , am Samstag ab 15.30 Uhr Gastgeber für die Grün-Weißen.

Der erste Blick geht auf die Tabelle, und die ist eindeutig . Schalke ist Vorletzter, sieglos und hat mit 22 Gegentoren die löchrigste Abwehr der Bundesliga . Das allein sagt jedoch wenig aus. Viel wichtiger sind Daten zur Passquote, zum Ballbesitz, zur Laufdistanz. Wie oft flankt der Gegner? Spielt er meist über die Außen oder durchs Zentrum? Auch das sind nur grobe Ausrisse aus den Zahlenkolonien, die Statistikanbieter heute abliefern. Inzwischen gibt es etwa den xG-Wert , der die „expected goals“, also die zu erwartenden Tore, statistisch erfasst.

Zweikämpfe und intensive Läufe sind top

Wie inzwischen die meisten seiner Kollegen arbeitet auch Glasner mit diesen Zahlen. Sein VfL ist in gleich zwei Statistiken ligaweit spitze . Kein Team gewann mehr Zweikämpfe (844), kein anderes lieferte mehr intensive Läufe ab (6268). Für den Coach eine Bestätigung seiner Arbeit. „Es ist schon sehr wichtig, denn es ist Teil unserer Spielanlage“, erklärt der Österreicher. Der hohe Wert bei den intensiven Läufen zeigt, dass die Wolfsburger immer versuchen, schnell in Ballnähe zu kommen und den Gegner unter Druck zu setzen – Pressing ist hier das Stichwort.

Doch nah am Gegner zu sein, ist das eine, den Ball auch zu erobern das andere. Das beherrschen Glasners Wolfsburger jedoch auch bestens, wie die Anzahl der gewonnenen Zweikämpfe zeigt. „So kannst du dich vom Gegner lösen und ihm dein Spiel aufzwingen“, erklärt der 46-jährige VfL-Coach, der jedoch betont: „Das sind wichtige Parameter , aber es sind nicht die einzigen, die wichtig sind.“ Es sind vielmehr Hinweise , wie eine Partie ablaufen könnte.

Glasner erwartet eine intensive Partie

Schalke zum Beispiel liegt im Ligavergleich mit nur 124 gewonnenen Kopfballduellen auf Platz 15 – der VfL ist Dritter (163). Zugleich schlägt keine andere Mannschaft weniger Flanken als die der Königsblauen (29). Die Annahmen, dass der Gegner am Samstag mehr das Spiel durch die Mitte suchen wird, liegt daher nahe. Doch Glasner hat noch andere Auffälligkeiten bei den Gastgebern bemerkt. „Sie haben drei physisch starke Innenverteidiger, auch Omar Mascarell hat eine starke Physis“, sagt der Österreicher. „Schalke hat viele Spieler mit einer ordentliche Präsenz .“ Daher erwartet der VfL-Trainer eine Partie, die in den Zweikämpfen entschieden wird. „Da müssen wir dagegenhalten. Wenn wir uns durchsetzen, steigen die Chancen, dass wir auch gewinnen.“

Zuletzt siegte der VfL mit 4:1 auf Schalke

Was für die Wolfsburger spricht: Erst im Juni spielten sie zuletzt auf Schalke – und gewannen ungefährdet mit 4:1. Durch diesen Sieg war klar, dass der VfL mindestens in der Qualifikation zur Europa League starten durfte. „Von daher erinnere ich mich gern zurück“, sagt Glasner, der aber warnt, dieses Duell als Blaupause für das Wiedersehen am Samstag zu nehmen. Denn: „Schalke agiert nun anders, es gab ja auch einen Trainerwechsel , und es sind einige neue Spieler dabei.“ Manuel Baum heißt Glasners Kollege, der den Trainerstuhl Ende September von David Wagner übernommen hatte – und immer noch auf seinen ersten Sieg wartet.

Saisonübergreifend hat S04 seit 23 Spielen nicht mehr in der Bundesliga gewonnen. Damit ist man alleiniger Jäger eines Negativrekords. Nur Tasmania Berlin blieb in der Saison 1965/66 noch länger sieglos, nämlich 31 Partien lang. Statistisch spricht also nicht viel für Schalke. Das wird Statistik-Kritiker Hansch sicher nicht gerne hören. Übrigens: Von 1973 bis 1978 war der TV-Kommentator Stadionsprecher – und zwar auf Schalke.

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