Wollershausen: Ein Schloss wackelt, weil Flüchtlinge fehlen

Wollershausen.  Die Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen lässt ein Zukunftskonzept für den Standort Wollershausen erstellen.

Das Wasserschloss Wollershausen, hier werden Flüchtlinge von GAB-Mitarbeitern betreut. Das Problem für den Standort: Es kommen nur noch wenige Flüchtlinge nach Deutschland.

Das Wasserschloss Wollershausen, hier werden Flüchtlinge von GAB-Mitarbeitern betreut. Das Problem für den Standort: Es kommen nur noch wenige Flüchtlinge nach Deutschland.

Foto: janvetter.com

Nicht warten, starten. Das ist kurzgefasst das Motto von Magdalene Günther. Die Geschäftsführerin der kreiseigenen Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen (GAB) hat vergangene Woche im Sozialausschuss des Landkreises Göttingen ein Zukunftskonzept für den GAB-Standort Wollershausen vorgestellt. Auf einem Schlossgelände werden in dem kleinen Ort, der zur Samtgemeinde Gieboldehausen gehört, Flüchtlinge von GAB-Mitarbeitern betreut. Integration durch Ausbildung ist ein Schwerpunkt. Das Problem für den Standort: Es kommen nur noch wenige Flüchtlinge nach Deutschland. Deshalb will Günther frühzeitig die Weichen stellen und neue Schwerpunkte setzen.

Magdalene Günther muss insgesamt das Wohl und Wehe von fünf GAB-Standorten im Blick haben. Das Schloss Wollershausen wird als Wohnanlage für Asylbewerber genutzt, das Grundstück ist ein anerkannter Maßnahmestandort mit Werkstätten. 110 Menschen leben hier. In den vergangenen Jahren ist dort viel entstanden: Spielplatz, Backhaus, Beachvolleyballplatz, Fahrradunterstände, die Wege sind erneuert worden. Es gibt Werkstätten für Holzbearbeitung, für Metall, für Fahrräder, für Heizung und Sanitär, für Auto und für Elektronik.

Aufgrund dieser vielfältigen praktischen Ausrichtung sei das Schloss hinsichtlich von Reparaturarbeiten fast autonom. Mehr noch: Nach der Kündigung eines GAB-Standortes in Göttingen durch die Agentur für Arbeit konnte erstens ein neuer Standort in Grone gefunden und zweitens diese Liegenschaft durch eigene Leute umgebaut werden. In zwei Wochen soll alles fertig sein, merkte Günther an.

Wollershausen habe sich mit seinen Werkstätten zu einem Ausbildungsbetrieb für das Handwerk gemausert, die GAB-Präsenz stärke auch den Ort Wollershausen, alles laufe sehr gut. „Warum also ist dann das Zukunftskonzept erstellt worden, wo ist das Problem?“, fragte die Geschäftsführerin in die Runde und kam gleich selbst zur Antwort: Eine Zusicherung des Landkreises zur Betreuung von Flüchtlingen durch die GAB liege nur bis 2021 vor. „Das ist morgen“, machte Günther auf die geringe Zeitspanne aufmerksam. Das Problem ist demnach: keine Flüchtlingsbetreuung, keine Refinanzierung. Günther spricht von einer Summe von einer Million Euro, die wegfällt. Die GAB alleine wäre nicht in der Lage, den Erhaltungsaufwand für das Schloss zu stemmen. Das Zukunftskonzept (Kostenpunkt 50.000 Euro) sei beauftragt worden, um Perspektiven zu skizzieren. Ein neuer Partner wäre von Vorteil, einer, der womöglich das Schloss kauft und in dessen Erhalt investiert.

Mit dem Konzept seien drei Nutzungsszenarien herausgearbeitet worden: Wohnen, Handwerk, Bildung. Alles das geschehe zwar schon jetzt, es könnten aber neue, erweiternde Ideen und Konzepte realisiert werden. Etwa das Schloss mit eigenen Leuten sanieren und zur Unterstützung eine Berufsschule ins Boot holen. Die alleinige Sanierung des Schlosses könne aber nicht Aufgabe des Maßnahmeträgers GAB sein. Aber: „Mit dem richtigen Partner können wir es zu einem sicheren Standort entwickeln.“ „Ich finde es großartig, dass Sie sich rechtzeitig Gedanken machen“, sagte Kreistagsmitglied Andreas Philippi (SPD), der die Sitzung leitete. Anerkennung kam auch von anderen Ausschussmitgliedern. „Sie haben mich überzeugt“, sagte Gudrun Surup (SPD). „Ein Käufer wäre schon in Ordnung“, überlegte Harm Adam (CDU). „Es ist klar, Sie brauchen eine gewisse Vorlaufzeit“, äußerte Ute Haferburg (Grüne) Verständnis für die Ausarbeitung des Zukunftskonzeptes. Dietmar Linne (Grüne) wiederum findet es „absolut nachvollziehbar“, dass das Konzept erstellt worden ist. „Das ist professionell. Besser, als irgendwann auf die Nase zu fallen“, sagte er. Bedenken, so ohne Weiteres einen Käufer zu finden, hat Mathias Schenke. Wollershausen liege zwar, wie Günther betont hatte, mitten in Deutschland, aber doch in dieser Mitte sehr am Rande.

Die Ausschussmitglieder kamen überein, das Thema ergebnisoffen in den Fraktionen zu diskutieren. „Wir brauchen Ihr Votum“, sagte die GAB-Geschäftsführerin.

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