Ernte 2022

Ukrainekrieg und EU-Politik: Bauern blicken sorgenvoll in Zukunft

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Quo vadis Landwirtschaft?

Quo vadis Landwirtschaft?

Foto: Wolfgang Burgtorf / Privat

Osterode.  Ein gedeckter Tisch ist nicht selbstverständlich: Am Sonntag wird das Erntedankfest begangen. Auch Landwirte der Region Osterode kämpfen mit Krisen.

Die derzeitigen Krisen machen eines deutlich: Der Lebensstandard, den viele genießen können, ist keinesfalls selbstverständlich, ein Umstand, den auch das Erntedankfest für die Landwirtschaft beschreibt. „Für uns Bäuerinnen und Bauern ist das immer wieder ein besonderer Tag, wir danken für Schöpfung, Wetter und nicht zuletzt natürlich auch für die Ernte“, macht Achim Hübner, Geschäftsführer vom Landvolk Göttingen, auf das Erntedankfest am Sonntag aufmerksam.

„Jedes Jahr ist in der Landwirtschaft anders, immer wieder hält es Überraschungen bereit. Und es ist den Landwirtsfamilien gelungen, wieder eine Ernte einzufahren, was nicht als selbstverständlich hingenommen werden sollte. Dabei gibt es auch für die Landwirtschaft enorme Herausforderungen“, ergänzt Gerhard Rudolph vom Landvolk Northeim/Osterode.

Ernte trotz großer Schwankungen überraschend gut

Zwei Corona-Jahre, der Krieg in der Ukraine und die Auswirkungen auf die Welternährung und die Handelsströme bereiten den Landwirten große Sorgen. Die Energiepreise explodieren, die Agrarmärkte sind unruhig, und auch vor Ort hat die ausgeprägte Trockenheit der vergangenen Monate eine enorme Herausforderung bedeutet. Rudolph: „Trotzdem können wir sagen, dass wir mit den Ernteergebnissen meistens zufrieden sein können, auch wenn der Klimawandel inzwischen deutlich spürbar ist.“

Die Erträge seien bei großen Schwankungen insgesamt überraschend gut gewesen, große Einbrüche gab es bei der Grasernte für die Milchviehhaltung und beim Mais für Rinder und Biogasanlagen. „Wir können das Wetter beklagen, am Ende sind wir von den Launen der Natur in weiten Teilen abhängig“, sagt dazu Markus Gerhardy, Kreislandwirt und Vorsitzender des Landvolks Göttingen.

„Politik sägt an wesentlichem Pfeiler der Gesellschaft“

Noch viel stärker jedoch bestimme die Politik das Wirtschaften: „Hier sehen wir sehr konkrete Bedrohungen für unsere Ernten: Wenn sich die Politik in Brüssel durchsetzt, werden in wenigen Jahren 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen mit einem Totalverbot für Pflanzenschutzmittel belegt – Ernten wird dann zur reinen Glückssache“, warnt der Kreislandwirt, und weiter: „Die Politik sägt hier wie schon bei der Energiewende an einem wesentlichen Pfeiler unserer Gesellschaft, der ausreichenden und sicheren Lebensmittelversorgung.“

Der Erntedank 2022 ist auch ein Einschnitt, denn: „Wir können uns nicht erinnern, dass der bäuerliche Berufsstand mit so vielen Sorgen in die Zukunft geblickt hat. Der Krieg in der Ukraine ist furchtbar und mit all seinen Folgen nicht einschätzbar, wir können hier nur auf einen raschen Frieden hoffen. Das Erntedankfest ruft uns auf, zurück zu schauen und zu bilanzieren: Sichere Ernten und reich gedeckte Tische sind keine Selbstverständlichkeit.“

In den mit landwirtschaftlichen Produkten geschmückten Kirchen wird am Sonntag überall im Kreis der Erntedank begangen. Vielfach wird für die Tafeln gesammelt, die Bedürftige mit Lebensmittel versorgen.