Durch den Klimawandel entstehen mehr Waldbrände

Göttingen.  Prof. Johann Goldammer hat bei einem Vortrag gezeigt, vor welchen Herausforderungen Feuerwehren stehen – und wie sich diese bewältigen lassen.

Auch auf dem Höhenzug Acker bei Osterode ist es Anfang September vergangenen Jahres auf einer Fläche von etwa 200 Quadratmetern zu einem Waldbrand gekommen.

Auch auf dem Höhenzug Acker bei Osterode ist es Anfang September vergangenen Jahres auf einer Fläche von etwa 200 Quadratmetern zu einem Waldbrand gekommen.

Foto: Markus Herzberg / Feuerwehr

Deutschland ist auf die steigende Gefahr von Waldbränden unzureichend vorbereitet. Davor warnte Prof. Johann Goldammer in seinem Vortrag zum Thema „Klimawandel, Wald- und Landschaftsbrände: Willkommen im Pyrozän!“ in Göttingen. Er referierte im Rahmen der Vortragsreihe „Wald(w)ende: ein forstwissenschaftlicher Blick auf aktuelle Walddiskussionen“ im Alfred-Hessel-Saal des Historischen Gebäudes der SUB.

„Willkommen im Pyrozän, im Zeitalter des Feuers“, erklärte Professor Johann Goldammer vom Max-Planck-Institut für Chemie Mainz und der Universität Freiburg angesichts der weltweit zunehmenden Waldbrände in Göttingen. Waldbrände gebe es seit Jahrtausenden. Ihre Zahl und Stärke steige aber unter anderem aufgrund des Klimawandels und des Landhungers der wachsenden Weltbevölkerung. Zudem verfeuerten die Menschen seit Beginn der industriellen Revolution fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas.

„Auch das hat es früher bereits gegeben“, betonte Goldammer. So gerieten immer wieder Kohlenflöze aus natürlichen Gründen in Brand. In Nordamerika hätten sie einst auf einer Fläche von 3800 Quadratkilometern gebrannt. Darüberliegende Tochschichten seien zu Klinkern gebrannt worden. Damals sei mehr Kohlendioxid freigesetzt worden als in den vergangenen 200 Jahren. Im historischen Gebäude der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) erklärte er den 240 Zuhörern: „Nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels mit den immer längeren Dürrezeiten nehmen Waldbrände weltweit zu“.

Die Bundesrepublik, so der Professor, sei in den vergangenen 45 Jahren von großen Waldbränden verschont geblieben. Sie verfüge nicht mehr über die nötige Kenntnis und Ausrüstung, um solchen Katastrophen zu begegnen.

Brennende Stoppelfelder als Herausforderung

Heute überforderten selbst brennende Stoppelfelder viele Feuerwehren. Sie rückten mit großen Löschfahrzeugen an, die dann zum Teil selbst Opfer der Flammen würden. Der so entstehende Schaden sei um ein Vielfaches größer als der von verbrannten Halmen. Goldammer riet, schnelle, wendige Pick-ups einzusetzen und solche Feuer mit Handgeräten zu löschen.

Bei größeren Waldbränden fehlten den deutschen Feuerwehren Löschflugzeuge. Es habe Pläne gegeben, Transall-Maschinen der Bundeswehr entsprechend umzurüsten. Das sei aber aus Kostengründen nicht umgesetzt worden. Die Verantwortung für solche Investitionen liege bei den Ländern und den Kommunen, die – anders als der Bund – aber nicht über die nötigen Mittel verfügten. 2014 sei deshalb sogar die noch verbliebene Fluglöschstaffel der ehemaligen DDR aufgelöst worden.

Ein weiteres Problem liegt nach Darstellung des Professors in den Munitionsaltlasten in den großen deutschen Naturschutzgebieten, insbesondere in Brandenburg, oft ehemals militärisch genutzten Flächen. Die Waldstücke ließen sich daher zum Löschen oder zum Schlagen von Brandschneisen unzureichend befahren. Die Feuerwehren, aber auch die Bundeswehr, verfügten kaum über gepanzerte Löschfahrzeuge, um diese Herausforderung zu meistern. „Dass Waldbrände zunehmen, hat auch andere Gründe“, betonte Goldammer. So führe die Landflucht in vielen Teilen der Welt, etwa auf dem Westbalkan oder in Russland, dazu, dass Felder und Wälder nicht mehr so intensiv genutzt würden. Brennbares Material reichere sich in der Landschaft an, wodurch Feuer an Stärke gewinnen würden. In Deutschland gebe es einen ähnlichen Trend. Dort fielen aufgrund des Naturschutzes Flächen aus der Bewirtschaftung heraus.

Der Freiburger Wissenschaftler sprach sich für das gezielte Abbrennen von Totholz aus. So hätten es Bauern in Deutschland jahrhundertelang in den Heidelandschaften gemacht. Die großen Savannenlandschaften in Afrika, die lichten Eukalyptuswälder in Australien oder die offenen Kieferwälder Sibirens seien durch regelmäßige Waldbrände entstanden. Teils hätten Blitzschläge, teils Menschen diese Feuer verursacht. Die Natur habe sich im Laufe der Jahrtausende darauf eingestellt. Die Bäume, auch Nadelbäume, überständen die Brände. Solche Wälder würden sogar mehr Arten einen Lebensraum bieten, als wenn Baum an Baum stehe.

Brandrodung beschleunigt den Klimawandel

Gestoppt werden müsste dagegen die Brandrodung von Regenwäldern, die den Klimawandel beschleunige. In Afrika drängten Siedler auf der Suche nach Land in die Bergwaldregionen vor.

In Indonesien werde Urwald angezündet, um Flächen für die Palmölgewinnung, in Südamerika für Viehwirtschaft oder Sojaanbau zu schaffen. In Brasilien sei es zeitweise gelungen, diesen Trend zu stoppen, bis zum Amtsantritt des neuen brasilianischen Präsident Jair Bolsonaro.

Den nächsten Vortrag der Reihe hält Prof. Michael Suda am Montag, 20. Januar, um 18.15 Uhr, ebenfalls in der SUB. Das Thema: „Wälder, Menschen, Illusionen – Anmerkungen zu gesellschaftlichen Waldbildern“.

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