Das sagen Politiker zur geplatzten Sparkassen-Fusion

Osterode   Nach der geplatzten Sparkassen-Fusion reagieren Vorstände und Politik überrascht bis verärgert auf das Duderstädter Votum.

Die Fusion der Sparkassen in Südniedersachsen ist geplatzt.

Die Fusion der Sparkassen in Südniedersachsen ist geplatzt.

Foto: Mark Haertl / HK

Stinksauer reagierte am Dienstagmorgen der Osteroder Bürgermeister und stellvertretende Vorsitzender im Verwaltungsrat der Sparkasse Osterode, Klaus Becker, auf die Entscheidung in Duderstadt. „Ich habe den Eindruck, als hätte mich die Verhandlungskommission an der Nase herumgeführt“, erklärte Becker. Die Signale aus Duderstadt seien ganz eindeutig gewesen, dass man die Fusion wolle. Becker weiter: „Für die Ablehnung kann es keine sachlichen Gründe geben, weil Duderstadt alles bekommen hat, was es wollte.“

Man habe Zugeständnisse gemacht, für die Becker in Osterode Schelte bekommen habe. Für Becker ist viel Vertrauen zerstört worden. „Die Volksbanken lachen sich ins Fäustchen, weil Duderstadt nicht in der Lage ist, strategisch zu denken“, ging die deutlich Kritik des Osteroder Verwaltungschefs in das Eichsfeld.

Zurückhaltender gab sich Thomas Toebe, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Osterode. „Ich akzeptiere natürlich die Entscheidungen der politischen Gremien. Dennoch hat mich das Ergebnis überrascht, ich hatte mit einem anderen Ausgang gerechnet.“ Zu anderen Fusionsvarianten wollte er sich nicht äußern. Nur soviel: „Wir blicken jetzt in die Zukunft, ob mit oder ohne Partner. Die Sparkasse Osterode ist da gut aufgestellt.“

„Überrascht von Deutlichkeit“

In Bad Sachsa zeigten sich die Verantwortlichen überrascht von der Deutlichkeit der Ablehnung in Duderstadt. „Eine Fusion der Sparkassen hätte Sinn gemacht, um die Häuser wetterfest für die Zukunft zu machen, sich den neuen Herausforderungen besser stellen zu können“, erklärt Heiko Jödicke, Vorstand der Stadtsparkasse Bad Sachsa. Allerdings, so gibt er zu, hätte der Zusammenschluss zu einem gewissen Verlust der regionalen Identität der Häuser vor Ort geführt – ein Argument, dem scheinbar auch in Duderstadt große Bedeutung beigemessen worden sei, bilanziert Heiko Jödicke. Trotz der Absage an die Fusion wolle man in Bad Sachsa weiterhin Kontakt mit den anderen Häusern halten. „Wir werden auch in Zukunft versuchen, die Zusammenarbeit auszubauen.“

In Bad Sachsa sollte der Stadtrat eigentlich am Donnerstagabend über das Thema Fusion entscheiden. „Ich werde den Punkt von der Tagesordnung nehmen lassen“, erklärt Uwe Weick, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. „Ich bedauere den aus meiner Sicht legitimen Beschluss des Rates der Stadt Duderstadt, weil nach meiner Wahrnehmung dadurch eine Chance für eine zukunftsorientierte Lösung für die Region verpasst wurde.“ Durch die schwerwiegende Entscheidung habe das monatelange intensive Ringen in den Verhandlungskommissionen und den Aufsichtsgremien in den Sparkassen ein jähes Ende gefunden.

„Das Ende dieser Fusionsbemühungen wird früher oder später für alle Beteiligten Auswirkungen entfalten, die man heute noch gar nicht abschließend einschätzen kann“, betont Uwe Weick.

Die Ablehnung durch den Rat der Stadt Duderstadt ist nicht nachvollziehbar, sagt auch Landrat Bernhard Reuter. Vielmehr sei festzustellen, dass in allen Verhandlungsschritten Übereinstimmung erzielt wurde, auch mit der Sparkasse und der Stadt Duderstadt. „Ich hätte erwartet, dass die Mitglieder der Verhandlungsdelegation aus Duderstadt und insbesondere der Bürgermeister die Führungsstärke aufbringen, den gemeinsam erzielten Konsens in ihrem Rat durchzusetzen.“ Sparkassen müssen sich der veränderten Wettbewerbssituation anpassen, der Erhalt des Status Quo sei keine Option. Der Aufwand, sich diesen Herausforderungen zu stellen, sei durch den Verzicht auf die Fusion für die vier betroffenen Sparkassen ungleich größer. Zusätzlich würden Synergieeffekte und Effizienzvorteile der vereinbarten Fusion nicht genutzt.

„Verzicht auf Gewinn“

Verzichtet werde auf den fusionsbedingten wirtschaftlichen Gewinn von acht Millionen Euro für die Sparkassen, entsprechende höhere Gewerbesteuern für die Kommunen, bessere Möglichkeiten für Investitionen in die Digitalisierung, ein verstärktes Leistungsangebot im Private Banking und für den Mittelstand, eine erhöhte Risikotragfähigkeit und entsprechend höhere Kreditvergabekompetenz, bessere Perspektiven und faire Chancen für Beschäftigte bei leistungsorientierten Stellenbesetzungen und die Zusicherungen für eine Verminderung von Reisebelastung und weiteren Ausgleichsmechanismen für die Beschäftigten über eine tragfähige und positive Dienstvereinbarung. Die Frage, wie es jetzt weitergeht, müssten jetzt, so Reuter, die Fusionsgegner beantworten.

