Wolfsburg wird digitale Vorzeigestadt

Wolfsburg.  Nach 5G nun auch noch der Titel „Smart City“. Die Anstrengungen in der VW-Stadt zahlen sich aus.

Wolfsburg von oben: Die VW-Stadt hat erneut den Zuschlag bei einem Digitalprojekt mit bundesweiter Ausstrahlung erhalten.

Wolfsburg von oben: Die VW-Stadt hat erneut den Zuschlag bei einem Digitalprojekt mit bundesweiter Ausstrahlung erhalten.

Foto: euroluftbild.de/Robert Grahn

Das Stadtleben der Zukunft soll immer mehr in Wolfsburg erprobt werden. Nach dem Zuschlag gemeinsam mit Braunschweig und dem Landkreis Helmstedt zur Modellregion beim neuen Mobilfunk-Standard 5G hat die VW-Stadt nun auch die Zusage für das „Modellprojekt Smart City“ erhalten.

„Smart City“, das klingt nach Zukunft, nach Dynamik und Technik. Und doch tat sich Bundesinnenminister Horst Seehofer am Mittwoch bei der Bekanntgabe der 13 bundesweiten Modellkommunen etwas schwer damit, zu sagen, was mit dem Begriff gemeint ist. Es gehe um Chancen und Herausforderungen, um zukunftsfähige Konzepte bei der Stadtentwicklung. „Die ersten geförderten Projekte zeigen dabei eindrucksvoll, wie der digitale Wandel einer Stadt zum Nutzen der Menschen vor Ort gestaltet werden kann“, ließ Seehofer per Pressemitteilung ausrichten.

Dabei geht es um eine Menge Geld. Der Bund will über einen Zeitraum von zehn Jahren in vier Staffeln rund 50 Modellprojekte mit etwa 750 Millionen Euro fördern. Für die erste Staffel, bei der Wolfsburg dabei ist, stehen 150 Millionen Euro bereit. Davon wird die VW-Stadt bis zu 11,3 Millionen erhalten.

Wolfsburg setzte im Konzept Schwerpunkte auf eine offene Digital-, Daten- und Serviceinfrastruktur in der Stadtverwaltung sowie auf den Bereich Verkehr. Beim Letzteren soll durch Echtzeitmessungen und Echtzeitsteuerung der Verkehr entlastet werden. So sollen die Bürger ganz konkret profitieren.

Die Stadt sieht sich bereits als Vorreiter in Sachen Digitalisierung. So hat der flächendeckende Glasfaserausbau begonnen. Es gibt eine kommunale E-Mobilitätsstrategie. Bei Dennis Weilmann laufen die Fäden zusammen. Er ist seit Anfang 2018 Referatsleiter Digitalisierung und Wirtschaft.

Wolfsburg gibt sich mit dem Erreichten nicht zufrieden. Der Bundestagsabgeordnete Falko Mohrs (SPD) sagte: „Mit Unterstützung von Bund und Land werden wir eine Vorreiterrolle übernehmen. Jetzt sind allerdings auch konkrete Zusagen durch das niedersächsische Wirtschaftsministerium gefragt.“

Sein Vater, Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD), richtete am Mittwoch nach der Zusage aus Berlin den Blick gleich nach vorne: „Wir haben hervorragende Voraussetzungen. Nun werden wir die Ressource erhalten, um weitere entscheidende Schritte zu planen, auszuprobieren und umzusetzen.“

Die Nachbarn aus Braunschweig reagierten am Mittwoch etwas zerknirscht. Die Stadt hatte sich ebenfalls als „Smart City“ beworben – bisher vergeblich. Artig gratulierte Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa den Wolfsburgern. Es ist wahrscheinlich, dass Braunschweig sich wieder bewirbt, drei Staffeln stehen ja noch aus.

Auch die Stadt Braunschweig setzte in ihrem Konzept auf den Bereich Mobilität. Es ging zudem unter anderem um altersgerechtes Wohnen und die dazugehörige intelligente Gebäudetechnik. Braunschweig will nicht nachlassen, jedoch sagte Leppa: „Ohne die Bundesmittel kann die Stadt freilich kurzfristig keinen so breiten Ansatz verwirklichen, wie es mit dem größeren finanziellen Spielraum im Rahmen der Förderung möglich gewesen wäre.“ Leppa kündigte einen intensiven Austausch mit Wolfsburg an. So ist das Modellprojekt ja auch gedacht: Andere Städte sollen von den Erfahrungen, die in Wolfsburg gemacht werden, profitieren. Und das Rad nicht neu erfinden müssen.

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