Bustickets sollen höchstens fünf Euro kosten – Schub für ÖPNV?

Göttingen.  Eine einzelne Busfahrt in den Kreisen Göttingen, Northeim und Holzminden – egal wie lang – wird ab 2021 nur noch maximal fünf Euro kosten.

Die Landkreise und der ZVSN erhoffen sich einen Schub für den ÖPNV durch die Tarifreform.

Die Landkreise und der ZVSN erhoffen sich einen Schub für den ÖPNV durch die Tarifreform.

Foto: Monkey Business / stock.adobe.com (Symbol)

Eine einzelne Busfahrt im Bereich der Landkreise Göttingen, Northeim und Holzminden – egal wie lang – wird ab dem Jahreswechsel nur noch maximal fünf Euro kosten. Das sei deutschlandweit einmalig und gelte auch für kreisüberschreitende Fahrten, bestätigt Michael Frömming, Geschäftsführer des Zweckverbandes Verkehrsverbund Südniedersachsen (ZVSN). Das Fünf-Euro-Ticket war eines der zentralen Wahlversprechen von Landrat Bernhard Reuter (SPD) und ist Teil der Tarifreform, der nach den Kreistagen jetzt auch die ZVSN-Verbandsversammlung zugestimmt hat.

Seit Jahren wird im Göttinger Kreistag darüber diskutiert, wie der ÖPNV attraktiver gestaltet und Autofahrer zum Umsteigen motiviert werden können. Die Tarifreform wird als großer Wurf auf dem Weg dahin gewertet. Zu dem Maßnahmenbündel gehören ein Sozial-, ein Senioren- und ein Jugendfreizeitticket. Von „entscheidenden Beschlüssen, die beim Fahrgast auch ankommen“, so Fahrgastverband-Vorsitzender Gerd Aschoff. Einzelfahrten auf fünf Euro zu deckeln, sei eine Überlegung im Zuge der Kreisfusion mit Osterode gewesen.

Bei den drei Kreisen und dem ZVSN ist die Tarifreform in trockenen Tüchern, steht aber unter Vorbehalt. Der Rat der Stadt Göttingen, die von den Auswirkungen in Form möglicher Kosten freigestellt werden wolle, müsse noch zustimmen, so Aschoff. Nach dem Ratsbeschluss könne im September die VSN-Gesellschafterversammlung über das Tarifpaket befinden und den Antrag an die Landesverkehrsgesellschaft schicken.

Erste Kreisrätin Christel Wemheuer ist erleichtert und zuversichtlich, dass es jetzt mit der Tarifreform klappt. Die sollte eigentlich schon zum 1. August greifen. Die Corona-Pandemie machte dem Zeitfenster aber einen Strich durch die Rechnung. Die ZVSN-Prognose für das laufende Jahr gehe von 3,2 Millionen Euro Einnahmeverlusten aus. Trotz der angespannten Finanzlage bestehe große Einigkeit über das Tarifpaket, sagt Wemheuer. Sie geht davon aus, dass nicht nur mehr Pendler das Auto stehen lassen: „Die Reform schafft Anreize für viele Bevölkerungsgruppen, ist ein wichtiger Schub und wird dem ÖPNV guttun.“

Ohne ein angemessenes Angebot mache die Tarifreform wenig Sinn, sagt Frömming. So soll es auch Verbesserungen bei der Taktung der Busse geben, Buslinien im Südharz sollen von zwei Stunden Abstand auf Stundentakt umgestellt werden. Die immer wieder als zu teuer kritisierten Preise für längere Strecken würden gekappt, die Preisstufen 6 bis 9 entfallen, für kürzere Strecken ändere sich nicht viel, teilt Frömming mit: „Wir können nicht alles günstiger machen. Es gab seit zwei Jahren keine Preiserhöhung mehr, weiter runter geht nicht.“ Allerdings wird für die größeren Orte im Landkreis ein Kurzstreckenticket für 1,70 Euro eingeführt, das den Einzelfahrschein für 2,50 Euro ablöst.

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