Bilshäuser will mit digitalem Bier sein Lieblingslokal retten

Bilshausen.  Patrick Borgmeyer hat einen besonderen Aufruf zur Unterstützung der Gastronomie in Bilshausen gestartet. Der Betreiber war den Tränen nahe.

Zapfhähne für Bier in einem geschlossenen Hotel auf Usedom. Auf www.digitales-bier.de können Besucher symbolisch für ein „digitales Bier“ Geld spenden und damit einen Landgasthof in Bilshausen unterstützen.

Zapfhähne für Bier in einem geschlossenen Hotel auf Usedom. Auf www.digitales-bier.de können Besucher symbolisch für ein „digitales Bier“ Geld spenden und damit einen Landgasthof in Bilshausen unterstützen.

Foto: Jens Büttner / dpa

Ein trockener Zapfhahn, eine kalte Küche, ein leerer Gastraum: ein Bild, das aktuell deutschlandweit in Gastronomiebetrieben zu sehen ist. Die Verordnungen zur Eindämmung des Coronavirus veranlassen die Inhaber vielerorts, ihre Restaurants und Gaststätten bis auf weiteres zu schließen – und stellen sie damit vor enorme finanzielle Herausforderungen. Wann und wie sie ihren Betrieb wieder aufnehmen können, bleibt unklar.

Um nicht tatenlos dabei zuzusehen, wie sein „Stammlokal“ einer so ungewisse Zukunft überlassen wird, und um das lokale Gewerbe auch in Zeiten von Corona und Kontaktverboten zu unterstützen, hat der Bilshäuser Patrick Borgmeyer eine besondere Spendenaktion ins Leben gerufen: „Das digitale Bier“. Borgmeyer lädt online dazu ein, im symbolischen Sinne ein Bier zu trinken – und das Geld, das sonst dafür bezahlt würde, auf ein Spendenkonto zu überweisen. Die Spendensumme soll dann André und Heinz-Eugen Venjakob vom Landgasthof Venjakob Zur Linde in Bilshausen zugutekommen.

Die Idee sei dem 35-Jährigen während der Arbeit gekommen, kurzerhand habe er sich Feedback von seiner Frau und Freunden geholt – und sei direkt auf regen Zuspruch gestoßen. Noch am gleichen Tag habe er die Domain www.digitales-bier.de gekauft, eingerichtet und mit einem Paypal-Spendenkonto versehen.

Mehr als 1.000 Euro nach 24 Stunden

Gegen 15.23 Uhr sei die Internetseite online und gegen 16 Uhr die erste Spende eingegangen. Rund eine Stunde nach Veröffentlichung verzeichnete Borgmeyer bereits rund 460 Euro auf dem Konto, nach 24 Stunden waren es mehr als 1.000 Euro. „Das zeigt mir, dass ich es für den richtigen Zweck gemacht habe“, sagt Borgmeyer.

Die Höhe der einzelnen Spenden variiere dabei deutlich: „Der eine trinkt ein Getränk, der andere schmeißt gleich eine ganze Lokalrunde“, sagt der Bilshäuser. Dabei sei die eigentliche Idee dahinter gewesen, „täglich mal ein Bier zu trinken“, also täglich kleinere Summen zu spenden. Dass seine Aktion gleich am ersten Tag derart einschlagen würde, damit habe er nicht gerechnet.

Auch André Venjakob, der den Landgasthof Zur Linde gemeinsam mit seinem Vater führt, zeigt sich überwältigt von der Anteilnahme und Resonanz. Von der Aktion habe er „zwischen Tür und Angel“ per Whats-App-Nachricht erfahren, als die Internetseite bereits online war. „Ich musste mich erstmal setzen und darüber nachdenken, was da gerade passiert ist“, sagt Venjakob. „Ich war den Tränen sehr nahe.“ Es passiere nicht besonders häufig, dass Freunde für jemanden so etwas initiieren – umso überwältigender sei die Anerkennung, die ihm dadurch zuteilwerde.

Null Einnahmen

Venjakob macht den Ernst der Lage deutlich: „Null Einnahmen stehen gerade extrem vielen Ausgaben gegenüber“, immerhin habe er in den vergangenen Jahren viel in den Landgasthof investiert. Im besonderen Maße seien es jetzt die Schicksale seiner Mitarbeiter, die ihm Kopfzerbrechen bereiten.

Um als Freunde und Gäste einen Beitrag dazu zu leisten, dass Venjakob und sein Team die aktuell schwierige Situation finanziell überstehen, habe Borgmeyer diese Aktion ins Leben gerufen. So schreibt der 35-jährige auf der Spendenseite: „Darum ist es uns ein besonderes Anliegen, nicht nur untätig zuzusehen, sondern gerade in so einer harten Zeit zusammenzuhalten und füreinander einzustehen“. Borgmeyer appelliert dort an die Besucher der Seite: „Helft mit, dass wir spätestens im Sommer wieder schöne gemeinsame Abende im Biergarten verbringen können.“

Der Bilshäuser hofft, dass andere Privatpersonen „Das digitale Bier“ als Anregung sehen, nach Wegen zu suchen, um ihre örtlichen (Gast-)Gewerbe in der Corona-Krise zu unterstützen.

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