Vom Provokateur zum Chef-Diplomaten

Berlin  Gabriel ist gut vorbereitet aufs Auswärtige Amt. Im Ausland eckte er zuletzt öfter an.

Sigmar Gabriel steigt 2015 in Abu Dhabi in ein Flugzeug der Flugbereitschaft der Bundeswahr, um nach Doha zu fliegen.

Sigmar Gabriel steigt 2015 in Abu Dhabi in ein Flugzeug der Flugbereitschaft der Bundeswahr, um nach Doha zu fliegen.

Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die letzten Auslandsreisen Sigmar Gabriels im Regierungsauftrag brachten vor allem: Irritationen bei den Gastgebern. Ein Besuch des Vizekanzlers Anfang Oktober im Iran endete mit einem Eklat, zwei Monate später erlebte er auch in China einen kühlen Empfang. Der Wirtschaftsminister hatte zuvor seine Gastgeber in Peking und Teheran mit scharfer Kritik gereizt.

Es sind solche Erfahrungen, die in Berlin kritische Fragen provozieren: Kann Gabriel wirklich Chefdiplomat? Hatte er nicht zuletzt US-Präsident Donald Trump wegen seiner „hoch nationalistischen Töne“ kritisiert? Als Wirtschaftsminister ist seine Bilanz gut, aber als Außenminister erscheint der rauflustige Genosse manchem als Risiko.

Wohl zu Unrecht: Gabriel kennt sich auf internationalem Parkett besser aus als allgemein wahrgenommen – und diplomatisches Geschick hat er, wenn er will, auch. Seine Interventionen in Teheran oder Peking waren nicht spontane Ausfälle, sondern kühl geplante Mahnungen, die in der Bundesregierung abgesprochen waren. Wenn der SPD-Politiker am Freitag sein Amt antritt, ist er vergleichsweise gut vorbereitet. Er hat ein breites Netzwerk vor allem auf europäischer Ebene, war öfter in China als die Kanzlerin, hat als Wirtschaftsminister in Kanada die Hürden für das Freihandelsabkommen Ceta abgeräumt.

Seit längerer Zeit treiben ihn die internationalen Krisen um. Gabriel spricht von einer „Neuvermessung der Welt“, bei der die Spielregeln und Beziehungen der Staaten des 21. Jahrhunderts erst noch festgelegt werden. Nicht nur was den Kontakt zu Moskau anbelangt, wird er eng an seinen Vorgänger Frank-Walter Steinmeier anknüpfen. Im Stil allerdings dürfte Gabriel mitunter deutlicher werden: Er plädiert für einen „doppelten Dialog“ mit schwierigen Staaten, bei dem Probleme wie Menschenrechtsverletzungen klar benannt werden.

Für Gabriel bietet der neue Job die Aussicht, seine miserablen Umfragewerte zu verbessern – die medial stark präsenten Außenminister zählen oft zu den beliebtesten Politikern. Helfen wird es Gabriel kaum noch: Was immer nach der Wahl passiert, Außenminister bleibt Gabriel sicher nicht.

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