„Es war und ist in allen Orten ein intensives Suchen des richtigen Weges“, auch in Duderstadt, sagt Duderstadts Bürgermeister Wolfgang Nolte (CDU). Das Abstimmungsergebnis am Dienstagabend im Rat der Stadt Duderstadt mit 29 Nein-Stimmen, drei Ja-Stimmen und drei Enthaltungen bezeichnet Nolte als eine „demokratisch legitimierte Entscheidung“, die zu respektieren sei – auch wenn die Gesprächs-Verhandlungsergebnisse „objektiv für Duderstadt als durchaus zufriedenstellend, ja sogar als gut bezeichnet werden können“.

Die Entscheidung betone einerseits den „identitätsstiftenden Status unserer Sparkasse für unsere Heimatregion“, so Nolte weiter, und mache gleichzeitig deutlich, „dass die Türen zu sach-, markt- und vor allem kundenorientierten Weiterentwicklungen schon für die mittlere Zukunft geöffnet bleiben“. Nolte sieht für die Sparkasse Duderstadt „neben den eigenen Weichenstellungen für eine eigene gute Zukunft zumindest die Möglichkeiten einer weiter verstärkten regionalen Kooperation zu nutzen“. Unterstützung von sportlichen oder kulturellen Aktivitäten vor Ort werde es auch in Zukunft geben, so ist sich der Bürgermeister sicher. „Die Kernfrage wird sein, in welchem Umfang.“

„Unumstößliche Entscheidung“

Der Hann. Mündener Bürgermeister Harald Wegener (BFMü) sagt: „Als Träger der Sparkasse Duderstadt hat der Rat eine Entscheidung getroffen, die unumstößlich ist. Ich habe das so nicht erwartet.“ Für die Sparkasse Münden bedeutet das aus Sicht Wegeners: „Wir werden zunächst ohne Partner an unserer Seite in den nächsten Jahren die vielen alten und neuen Herausforderungen meistern. Zielführende Kooperationen werden wir dabei im Auge behalten.“

Wo geht die Reise der Sparkassen in der Region und Hann. Münden im Besonderen hin? Wegener: „Bis gestern hätte ich das sehr konkret und genau beantworten können. Ab heute werden die Karten neu gemischt.“ Den Vorwurf aus Reihen des Rates in Duderstadt, die Mündener hätten sich durch das Verschieben der Abstimmung „aus der Verantwortung gestohlen“, weist Wegener zurück. „Die Gründe für die Verschiebung sind deutlich und transparent kommuniziert worden. Mangelnde Verständniskompetenz bewerte ich nicht. Im Übrigen steht es Mitgliedern des Duderstädter Rates nicht gut zu Gesicht, derartige ehrverletzende Äußerungen zu tätigen.“ Mit den Mitarbeitern der Sparkasse Münden sei man in eine „offene Debatte eingetreten, da hier auch im Verhältnis zu allen Häusern die größte Betroffenheit erkennbar ist“, so der Mündener Bürgermeister weiter.

„Vorteilhaftigkeit nicht gesehen“

„Die überfraktionelle Ablehnung hat mich nicht überrascht“, kommentiert der stellvertretende Duderstädter Bürgermeister und Verwaltungsratsmitglied Lothar Koch (CDU) die Abstimmung. Eindeutig sei für die Mehrheit der Ratsmitglieder „die Vorteilhaftigkeit für uns nicht zu sehen“. Er persönlich habe es als seine Pflicht angesehen, „unsere berechtigten Interessen“ zu vertreten. Koch macht klar, dass die Sparkasse Duderstadt sehr gut dastehe, was das Betriebsergebnis oder den Personalquotienten angehe. Deshalb mache er sich auch keine Sorgen um die Sparkasse Duderstadt: „Diese Herausforderung gibt einen Push“, so Koch und fügt hinzu: „Dies ist nicht der Tag der Häme.“

Uwe Hacke, Vorsitzender des Vorstands der Sparkasse Duderstadt kommentiert: „Über eine Fusion der Sparkasse entscheiden ausschließlich die Träger. Die deutliche Entscheidung des Rates der Stadt Duderstadt ist selbstverständlich zu respektieren. Die Gründe für die Aufnahme der Fusionsgespräche, die Herausforderungen gerade für kleine und mittelgroße Kreditinstitute, bleiben natürlich unverändert bestehen.

Die Sparkasse Duderstadt ist sehr gut aufgestellt. Wir werden nun gemeinsam mit unserem Verwaltungsrat die notwendigen Maßnahmen erörtern und einleiten, damit die Sparkasse auch künftig den Erwartungen der Kunden, der Träger und der Mitarbeiter entsprechen wird.“

Bad Lauterbergs Bürgermeister Dr. Thomas Gans war auch nach mehrfachen Versuchen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ein Statement von Thomas Scheffler von der Sparkasse Münden blieb ebenfalls aus.

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