Osterode

Zufluchtsorte in Osterode für Kinder in Not

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Wenn Kinder Probleme haben - egal welcher Art -, finden sie bei den gekennzeichneten Kelly-Inseln einen Ansprechpartner, der ihnen in ihrer schwierigen Lage weiterhelfen kann (Symbolbild).

Wenn Kinder Probleme haben - egal welcher Art -, finden sie bei den gekennzeichneten Kelly-Inseln einen Ansprechpartner, der ihnen in ihrer schwierigen Lage weiterhelfen kann (Symbolbild).

Foto: Nicolas Armer / dpa

Osterode.  Stadtverwaltung Osterode und Kooperationspartner bringen das besondere Projekt Kelly-Inseln auf den Weg. So erhalten Kinder künftig Hilfe.

Nicht nur für Eltern ist es eine furchtbare Vorstellung, dass Kinder, wenn sie alleine unterwegs sind, in beängstigende oder bedrohliche Situationen geraten und vollkommen auf sich selbst gestellt sind. Künftig können sich Mädchen und Jungen in Osterode und den Ortsteilen in solchen Fällen an so genannte Kelly-Inseln wenden, Geschäfte und Einrichtungen, in denen sie ein offenes Ohr und Hilfe finden.

Grundschulen, Polizei, DRK und VTM kooperieren mit der Stadtverwaltung

Gemeinsam mit den Grundschulen haben die Stadt Osterode, die Polizei, das DRK Familienzentrum und der Verein für Tourismus und Marketing (vtm) das Projekt auf den Weg gebracht, nun haben sie im Ratssaal eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. „Wir freuen uns sehr, dass wir den Anstrengungen zum Schutz und Wohl der Kinder in Osterode einen weiteren Baustein hinzufügen können“, stellte Bürgermeister Jens Augat fest, betonte aber auch, dass es keine Reaktion auf eine aktuell besorgniserregende Lage sei.

„Die Akteure waren schnell im Boot“, lobte der Kontaktbeamte Marco Wode vom Polizeikommissariat Osterode die Bereitschaft der Kooperationspartner und skizzierte das Konzept der Kelly-Inseln, das aus mehreren Bausteinen besteht. Zunächst werden an den Grundschulen Elterninformationsabende durchgeführt, um Mütter und Väter für Risiken zu sensibilisieren, denen Kinder unter Umständen ausgesetzt sein können, und ihnen Tipps zur Vorbeugung zu geben.

Kinder werden im Unterricht vorbereitet

In Unterrichtseinheiten werden Schülerinnen und Schüler der zweiten Klassen – ohne sie zu verängstigen – über Gefahren aufgeklärt, es werden ihnen Verhaltens- und Hilfsmöglichkeiten für den Notfall aufgezeigt, und sie werden in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, erläuterte Wode. Zudem finden im Sportunterricht Übungen zur Selbstbehauptung und zum Selbstschutz statt, und der Polizeibeamte besucht die beteiligten Klassen, um mit ihnen über die behandelten Themen zu sprechen.

So hat die Projektvorbereitung zugleich einen präventiven Charakter, hob Wode hervor. Mädchen und Jungen werden beispielsweise darin bestärkt, ihren Gefühlen zu trauen und Nein zu sagen, wenn ihnen eine Situation unangenehm ist, sich nicht, insbesondere von Unbekannten, zu etwas überreden zu lassen und sich den Eltern bei Problemen anzuvertrauen. Nun fehlten nur noch die Gewerbetreibenden, die sich bereit erklären mitzumachen, stellte der Kontaktbeamte fest. „Ohne Geschäfte als Kelly-Inseln geht es nicht.“

Geschäftsinhaber werden zu Ersthelfern

Inhaber und Mitarbeitende bekämen Handlungsleitfäden an die Hand, wie sie reagieren sollten, wenn sich ein Kind in einer Notsituation an sie wendet. Sie seien quasi Ersthelfer, die weitere Hilfe vermitteln. Die Bereitschaft, sich an dem Projekt zu beteiligen, sei unter den Geschäftsleuten groß, zeigte sich der vtm-Vorsitzende Daniel Li zuversichtlich.

Plakate, die in Augenhöhe der Kleinen in den Schaufenstern aufgehängt werden, signalisierten Mädchen und Jungen, dass sie hier einen sicheren Ort finden, und sollen die Hemmschwelle senken, sich Beistand zu suchen und über ihre Nöte zu sprechen, erklärte Li. „Wir sind froh, dass es nun bald losgeht“, unterstrich Joyce Spillner vom DRK Familienzentrum. Durch die Kelly-Inseln würden die Wege zur Schule und in der Freizeit sicherer, und Kinder könnten sich geschützter fühlen.