Draußen in der Natur

Den Harz erleben und sich selbst – ein Erlebnisbericht

| Lesedauer: 5 Minuten
„Draußen“-Interview mit Kerstin Loehr

„Draußen“-Interview mit Kerstin Loehr

Unsere Chefredakteurin Kerstin Loehr im Hexenküchen-Gespräch.

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Unsere Chefredakteurin Kerstin Loehr erzählt, wie es sich anfühlt, morgens allein von Romkerhall im Okertal zur Hexenküche zu wandern.

Es ist Sonntagfrüh – sonnig und eisig kalt. Auf dem Bett liegt noch das Kleid von der Veranstaltung des Abends, daneben Skihose, Skijacke, Mütze, Handschuhe. Heute, an diesem Novembertag startet unser Harzprojekt. Treffpunkt mit unseren Gästen ist die Hexenküche.

Begegnung mit Wanderern

Es ist längst nicht das erste Mal, dass ich von Romkerhall den schmalen Weg zu den Kästeklippen wandere, aber es ist das erste Mal, dass ich dort ganz allein unterwegs bin – ausgerüstet mit Wanderstöcken, die diesmal auch wirklich zum Einsatz kommen, denn Teile des Weges sind gefährlich glatt.

Während ich nach oben kraxele, begegne ich einigen wenigen Wanderern. Mit einem Ehepaar komme ich kurz ins Gespräch, weil ich in dem teilweise abgeholzten Wald an einer Stelle, wo den Sägearbeiten ein Wegweiser zum Opfer gefallen ist, unsicher ob des richtigen Aufstiegs bin. Passt aber alles – und so geht’s weiter der Sonne entgegen – und unseren Gästen, die wir zu unserer Premiere mit Videoteam und vielen Gesprächen eingeladen haben. Doch zunächst habe ich noch etwas Zeit für mich, und zwar wirklich, denn das Handy hat nur noch sporadisch Empfang. Auch das ist ungewohnt, aber auch irgendwie entspannend.

Und der Alltagsstress fällt ab…

In diesem Moment, in der Natur, spüre ich mehr denn je, wie gut unser Harz tut. Wie aller Alltagsstress von mir abfällt, wie ich die Fernsicht als Freiheit empfinde, das Alleinsein als Inspiration, wie nicht ein Hauch von Fernweh in mir schwelt, nur Dankbarkeit, dass ich hier durch die Sonne stapfen kann, und Freude darüber, dass dieses berufliche Harz-Projekt nicht nur mich, sondern ein ganzes Team in den Bann gezogen hat.

Noch eine Wegbiegung und die Klippen tauchen auf – und wenn ich genau hinhöre, durchbricht ein Stimmengewirr die Stille. Kurz danach werde ich begrüßt mit großem Hallo und einer Tasse heißem Tee zum Aufwärmen. Und dann bin ich schon mitten drin in unserem neuen crossmedialen journalistischen Erzählformat, bei dem wir uns mit Menschen treffen, die wie wir den Harz und die Berge lieben, mit Menschen, die hier in schwierigen Zeiten Gastronomie wagen, die sich hier neben Stadtwohnung oder -haus ein Harz-Refugium zum Auftanken am Wochenende gönnen, mit Experten, die uns die Auswirkungen des Klimawandel erklären – und zwar direkt am Ort des Geschehens, mit Sportlern, Bergsteigern, Fotografen, die es von hier in die Welt und immer wieder zurück getrieben hat. Zwei davon sind heute hier: Christian Sander und Günther Koch.

12 Stunden an einem Ort in der Natur - leichter gesagt als getan

Für mich sehr spannend auch die Begegnung mit Hanna Busch und Hund Malouna, die hier ihre Liebe und Heimat gefunden hat – nach Stationen in ganz Europa. Mit ihr hat mein Kollege Michael Strohmann bereits einen Podcast aufgenommen, den Sie ebenfalls anhören sollten. Die nächsten Veranstaltungen dieser Art werden wir übrigens vorher ankündigen – denn vielleicht findet der eine oder die andere von Ihnen, allein oder als Familie, den Weg zu uns – um mit uns die Begeisterung für die Natur genauso wie die Sorgen um sie zu teilen und gern auch über den Klimawandel zu diskutieren.

Eigentlich hatte Michael Strohmann, selbst Extremsportler, ursprünglich das Format „24 Stunden an einem Ort“ vorgeschlagen – nach einer ersten, sagen wir mal, naiv-kindlichen Euphorie, haben wir (oder eher ich) aber beschlossen, auch angesichts der Jahreszeit, erst mal mit 12 Stunden zu beginnen. Auch dies aber sagt sich so locker dahin… Denn zwar verfliegen die Stunden tatsächlich dort draußen an den Klippen, und das Gemeinschaftsgefühl bringt Wärme in die Kälte. Doch die Glätte und damit die Gefährlichkeit des Abstiegs lassen uns bei diesem ersten Mal etwas früher aufbrechen, vernünftig sein, um vor Einbruch der Dunkelheit wieder am Parkplatz zu sein.

Wir freuen uns über Anregungen und Tipps

Dort haben wir dann plötzlich das Gefühl, uns alle in die Arme fallen zu müssen – die Reporter, die Gäste, die lieben Menschen, die beim Auf- und Abbau oben geholfen haben, das Videoteam, von der Braunschweiger Zeitung bis zum Harzkurier. Was für ein Tag! So wollen wir weitermachen – und freuen uns auf ehrliche Resonanz und jede Menge Anregungen und Tipps.